Evangelische Kirche sagt „Willkommen“ auf Arabisch

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat einen Kirchenführer auf Arabisch veröffentlicht. Die 40 Seiten dicke Broschüre „Willkommen in der Evangelischen Kirche“ vermittele ein Grundwissen über verschiedenen Bestandteile eines Kirchengebäudes, erklärte die Kirche in Düsseldorf.

Süddeutsche Zeitung

Auf Deutsch und Arabisch wird erläutert, was es mit Altar, Taufbecken, Orgel, Kerzen oder dem Hahn auf dem Dach auf sich hat. Das in 16 Kapitel aufgeteilte Bändchen im Hosentaschen-Format informiert auf Arabisch und auf Deutsch. Diese Ausgabe hat eine Auflage von 4000 Exemplaren. Von einer weiteren mit englischen und deutschen Texten wurden 1000 gedruckt. Im nächsten Jahr sind Ausgaben auf Farsi und Türkisch geplant.

Das Heft könne verwendet werden, wenn Menschen mit arabischer Sprache in Kontakt zur Kirche kämen, sagte ein Sprecher. Das reiche von Kirchenbesuchen in Urlaubsorten oder am neuen Wohnort über Sprachkurse bis hin zur Flüchtlingsarbeit von Gemeinden.

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Suche nach Mikrometeoriten vom Dach – Bürger helfen Forschern

(Bild: Museum für Naturkunde Berlin)

Täglich fällt außerirdischer Staub auf die Erde. Auf Dächern bleiben kleinste Meteorite liegen, wo sie jeder finden könnte. Wenn man weiß, wie das geht.

Von Gisela Gross | heise online

Geschosse aus dem All, die beim Einschlag riesige Krater auf der Erde hinterlassen – so stellt man sich als Laie gemeinhin einen Meteoriten vor. Dass diese aber tatsächlich in viel größerer Zahl in Miniaturform auf uns rieseln, ist weniger bekannt. Und erst seit wenigen Jahren ist klar, dass sich die außerirdischen Körnchen in Städten bergen lassen, wo sie zum Beispiel auf Flachdächern liegen bleiben. In Berlin haben Wissenschaftler mit der Suche begonnen und auch Bürger zur Mithilfe aufgerufen.

„Mikrometeorite – Der kosmische Schatz Berliner Dächer“ heißt das Mitmach-Projekt des Naturkundemuseums und der Freien Universität Berlin (FU Berlin), das vor wenigen Tagen gestartet ist. Mehr als 100 Menschen wollten mit auf die Jagd gehen, rund 20 wurden ausgewählt: vom Kind bis zum Rentner. Die Hälfte von ihnen sitzt an einem schwülen Morgen in einem abgedunkelten Hinterzimmer des Museums, um sich am Mikroskop an die Arbeit zu machen. Manche haben dafür extra Urlaub genommen.

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Bäume verschaffen „Leichnam“ ein Leben nach dem Tod

Lebend, tot, untot? Dieser Baumstumpf passt in keine Kategorie.Foto: Sebastian Leuzinger / iScience

Zwei Forscher stießen bei Wanderung auf einen Baumstumpf, der von seinen Nachbarn künstlich am Leben gehalten wird

DERSTANDARD

Bei einer Wanderung nahe der neuseeländischen Metropole Auckland stießen zwei Forscher auf einen ungewöhnlichen Fall: Im dortigen Wald ragte der Stumpf eines Kauri-Baums aus dem Boden. Und obwohl ein ast- und blattloser Stumpf definitionsgemäß der abgestorbene Überrest eines Baums sein müsste, war dieser immer noch am Leben.

