Der „Gotteslästerungsparagraph“ 166 gehört abgeschafft

Bild: IBKA

Nach § 166 des deutschen Strafgesetzbuches macht sich strafbar, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.

Pressemitteilung | IBKA

Das Strafmaß ist Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

Was ist das Problem?

Menschen verdienen Schutz vor Beleidigung, nicht Doktrinen, Ideologien oder Religionen.

Der § 166 wird mit der Begründung verteidigt, religiöse Gefühle dürften nicht beleidigt werden. Dabei wird verkannt, dass der Paragraph nicht religiöse Gefühle schützen soll, sondern die öffentliche Ordnung.

Obwohl er seit Ende der 1960er Jahre nicht mehr „Gotteslästerung“ unter Strafe stellt, wird er zumeist von Menschen bemüht, die ihre Religion unangemessen dargestellt sehen. Bezeichnenderweise erregen bildliche Darstellungen viel häufiger Anstoß als etwa verbale Attacken auf Bekenntnisinhalte.

Obwohl er gar nicht den Zweck hat, religiöse Gefühle zu schützen, lädt er dazu ein, die Staatsgewalt in Anspruch zu nehmen, um gegen als anstößig empfundene Darstellungen der eigenen Religion vorzugehen, d.h. als Zensurinstrument benutzt zu werden.

Dass die Strafbarkeit an die mögliche Störung des öffentlichen Friedens geknüpft ist, erhöht zwar die Anforderungen an die Strafbarkeit, hat aber zur Folge, dass der Paragraph am ehesten bei Religionen mit gewaltbereiter Anhängerschaft greift.

In Deutschland sind Verurteilungen wegen Beschimpfung der Religion seit einigen Jahrzehnten selten. Anderswo sieht dies jedoch anders aus.

In etlichen islamisch geprägten Ländern ist die „Beleidigung“ des Islam oder des Propheten mit schweren Strafen bedroht. Diese Strafvorschriften sind ein Repressionsinstrument gegen religiöse und weltanschauliche Minderheiten.

Dass Deutschland am § 166 festhält, erschwert die Abschaffung dieser menschenrechtswidrigen Strafvorschriften.

In Ländern wie Norwegen und Irland wurde diese Problematik erkannt und die Strafbarkeit von Blasphemie abgeschafft. In vielen Ländern sind derartige Strafvorschriften generell unbekannt.

Die Konsequenz ist klar: Der § 166 kann seinen Zweck, den öffentlichen Frieden zu schützen, nicht erfüllen. Aus menschenrechtlicher Sicht ist er schädlich und muss daher ersatzlos abgeschafft werden.

Neue Struktur des Goldes entdeckt

Gold wird bei schneller Kompression bis auf extremen Hochdruck erst raumzentriert und dann flüssig, wie nun ein Expiermet belegt. © Para827/ iStock

Überraschender Wandel: Wenn Gold sehr schnell komprimiert wird, verhält es sich völlig anders als erwartet. Denn das Edelmetall wird nicht dichter, sondern lockert seine Kristallstruktur, wie Forscher bei Hochdruck-Experimenten entdeckt haben. Ab 220 Gigapascal entsteht so eine kubisch-raumzentrierte Struktur – für Gold etwas völlig Neues. Ungewöhnlich auch: Erhöht man den Druck weiter, wird das Gold sogar flüssig.

scinexx

Gold ist nicht nur ein begehrtes Edelmetall, es ist auch in chemischer und physikalischer Hinsicht ziemlich ungewöhnlich – und sorgt bis heute für Überraschungen. Denn das gelbglänzende Metall ist außergewöhnlich reaktionsträge und beständig und hat einen einzigartigen Glanz. Zudem werden Goldpartikel im Nanomaßstab zu einem extrem effektiven „Strahlenschlucker“ und reagiert in überraschender Weise auf elektrische Felder.

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Weniger Demokratie wagen

Grafik: TP

Die EU-Handelsabkommen mit Japan, Singapur und Vietnam gehen den mit CETA eingeschlagenen Weg der Entmachtung der Parlamente durch „Ausschüsse“ konsequent weiter

Thomas Köller, Walter Gröh | TELEPOLIS

Sie meinen, über CETA & Co. schon alles zu wissen, und die Sache sei doch sowieso schon gegessen? Beides könnte ein großer Irrtum sein.