Martin Bader und Sebastian Leuzinger von der Auckland University of Technology nahmen die untote Pflanze daraufhin etwas genauer unter die Lupe und stellten die Ergebnisse ihrer Untersuchung im Magazin „iScience“ vor. Sie stellten fest, dass die Wurzeln des Stumpfs mit denen der benachbarten Bäume verwachsen sind und dass der Stumpf von seinen Nachbarn auf diese Weise mit Wasser und Nährstoffen versorgt wird. Eine starke negative Korrelation zwischen der Bewegung des Wassers in den lebenden Bäumen und im Stumpf belegte den Zusammenhang– mit anderen Worten: Das Wasser strömte aus den lebenden Bäumen in ihren untoten Nachbarn.

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„Nordkreuz-Liste“ immer noch online: Totales Staatsversagen

Staatsversagen oder Ignoranz? Feindesliste Rechtsextremer ist online abrufbar. 
© imago images / Metodi Popow

Die Rechtsextremen stellen bereits 2016 eine Liste mit Kontaktdaten ihrer Gegner ins Netz. Doch die Behörden bleiben bislang untätig. Der Kommentar.

Von Katja Thorwarth | Frankfurter Rundschau

Seit 2016 sind im Internet Daten von rund 25.000 Menschen abrufbar, die die rechtsextreme Szene zu ihren politischen Feinden zählt. Name, Adresse, Handynummer, E-Mail-Kontakt, alles fein säuberlich in einer Excel-Tabelle gelistet, nach wie vor zum Download bereit.

Natürlich impliziert die seit Jahren durchs Netz geisternde Tabelle die Aufforderung, den politischen Gegnern der Rechten einen wie auch immer gearteten Schaden zuzufügen. Es scheint wie eine Aufforderung an all jene, die es den „linksversifften Zecken“ gerne mal zeigen würden. ‚Schaut, da sitzen sie, vielleicht in eurer Nachbarschaft‘, lautet die Botschaft, ganz so, als würde nur darauf gewartet, dass irgendwann einmal jemand die Theorie in die Tat umsetzt. 

Feindesliste wird auch vom AfD-Politiker verteilt

Wie weit die Liste Verbreitung fand, sieht man auch am AfD-Politiker Heiner Merz. Der hatte die Daten in einer E-Mail als Anhang verschickt. Übrigens ist der Mann Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg – und wer immer noch glaubt, die AfD sei nicht rechtsextrem, dem ist auch nicht mehr zu helfen.  

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Südamerikanisches Äffchen war nur so groß wie ein Hamster

Die Sedimentschichten an den Ufern des Río Alto Madre des Dios strotzen vor Fossilien. Unter anderem wurden dort die Überreste ausgestorbener Nagetiere und Fledermäuse gefunden.
Foto: Wout Salenbien, Duke University

Der winzige Parvimico materdei ist der kleinste fossile Affe, den man je gefunden hat

DERSTANDARD

Wissenschaftliches Arbeiten erfordert Geduld und ein gutes Auge – davon kann ein Team peruanischer und US-amerikanischer Forscher ein Lied singen, dessen jüngste Arbeit nahe an der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen lag. Konkret durchsiebten sie eine Tonne Sediment von einem peruanischen Flussufer, um schließlich einen einzelnen Zahn zu finden, der gerade einmal doppelt so groß wie der Kopf einer Stecknadel war.

Dieser Zahn ist allerdings aufschlussreich. Er ist 17 bis 19 Millionen Jahre alt und muss als einer der oberen Backenzähne im Gebiss eines Affen gesessen haben, der nur so groß wie ein Hamster gewesen sein kann. Die bislang unbekannte Spezies erhielt die Bezeichnung Parvimico materdei, was in etwa „winziger Affe aus dem Muttergottesfluss“ bedeutet, da der Fund aus dem Río Alto Madre des Dios im Südosten Perus stammt.

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Napoleon und die Kirche: Ein taktisches Verhältnis — Die religiöse Landschaft auch in Deutschland umgekrempelt

Krönung von Napoleon Bonaparte in Anwesenheit von Papst Pius VII.
© Wikimedia Commons/gemeinfrei

Der Papst als Verräter? Als Pius VII. Napoleon bei der Kaiserkrönung salbte, waren die Monarchisten empört – segnete das Kirchenoberhaupt damit doch die Französische Revolution. Doch Pius war alles andere als willfährig.

DOMRADIO.DE

Frankreich feiert den 250. Geburtstag von Napoleon Bonaparte. Der Feldherr und Kaiser, der am 15. August 1769 im korsischen Ajaccio zur Welt kam, hat Europas Landkarte umgekrempelt. Auch für Katholizismus und Kirche war seine Herrschaft ein Wendepunkt.

„Ich sterbe in der apostolischen und römischen Religion, in deren Schoß ich vor mehr als 50 Jahren geboren wurde.“ So heißt es im Testament, das Napoleon 1821 kurz vor seinem Tod am 15. Mai in der Verbannung auf St. Helena diktierte. Zuvor hatte er von zwei italienischen Patres die Sterbesakramente erhalten.

Versöhnung der Gesellschaft

Dennoch: Napoleons Verhältnis zur Religion war weithin taktisch geprägt. Persönlich war er nicht fromm, sah den Katholizismus aber als Teil seines Lebens und als „die Religion meiner Väter“, wie seine Biografen Günter Müchler und Adam Zamoyski betonen. Religion war für ihn Klebstoff für die Gesellschaft und Schutz vor sozialen Unruhen.

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Ungarn und Polen finden plötzlich Brüssel gut

Ursula von der Leyen empfängt Viktor Orbán am 1. August in Brüssel. Bild: dpa

Jahrelang haben sich Viktor Orbán und Jaroslaw Kaczynski mit der EU-Kommission angelegt. Jetzt feiern sie die neue Präsidentin und suchen die Zusammenarbeit. Was ist da los?

Von Thomas Gutschker | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ursula von der Leyen geht mit einer Bürde in ihr künftiges Amt als Kommissionspräsidentin: Sie war angewiesen auf Stimmen der Regierungsparteien in Polen und Ungarn – jenen beiden Staaten, welche die Kommission wegen Rechtsstaatsverstößen auf dem Kieker hat. Viele werden von der Leyen deshalb genau auf die Finger sehen. Zeigt sie sich nachlässiger als ihr Vorgänger Juncker und der neue alte Vize Frans Timmermans? Bisher kann man ihr nichts vorhalten. In ihren politischen Leitlinien bekennt sie sich ohne Wenn und Aber zu den Grundrechten. Außerdem will sie Verstöße früher erkennen und wirksamer ahnden. Sie ist auch dafür, dass Geld aus EU-Töpfen nur fließen soll, wenn der Empfänger Recht und Gesetz wahrt.

Nun zeigt sich sogar, dass die Konstellation eine politische Chance darauf birgt, Polen und Ungarn aus ihrer selbstgewählten Isolation herauszuholen. Die Regierungen in Warschau und Budapest haben von der Leyens Wahl fast überschwänglich gefeiert. Manchmal klang das seltsam; etwa, wenn Viktor Orbán schon in den sieben Kindern der neuen Kommissionspräsidentin eine Trendwende für Europa erkennen wollte. Doch scheint dahinter ein echter Wille zu stehen, die Beziehungen zur Kommission zu entgiften.

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Ates: Linkes Milieu zum Teil blind für Gefahr durch Islamisten

Die Imamin und Frauenrechtlerin Seyran Ates warnt davor, die Gefahr durch Islamisten zu verharmlosen. „Es gibt muslimische Migranten und Organisationen, wie die Muslimbrüder, die in manchen Belangen sogar rechts von der AfD stehen. Dafür sind Teile aus dem linken Milieu blind“, sagte die Muslimin der „Augsburger Allgemeinen“ (Montag).

evangelisch.de

Im Übrigen sehe sie die Ursache dafür, dass es die AfD gibt, darin, dass die etablierten Parteien Themen wie die Migration „lange verpennt“ hätten.