Zur Erinnerung: Ab 2013/2014 tobte bis Ende 2016 in ganz Europa eine harte Auseinandersetzung zuerst um „TTIP“ und dann um „CETA“, beides sogenannte Freihandelsverträge „der neuen Generation“, weil es in ihnen um weit mehr als bloß die Senkung von Warenzöllen gehen sollte. Sowohl mit den USA (TTIP) wie mit Kanada (CETA) wollte die EU weitreichende Liberalisierungen auch der öffentlichen Dienstleistungen, eine Paralleljustiz für Investoren (private Investitionsschiedsgerichte) und vieles mehr vereinbaren, was den KritikerInnen jedoch vor allem auf eins hinauszulaufen schien: eine weitreichende Einschränkung und Aushebelung der Demokratie. Nämlich überall dort, wo es darum geht, den Bereich der Wirtschaft im weitesten Sinn durch demokratisch beschlossene Gesetze zu regeln.

Ausschüsse entmachten Parlamente

Schon bei TTIP und CETA also war dieser Demokratieabbau der eigentlicher Kern des Streits, gemeinsamer Nenner all der kritisierten Einzelaspekte. Ausgerechnet die Verlagerung wesentlicher zukünftiger Entscheidungen in neu geschaffene, rein exekutive Gremien ist dabei jedoch teilweise unterbelichtet geblieben.

Zwar wurde immer wieder kritisiert, dass ExekutivvertreterInnen der jeweiligen Vertragsparteien – bei CETA also der EU und Kanadas – neue Gesetzesvorhaben frühzeitig abstimmen sollen. Und diese „Regulatorische Kooperation“ oder „Regulierungszusammenarbeit“ im Sinne von CETA-Kapitel 21 (und eines entsprechenden Kapitels im seinerzeit geplanten TTIP) ist auch sicher schlimm genug, da sie an den Parlamenten vorbei und zugleich unter Mitwirkung von Industrievertretern stattfindet. Zugleich aber ist sie auch eine Nebelkerze, da sie formal freiwillig bleibt (Art. 21.2 Abs. 6 CETA), dieselben Verträge, auch CETA, zugleich aber ein viel umfassenderes System von „Ausschüssen“ installieren, welche ihrerseits knallhart anstelle der Parlamente entscheiden bzw. diesen Vorgaben machen können.

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Diakonie-Experte: „Kaum neue Stellen in Pflegeheimen“

Die Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege in NRW (LAG) kritisiert das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz. Bislang gingen die Regelungen ins Leere, beklagt Vorsitzender Christian Heine-Göttelmann. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) müsse nachbessern.

evangelisch.de

Das Antragsverfahren sei viel zu bürokratisch, sagte der Vorstand des Diakonischen Werks Rheinland-Westfalen-Lippe dem Evangelischen Pressedienst (epd). Seit dem Start des Gesetzes zum Jahresbeginn, das 13.000 zusätzliche Stellen ermöglicht, seien nur wenige neue Jobs in den Heimen entstanden.

Heine-Göttelmann kritisierte den hohen bürokratischem Aufwand beim Stellen der Anträge. „Das ist für die Einrichtungen und die Kostenträger einfach nicht leistbar. Viele verzichten deshalb auf einen Antrag für die zusätzlichen Stellen.“

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Die hässliche Seite der Berliner Tattoo Convention

Eindeutig zu erkennen. So trat eine Kandidatin zur „Miss-Tattoo“-Wahl an.Foto: privat

Eine 29-Jährige trat zur Wahl der „Miss Tattoo“ an – und offenbarte zwei Hakenkreuze auf den Rückseiten ihrer Oberschenkel. Jetzt ermittelt die Polizei.