Ates beklagte, dass ein Teil der Deutschen die eigene Identität verleugne. „Wir brauchen keine Opferdiskurse und auch keinen Deutschenhass“, sagte die Muslimin, die 2017 im Berliner Stadtteil Moabit die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee eröffnete. Die Gesellschaft brauche auch keine selbst ernannten Ausländerfreunde, die ganz entsetzt seien, wenn man sagt, dass viele Menschen auch wegen der deutschen Kultur kämen.#

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Sekten: Zum «sozialen Tod» verurteilt

Die strengen Regeln der Zeugen Jehovas bereiten Fachstellen für Sektenfragen Sorgen. Im Bild die Niederlassung der Organisation in Zürich. (Bild: Andreas Faessler, 31. Juli 2019)

Ein Gedenktag soll die Öffentlichkeit auf eine bedenkliche Praxis der Zeugen Jehovas aufmerksam machen.

Andreas Faessler | Luzerner Zeitung

Aus der im Jahre 1870 von Charles Taze Russell in Amerika gegründete Bibelforscherbewegung, auch Wachtturm-Gesellschaft genannt, sind im Laufe der Zeit mehrere weitere religiöse Glaubensgemeinschaften hervorgegangen. Die bekannteste von ihnen sind die Zeugen Jehovas. Am 26. Juli 1931, exakt vor 88 Jahren, gab Joseph Rutherford, zweiter
Präsident der Wachtturm-Gesellschaft, der abgespalteten Organisation diesen neuen Namen und wandelte die bisher nach den lockeren Regeln Russells lebende Gemeinschaft in eine straffe Organisation um, deren Regeln in den Folgejahren immer strenger wurden.
Rutherfords Nachfolger, Nathan Knorr, erweiterte den Regelkatalog in den 1960er-Jahren um einen besonders denkwürdigen Punkt: Der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas wurde ein striktes Kontaktverbot zu ehemaligen Mitgliedern auferlegt, auch wenn es sich dabei um enge Familienangehörige handelt.

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Staatsleistungen für Kirchen: Linke fordert Kommission

Bild: tilly

Die Linke in Sachsen-Anhalt unternimmt einen weiteren Anlauf, die sogenannten Staatsleistungen für die beiden christlichen Kirchen abzuschaffen. Die Linke-Fraktion will in der nächsten Landtagssitzung die Einrichtung einer entsprechenden Kommission mit Vertretern des Landtags, der Regierung und der Kirchen beantragen, berichtete die „Magdeburger Volksstimme“ am Freitag.

Süddeutsche Zeitung

Der Linken-Abgeordnete Wulf Gallert sagte: „Wir wollen keinen Anti-Kirchen-Prozess führen.“ Sie sollten aber finanziert werden wie alle anderen Einrichtungen auch, der Landesrechnungshof solle Prüfrechte haben. Die Staatsleistungen Sachsen-Anhalts an die evangelische und katholische Kirche betragen in diesem Jahr laut Gallert rund 35 Millionen Euro.

Die evangelische und die katholische Kirche in Deutschland finanzieren sich neben der Kirchensteuer auch durch staatliche Gelder. Grund dafür ist die Politik Napoleons Anfang des 19. Jahrhunderts, die zu Enteignungen von deutschen Kirchen und Klöstern geführt hat. Als Ausgleich dafür sprang der Staat ein. In der Weimarer Verfassung hieß es, dass diese Leistungen abgelöst werden sollten, was später auch ins Grundgesetz einging. Bislang wird aber noch jährlich gezahlt.

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Nach Ende des INF-Vertrags: USA wollen Raketen in Asien stationieren

Bild: tagesschau.de

Die USA wollen „so schnell wie möglich“ landgestützte Mittelstreckenraketen in Asien stationieren. Dies dürfte eine Botschaft an Peking sein. Der INF-Vertrag, der diese Waffen verbot, war erst am 1. August ausgelaufen.

tagesschau.de

Es wirft ein neues Licht auf das Ende des INF-Vertrages: Kaum zwei Tage nach dem formellen Ende des Abrüstungsvertrages aus den Zeiten des Kalten Krieges hat die US-Regierung die baldige Stationierung konventioneller Mittelstreckenraketen in Asien angekündigt. Man wolle dies „so schnell wie möglich“ realisieren, wenn möglich innerhalb von Monaten, sagte US-Verteidigungsminister Mark Esper im Flugzeug auf dem Weg nach Sydney.

Allerdings dauere es oft länger als man erwarte. Esper ließ offen, wo genau die Raketen stationiert werden sollen. Über „derartige Dinge spricht man zuerst mit den Verbündeten“, so der Minister.

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Euro­päi­sche Haft­be­fehle aus Öst­er­reich eben­falls unwirksam?

© Cédric Puisney, wikimedia commons, CC BY-SA 2.0, Zuschnitt und Skalierung durch LTO.

Die deutschen Staatsanwaltschaften dürfen keinen Europäischen Haftbefehl mehr ausstellen. Hat Österreich das gleiche Problem? Das muss nun der EuGH entscheiden. Die Vorlage kommt ausgerechnet vom Kammergericht.

Von Annelie Kaufmann | Legal Tribune Online

In Deutschland kennt man sich mit dem Thema inzwischen bestens aus: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte im April dieses Jahres entschieden, dass die deutschen Staatsanwaltschaften keinen Europäischen Haftbefehl (EuHB) ausstellen dürfen, weil sie nicht strikt unabhängig organisiert sind. Seitdem muss in jedem Fall ein Richter entscheiden. Offene Haftbefehle, die noch von der Staatsanwaltschaft ausgestellt wurden, müssen ersetzt werden. In der Praxis bringt das einige Probleme mit sich.

Insofern ist es sozusagen naheliegend, dass nun ausgerechnet ein deutsches Gericht bei einem EuHB der Staatsanwaltschaft Wien stutzig wurde. Die österreichischen Staatsanwaltschaften sind dem Bundesminister für Justiz untergeordnet und damit, ähnlich wie die deutschen Kollegen, weisungsgebunden.

Das Kammergericht (KG) geht deshalb davon aus, dass sie ebenfalls nicht als Ausstellungsbehörde im Sinne des Art. 6 Abs. 1 des entsprechenden EU-Rahmenbeschlusses zum Haftbefehl (2002/584/JI) in Betracht kommen, denn der EuGH verlangt eine strikt unabhängig organisierte Justizbehörde.

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Kirchentagspräsidentin Limperg für Dialog mit AfD-Basis

Kirchentagspräsidentin Bettina Limperg ist überzeugt, dass man versuchen muss AfD-Wähler und -Sympathisanten zu erreichen. Denn diese würden nicht aus reiner Boshaftigkeit oder Bösartigkeit heraus handeln. Bei einigen Funktionären sei sie sich jedoch nicht so sicher.

katholisch.de

Die evangelische Kirchentagspräsidentin für den 3. Ökumenischen Kirchentag, Bettina Limperg, wirbt für den Dialog mit Mitgliedern, Sympathisanten und Wählern der AfD. „Wir wollen Menschen erreichen, auch solche, deren Überzeugungen wir schwierig finden oder ablehnen“, sagte sie dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ am Samstag. „Dahinter steht ja zumeist keine Boshaftigkeit oder Bösartigkeit, zumindest bei den einfachen Mitgliedern.“ Bei den Funktionären sei sie sich da nicht so sicher, betonte Limperg. Der 3. Ökumenische Kirchentag findet 2021 in Frankfurt am Main statt.

„In der Regel sind es Enttäuschungen, Ängste, Verluste, die Suche nach etwas, das man verloren hat oder verloren glaubt, die Menschen zu radikalisierenden Parteien treiben„, sagte die evangelische Kirchentagspräsidentin, die auch Präsidentin des Bundesgerichtshofs (BGH) ist.