Von Anima Müller | DER TAGESSPIEGEL

Auf der „Tattoo Convention“ sind bei der Wahl zur diesjährigen „Miss Tattoo“ Hakenkreuze auf einer Bühne gezeigt worden. Eine 29-Jährige, die an der Wahl in der Arena Berlin in Alt-Treptow teilnahm, hatte die um 45 Grad nach rechts gedrehten „Swastika“-Symbole auf die Rückseite ihrer Oberschenkel tätowiert. Die Polizei bestätigte, dass es sich um verfassungsfeindliche Symbole handele. Sie ermittelt in dem Fall nun wegen Verdachts einer Straftat nach Paragraf 86a Strafgesetzbuch. Das Hakenkreuz öffentlich zu zeigen, ist verboten.

Die Jury, so ein Besucher, sei noch während des Auftritts der Frau vom Publikum auf die Tattoos aufmerksam gemacht worden. Die Jury habe es zwar für möglich gehalten, dass es sich um Hakenkreuze handele. Trotzdem habe sie die Frau in die nächste Runde gewählt. „Ich hatte das Gefühl, dass die Hakenkreuze dort vom Publikum äußerst positiv aufgenommen wurden“, sagte der Besucher dem Tagesspiegel, „das war skandalös, es handelte sich ja nicht mal um eine klassische Swastika“.

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Kirchenasyl – „Kein Wille zur Anerkennung von Härtefällen erkennbar“

Er lehne das Kirchenasyl „prinzipiell und fundamental ab“, sagte der frühere Innenminister de Maiziere und mahnte Änderungen an. Seit der Verschärfung der Regelungen für das Kirchenasyl werde nun kaum ein Härtefallantrag mehr anerkannt. Hilfsverbände schlagen Alarm.

Von Birgit Wilke | katholisch.de

Der Appell klingt verzweifelt: Selbst hoch suizidale Menschen oder Opfer von Menschenhandel würden nicht mehr als besondere Härtefälle anerkannt, so schrieb die ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft „Asyl in der Kirche“ (BAG) unlängst in einem offenen Brief an die Innenminister. Aus dem Bamf, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, gebe es so gut wie keine positiven Voten mehr.

„Asyl in der Kirche“ begleitet bundesweit Kirchengemeinden oder Ordensgemeinschaften, die von der Abschiebung bedrohte Flüchtlinge aufnehmen, und führt Statistiken. Dass derzeit fast keine Härtefälle mehr anerkannt werden, führt der Verband auf die neuen Regelungen zurück, die Anfang August letzten Jahres in Kraft traten.

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Rente erhöht bei Besserverdienenden die Sterblichkeit

Wer harte Arbeit verrichtet wie Beschäftigte im Straßenbau profitiert von einem frühen Renteneintritt. In anderen Berufsgruppen ist es genau umgekehrt.(Foto: dpa)
  • Die Rente hat in unterschiedlichen Berufsgruppen eine andere Auswirkung auf die Gesundheit.
  • Am größten ist der Effekt für Arbeitslose, wohl weil sie als Rentner das gesellschaftliche Stigma abschütteln, keinen Job zu haben.
  • Ganz anders in der besserverdienenden Hälfte der Berufstätigen. Scheiden sie mit 65 Jahren aus dem Beruf aus, nimmt ihre Sterblichkeit zu.

Von Alexander Hagelüken | Süddeutsche Zeitung

Wenn jemand in Ruhestand geht, verändert sich sein Leben drastisch. Bei manchem fallen vor allem der Stress und die körperliche Schufterei weg. Für andere bedeutet die Rente eher den Verlust sozialer Kontakte und einer Tätigkeit, mit der sie sich stark identifizieren. Welche Effekte überwiegen, entscheidet mit über Leben und Tod, fand ein Forscher nun heraus. Bei Mittel- und Gutverdienern beispielsweise erhöht der Ruhestand oft die Sterblichkeit.