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„Die EU strebt eine tiefgreifende Verschärfung des Asylsystems an“

Grafik: TP

Interview über Seenotrettung und Dissonanzen in der EU mit dem Migrations- und Grenzpolitik-Forscher Bernd Kasparek

Peter Nowak | TELEPOLIS

Bernd Kasparek forscht zum europäischen Grenz- und Migrationsregime, mit Schwerpunkt europäische Grenzschutzagentur Frontex, Asylpolitiken und Infrastrukturen. Er ist Vorstandsmitglied der Forschungsassoziation bordermonitoring.eu. Kürzlich ist von ihm im Verlag Bertz + Fischer das Buch Europas Grenzen. Flucht, Asyl und Migration erschienen. Telepolis sprach mit ihm über die „Migrationsaußenpolitik“ der EU.

In der letzten Woche haben zahlreiche deutsche Politiker – sogar Horst Seehofer – den italienischen Innenminister wegen seiner Weigerung, die Grenzen für Gerettete zu öffnen, kritisiert. Ist Deutschland plötzlich eine einzige Nation von Seenotrettern?

Bernd Kasparek: Eine einzige Nation von Seenotretter, das wäre natürlich übertrieben. Ich finde es aber in der Tat bemerkenswert, welches breite zivilgesellschaftliche und aktivistische Engagement es mittlerweile zur Frage des Sterbens an den Grenzen Europas gibt. Und dass dieser Druck vermehrt Politiker dazu bringt, sich zu dieser immanent wichtigen Frage zu verhalten. Seit dem Fall der Cap Anamur 2004, als die Seenotrettung von der deutschen Politik noch verteufelt wurde, hat sich viel bewegt.

In Ihrem Buch „Europas Grenzen. Flucht, Asyl und Migration“ zeigen Sie auf, dass es beim europäischen Grenzmanagement in erster Linie um Flüchtlingsabwehr ging. Setzt sich diese Linie in der aktuellen Debatte in der EU um die Aufnahme der Geflüchteten fort?

Bernd Kasparek: Was bei der aktuellen Debatte um die Aufnahme von Geretteten aus dem Blick gerät, ist, dass die EU eigentlich eine tiefgreifende Verschärfung des europäischen Asylsystems anstrebt. Die vorgeschlagene Asylverfahrensverordnung soll möglichst viele Asylsuchende schon an den Grenzen Europas festhalten, geplant ist eine Zugangsprüfung. Flüchtende sollen also erstmal beweisen, dass sie überhaupt Zugang zum Asylsystem verdienen, erst dann soll ihr Asylantrag in einem beschleunigten Verfahren geprüft werden. Wer es schafft, diese doppelte Hürde zu überwinden, soll dann durch die vorgeschlagenen Dublin-Reform an der Grenze Europas festgehalten werden: Jegliche Form selbstbestimmter Weiterreise in der EU wird kriminalisiert. Das bestehende System hat aber innerhalb der EU eine massive Dissonanz ausgelöst, der aktuell diskutierte Mechanismus der „Koalition der Willigen“ ist lediglich der Versuch, dem bestehenden System etwas Flexibilität beizubringen und es damit zu stabilisieren.

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Hilfe, die Schamanen sind los – und treiben in der Schweiz ihr Unwesen

Indianerhäuptling Chief Dancing Thunder. Bild: watson.ch

Der vermeintliche Schamane Chief Dancing Thunder ist auf Trauma-Therapien spezialisiert und führt in Zürich ein Seminar durch.

Hugo Stamm | Watson.ch/Blog

Esoterische Ideen zeichnen sich dadurch aus, dass alle alten spirituellen Traditionen und Heilsverfahren als äussert sanft und wirksam gepriesen werden. Vor allem aber stehen sie im Ruf, der menschlichen Natur gerecht zu werden. Im Gegensatz zu den auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und technischen Hilfsmitteln basierenden modernen Methoden.

Bei den esoterischen Heilmethoden und den komplementären Therapien sind angeblich immer spirituelle Energien im Spiel. Oft auch Geistwesen und göttliche Kräfte, die Geistheiler auf die Patienten übertragen.

Prototypen dieser naturverbundenen Heiler, die altes Wissen und heilerische Traditionen verkörpern, sind die Schamanen. Der Neo-Schamanismus ist ein erfolgreicher Zweig der modernen Esoterik. Die New-Age-Bewegung holte die verbliebenen Schamanen aus der Versenkung und zerrte sie ins Rampenlicht. Und der Erfolgsautor Carols Castaneda hauchte ihnen mit seinen unsäglichen Schinken neues Leben ein. Und plötzlich tauchten Tausende von Schamanen auf, die sich Chief oder Häuptling nennen.

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Die USA kündigen im Fall Skripal neue Sanktionen gegen Russland an

6. Märy 2018: Polizisten riegeln den Tatort des Giftanschlags auf den russischen Doppelagenten Sergei Skripal und seine Tochter ab. (Bild: Matt Cardy / Getty)

Die USA wollen sich gegen die Verlängerung jeglicher Kredite sowie gegen die Unterstützung für Russland durch internationale Finanzinstitutionen stellen. Damit will die US-Regierung die Sanktionen gegen Russland wegen des Giftanschlags auf den russischen Doppelagenten Sergei Skripal verschärfen.

Neue Zürcher Zeitung

Die USA haben wegen des Giftanschlags auf den russischen Doppelagenten Sergei Skripal in Grossbritannien weitere Sanktionen gegen Russland angekündigt. Die US-Regierung werde sich gegen die Verlängerung jeglicher Kredite sowie gegen die Unterstützung für Russland durch internationale Finanzinstitutionen stellen. Dies teilte eine Sprecherin des US-Aussenministeriums am Samstag mit. Eingeschränkt werde auch Russlands Zugang zu Geschäften mit US-Banken.

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Literaturwissenschaftlerin über Religion und Glaube bei Fontane: „Letztlich sind wir doch alle Europäer“

Theodor Fontane Denkmal in Neuruppin
© John Kehly (shutterstock)

Ein Schriftsteller in einer „entkirchlichten Zeit“: In punkto Religion lässt sich Theodor Fontane nur schwer festlegen. Anlässlich seines 200. Geburtstags untersucht die Literaturwissenschaftlerin Lütteken Fontanes Religiosität und Hang zur Ironie.

DOMRADIO.DE

Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): Was ist über die religiöse Prägung in Theodor Fontanes (30. Dezember 1819 in Neuruppin – 20. September 1898 in Berlin) Kindheit bekannt?

Anett Lütteken (Literaturwissenschaftlerin): Ein wenig lässt sich aus seinem autobiografischen Roman „Meine Kinderjahre“ in Erfahrung bringen. Es geht zum Beispiel darum, dass seine Familie in der Refugie-Tradition stand, sich also zur französischen Herkunft bekannt hat und damit auch zum reformierten Bekenntnis.

Zugleich schreibt er, seine Mutter sei sehr temperamentvoll gewesen – aber es habe bei ihr keine Spur von „Religionseifer“ gegeben. Er beschreibt sie vielmehr als „Kind der Aufklärungszeit“. Das lässt sich als sanfter Hinweis lesen: Man war zwar Teil der reformierten Gemeinde im Großraum Berlin-Brandenburg, aber viel mehr nicht.

KNA: Wie sah dieses Gemeindeleben aus?

Lütteken: Viele Dinge, die im 19. Jahrhundert selbstverständlich waren, sind heute nicht mehr präsent. Dazu gehören auch Aktivitäten und Praktiken von Frömmigkeit. Fontane selbst gibt darüber nur bescheidene Auskunft: Gegen Ende seines Lebens schildert er etwa, wie er Weihnachten verbracht hat – jeweils in einem Satz zusammengefasst.

Generell sollte man diesen privaten Menschen von dem Publizisten Fontane trennen. Das Gesellschaftspanorama, das er verfasst hat, ist nicht mit seiner persönlichen Einschätzung gleichzusetzen.

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