Arbeitnehmer unterscheiden sich stark. Mancher fühlt sich aufgebraucht und möchte früh aufhören. Wer dagegen am Beruf hängt und nicht körperlich schuftet, möchte zunehmend länger tätig bleiben – und ärgert sich, dass der Vertrag in der Firma automatisch mit dem Rentenalter endet. Aus Daten der Rentenversicherung ermittelte Matthias Giesecke vom RWI-Institut für Wirtschaftsforschung nun: Je nachdem, welcher Arbeitnehmergruppe man angehört, wirkt sich das Rentenalter signifikant aufs Überleben aus. Das geht aus einer unveröffentlichten Studie hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

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Tattoo als Gesundheits-Sensor

Eine Tätowierung mit speziellen Indikatorlösungen statt normaler Tattoo-Tinte könnte künftig helfen, den Gesundheitszustand zu überwachen. © Wiley-VCH

Schmückende Warnzeichen: Künftig könnte vielleicht eine Tätowierung vor Diabetes, Leberschäden oder anderen Erkrankungen warnen – durch einen Farbwechsel. Möglich wird dies, indem statt normaler Tätowiertinte spezielle Indikatorchemikalien in die Haut gebracht werden. Sie reagieren je nach Substanz auf Veränderungen des Blut-pH-Werts, des Blutzuckers oder eines auf Leber- und Nierenschäden hindeutende Protein. Bislang wurde die Methode allerdings erst mit Schweinehaut getestet.

scinexx

Der Trend geht zu tragbaren Medizin-Sensoren: In den letzten Jahren haben Forscher bereits verschiedene Varianten elektronischer Sensor-Pflaster entwickelt – vom Wundheilung anzeigenden Pflaster über einen Alkoholtest per Klebe-Tattoo bis hin zu einem Pflastersensor, der den Blutzucker kontrolliert und bei Bedarf direkt Insulin freisetzt. Auch Klebesensoren, die Fieber oder einen Wassermangel anzeigen, gibt es als Prototypen bereits.

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Toxische Männlichkeit: Gibt es auch eine vergiftete Weiblichkeit?

Die „Lingerie Fighting Championships“ fanden im Mai in Las Vegas statt. Doch so sieht das weibliche Pendant zur toxischen Männlichkeit nicht aus. Foto: APA/AFP/GETTY IMAGES/Ethan Mille

Warum es beim Begriff „toxische Männlichkeit“ nicht um Kritik am Mann geht und das Äquivalent einer „toxischen Femininität“ nicht funktioniert

Nils Pickert | DERSTANDARD

Meryl Streep hat genug: Die Schauspielikone stellte vor einigen Wochen klar, dass sie den Begriff „toxische Maskulinität“ für kontraproduktiv hält, weil er heranwachsende Jungen verletze und eine Gesellschaftsdebatte einseitig auf das männliche Geschlecht verenge, obwohl es im Grunde um toxische Menschen geht.

Immunisierung gegen Kritik

Damit ist sie nicht allein. Inzwischen mehren sich die Debattenbeiträge, die sich zum einen gegen ein grundsätzliches Feindbild Mann verwahren und zum anderen darauf hinweisen, dass es womöglich weniger mit Gleichberechtigung und mehr mit Herablassung zu tun haben könnte, wenn Frauen die Fähigkeit abgesprochen wird, sich toxisch zu verhalten. Einige davon dienen lediglich der Immunisierung gegen Kritik. Sie erschöpfen sich in infantilen Ablenkungsmanövern und Gegenfragen, weil sie sich der eigentlich angesprochenen Problematik nicht stellen wollen. Andere beschäftigen sich sehr ernsthaft mit dem Thema, wie die Geschlechter fairer und wertschätzender miteinander umgehen können. Die Auseinandersetzung mit ihnen lohnt sich in jedem Fall.

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An Asteroid Bigger Than the Empire State Building Will Pass Earth Soon. But Don’t Worry

On Aug. 10, 2019, Asteroid 2006 QQ23 will fly close by our planet, but it’s not a threat to us on Earth.(Image credit: Getty)

Another asteroid is passing close by Earth but, no, it won’t hit us.

By Chelsea Gohd | SPACE.com

On Aug. 10, Asteroid 2006 QQ23 will fly within 0.049 astronomical units (4.6 million miles) of Earth at about 10,400 mph (16,740 km/h). This might not seem close, but it is close enough to classify the object as a near-Earth asteroid. Additionally, because it is within 0.05 astronomical units (4.65 million miles), it is close enough to be labeled as potentially hazardous.

The space rock measures about 1,870 feet in diameter, which is greater than the height of the Empire State Building, which stands 1,454 feet tall. Now, while it might seem unnerving that a „potentially hazardous“ asteroid about the size of a landmark building is coming close to Earth (or relatively close by cosmic standards), we shouldn’t worry about the rock crashing into our planet. The object is „more or less benign,“ Lindley Johnson and Kelly Fast, who track near-Earth objects with NASA’s Planetary Defense Coordination Office, told CNN

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So I Told These Nomads About the Big Bang…

To explain her motivations as a writer, Anna Badkhen quotes the Polish poet Zbigniew Herbert: “you have little time you must give testimony.” Badkhen recently stopped by the Nautilus office to sit for an interview and take us behind the scenes of “The Men Who Planted Trees,” her cover story for the Spring 2014 Nautilus Quarterly. The title refers to a village of fishermen in Mali who are reforesting a stretch of the Bani River to stem the mudslides that threaten their livelihoods. “They became volunteer conservationists, planting back the bush,” she writes.

By Kevin Berger | NAUTILUS

Badkhen met the villagers while walking across West Africa with nomadic Fulani cattle-herders while doing research for a forthcoming book. Born and raised in the Soviet Union, Badkhen, 38, is something of a nomad herself, a journalist who has traversed some of the most extreme environments on the globe. After reporting from the war zones in Afghanistan and Iraq, she embedded among New Orleans neighbors in the wake of Hurricane Katrina, telling the same kind of quietly powerful tales of ordinary people riven by extraordinary circumstances that she had in Iraq. 

For her 2013 book, The World Is a Carpet, Badkhen lived for a year with a family of carpet weavers in a dusty village in Afghanistan, detailing a way of life in which time seemed to have vanished. Living among the weavers, and last year among the Fulani cowboys, constitutes the kind of work that now excites the former war correspondent—although she can’t quite put a label on it. “I see myself as a storyteller. I see myself as a connector of the world,” she says. “I insert myself into the lives of people for very long stretches of time. I guess you could call it ‘slow journalism.’ ”

We were thrilled to have Anna practice her slow journalism for Nautilus, and hope you enjoy our interview with her. 

Georgien: Gottes Land und Stalins Beitrag

Verherrlichung ohne Hemmungen: Stalin-Fans mit Sowjetflagge vor dem Geburtshaus des Diktators in Gori Quelle: picture-alliance/ dpa/ dpaweb

Josef Stalin wird in seiner Heimat Georgien nicht so verehrt wie in Russland, wo er als „herausragende Person“ gilt. In seinem Geburtsort Gori herrscht dennoch ein bizarrer Kult um den sowjetischen Diktator.

Von Elian Ehrenreich | DIE WELT

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und als endlich alle Völker ihr eigenes Fleckchen hatten, da bemerkte Gott, dass er die Georgier vergessen hatte. Also überließ er ihnen einen Landstrich, den er eigentlich für sich selbst reserviert hatte: eine Region, gesäumt von den malerischen Berggipfeln des Großen Kaukasus im Norden, von bewaldeten Gebirgen durchzogen von reißenden Flüssen und einer lang gezogenen Schwarzmeerküste im Westen. So hört sich die Schöpfungsgeschichte auf Georgisch an.

Das Klima ist mild, Wasser gibt es reichlich, und die Natur ist üppig – tatsächlich könnte Georgien, flächenmäßig fast so groß wie Bayern und bewohnt von etwas weniger Einwohnern als Berlin, Gottes eigenes Land sein, gäbe es da nicht diesen schwierigen Nachbarn. Russlands Nähe – sie ist gleichzeitig Segen, in letzter Zeit aber eher Fluch. Jüngst kappte Moskau in einem einseitigen Akt alle Flugverbindungen zum Nachbarn. Eine Reaktion auf antirussische Proteste in Tiflis am 20. Juni.

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USA: Zwei Massaker innerhalb von 24 Stunden

Themenbild.

Aus der texanischen Grenzstadt El-Paso und in Dayton, Ohio, werden viele Tote gemeldet. Bei dem ersten Massenmord wird ein politischer Hintergrund ins Spiel gebracht

Thomas Pany | TELEPOLIS

Die Mörder haben ein Blutbad unter Unschuldigen angerichtet. Über 20 Tote und 26 Verletzte lautet die vorläufige Bilanz einer Gewalttat, die am Samstagvormittag (Ortszeit) in einer Walmart-Filiale in der texanischen Stadt El Paso begangen wurde. Die Opfer waren, wie es oft kalt aus Rat- und Hilflosigkeit so gesagt wird: „zur falschen Zeit am falschen Ort“. Die Getöteten und Verletzten hatten keine Beziehung zu dem Täter; sie waren für ihn nur Symbole, keine Personen, Mittel zu einem selbstherrlichen Zweck, dem das Leben anderer nichts bedeutet.

Am heutigen Sonntag wird ein weiterer Massenmord aus den USA gemeldet. Mindestens 9 Tote und 16 Verletzte lautet die vorläufige Bilanz der Gewalttat in Dayton, Ohio. Der Täter schoss auf Besucher einer Bar.

Bei diesem Zwischenfall mit einer großen Opferzahl („mass casualty incident“) ist bis Sonntagmittag noch wenig über die Opfer und den Täter bekannt. Der mutmaßliche Mörder wurde von der Polizei getötet. Da er ersten Meldungen zufolge aus einem Gewehr mehrere Salven abgab, ist naheliegend, dass auch hier keine „Beziehungstat“ vorliegt, sondern eine Motivation, die den Täter dazu brachte, ein persönliches Kriegsrecht zu fabrizieren.

Der Hauptverdächtige in El Paso wurde von der Polizei gefasst. Zwar gaben die Behörden zunächst seine Identität nicht preis, sie kursierte dann aber schnell Publikationen, als Name wird Patrick Crusius genannt. Der junge Mann, Anfang zwanzig, ist in einer Sniper-Kämpfermontur in die Walmart-Filiale eingedrungen.

Die großen Medien hielten sich heute Vormittag auffallend mit der genauen Bezeichnung der Waffe, einem Schnellfeuergewehr, zurück. Als Erklärung naheliegend ist, dass man damit der Selbstinszenierung des Mörders keine Nahrung geben will. Denn es gibt ein Manifest, das in Berichten erwähnt wird, und mutmaßlich vom Täter vor dem Anschlag auf 8chan gepostet wurde. Dort delektiert sich der Täter an der Wahl der Waffe vor seinem Publikum.

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Bischof Abromeit: Überidentifikation mit Staat Israel wegen Holocaust

Die Sicherheitsinteressen der Palästinenser würden von deutscher Seite vernachlässigt, kritisiert der evangelisch-lutherische Bischof Hans-Jürgen Abromeit. Denn man fühle sich aufgrund des Holocaust verpflichtet, den Staat Israel zu unterstützen.

katholisch.de

Der evangelische Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, Hans-Jürgen Abromeit, hat eine Überidentifikation der Deutschen mit dem Staat Israel kritisiert. Er habe den Eindruck, dass die „palästinensischen Sicherheitsinteressen“ in Deutschland nicht richtig wahrgenommen würden, sagte er am 1. August in einem Vortrag auf der Jahreskonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz in Bad Blankenburg, wie die „Bild-Zeitung“ am Sonntag berichtet.

Die Überidentifikation resultiere aus dem deutschen Schuldbewusstsein nach dem Holocaust, so Abromeit. Das führe auch dazu, dass deutsche Politiker die Sicherheit Israels zur Staatsräson erhoben hätten. Daraus folge eine Billigung der Benachteiligung der Palästinenser im israelischen Staat, der sich als jüdischer Staat verstehe.

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Kühlen ohne Kältemittel

Bei einem magnetokalorischen Kühlsystem sorgt ein rotierender Magnet für den Kühleffekt – ein chemisches Kältemittel wird nicht benötigt. © Fraunhofer IPM

Magnete statt Kohlenwasserstoffe: Eine Magnettechnik könnte bald die chemischen Kältemittel in Kühlräumen und Gefrieranlagen ablösen. Bei dieser magnetokalorischen Kühlung sorgen rotierende Magnete für den Kühleffekt. Forscher haben jetzt eine Methode entwickelt, mit der diese Kälteproduktion effektiver als bisher ablaufen kann. Sie wollen damit schon bald 50 Prozent des theoretisch erreichbaren Wirkungsgrads erreichen – das wäre Weltrekord.

scinexx

Der Bedarf an einer innovativen Kühltechnologie ist groß. Denn die heute üblichen fluorierten Kohlenwasserstoffe (FKW) haben ein hohes Treibhauspotenzial und dürfen daher nur begrenzt eingesetzt werden. Eine mögliche Alternative für Kältemittel sind Gase wie Propan oder Butan, die aber brennbar sind. Gerade für große Kühlanlagen wie zum Beispiel in Supermärkten sind sie daher keine Option. Deshalb suchen Forscher nach Kühltechniken, die ohne solche Mittel auskommen.

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40 Flüchtlinge von „Alan Kurdi“ dürfen über Malta in die EU

Themenbild. dpa

Die von der „Alan Kurdi“ aus Seenot geretteten Menschen durften am Sonntag in Malta an Land. Sie sollen auf andere EU-Staaten verteilt werden, auch nach Deutschland. Für das spanische Rettungsschiff „Open Arms“ ist noch keine Lösung in Sicht.

evangelisch.de

Malta hat die 40 Flüchtlinge vom deutschen Rettungsschiff „Alan Kurdi“ vorübergehend aufgenommen. Die Menschen seien nach vier Tagen Blockade am Sonntagmittag der maltesischen Armee anvertraut worden, teilte die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye auf Twitter mit. Maltas Premierminister Joseph Muscat hatte am Samstagabend über den Kurznachrichtendienst erklärt, die Menschen würden auf andere EU-Staaten verteilt. Die deutsche Regierung und die EU-Kommission hätten dies vereinbart. „Es werden keine Migranten in Malta bleiben“, betonte Muscat.

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Jesus Christus, Amerikas Superstar: Tausende kommen jede Woche zum Gottesdienst in den «Megachurches»

In der ehemaligen Basketball-Halle der Houston Rockets treffen sich Samstag für Samstag die Gläubigen. (Bild: ToBeDaniel / CC BY 3.0)

Religion spielt in der amerikanischen Gesellschaft eine wichtige Rolle. Doch statt Orgel und Altar haben «Megachurches» riesige LED-Leinwände. Ein Besuch in der grössten Kirche Amerikas.

Marie-Astrid Langer | Neue Zürcher Zeitung

Man könnte meinen, statt eines Gottesdiensts finde ein Pop-Konzert in Houstons Innenstadt statt. Schon im Parkhaus dröhnt den Besuchern Musik aus Lautsprechern entgegen. Kinder, Alte und schwere Jungs strömen aus Seitenstrassen in Richtung der Event-Halle. «Welcome to Lakewood Church», begrüssen freiwillige Helfer auf dem Trottoir und schütteln die Hand. «Ich bin so froh, dich zu sehen!» Es ist ein typischer Samstagabend in einer der grössten Kirchengemeinden Amerikas. Rund 50 000 Gläubige besuchen jede Woche einen der fünf Gottesdienste der Lakewood Church, vier finden allein an diesem Wochenende statt. Wo früher Zehntausende von Basketball-Fans die Heimspiele der Houston Rockets bejubelten, füllen heute Gläubige die Ränge. Gutgelaunte Mitarbeiter weisen den Gästen den Weg in die Arena, in Spielecken für jede Altersgruppen können Eltern ihre Kinder abgeben.

Die Show hat bereits begonnen, eine zwölfköpfige Band – begleitet von Nebel- und Lichtmaschinen – rockt zu «Jesus loves me». Statt eines Kreuzes steht eine Weltkugel in der Mitte der Bühne. Die Besucher reissen die Arme in die Luft, singen mit und tanzen. Kameras an ferngesteuerten Kränen zeichnen alles auf und übertragen die Show auf LED-Leinwände – und auf Bildschirme im ganzen Land: Jede Woche verfolgen Millionen die Lakewood-Gottesdienste im Lokalfernsehen, Internet und über die Smartphone-App.

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