Jesus Christus, Amerikas Superstar: Tausende kommen jede Woche zum Gottesdienst in den «Megachurches»


In der ehemaligen Basketball-Halle der Houston Rockets treffen sich Samstag für Samstag die Gläubigen. (Bild: ToBeDaniel / CC BY 3.0)

Religion spielt in der amerikanischen Gesellschaft eine wichtige Rolle. Doch statt Orgel und Altar haben «Megachurches» riesige LED-Leinwände. Ein Besuch in der grössten Kirche Amerikas.

Marie-Astrid Langer | Neue Zürcher Zeitung

Man könnte meinen, statt eines Gottesdiensts finde ein Pop-Konzert in Houstons Innenstadt statt. Schon im Parkhaus dröhnt den Besuchern Musik aus Lautsprechern entgegen. Kinder, Alte und schwere Jungs strömen aus Seitenstrassen in Richtung der Event-Halle. «Welcome to Lakewood Church», begrüssen freiwillige Helfer auf dem Trottoir und schütteln die Hand. «Ich bin so froh, dich zu sehen!» Es ist ein typischer Samstagabend in einer der grössten Kirchengemeinden Amerikas. Rund 50 000 Gläubige besuchen jede Woche einen der fünf Gottesdienste der Lakewood Church, vier finden allein an diesem Wochenende statt. Wo früher Zehntausende von Basketball-Fans die Heimspiele der Houston Rockets bejubelten, füllen heute Gläubige die Ränge. Gutgelaunte Mitarbeiter weisen den Gästen den Weg in die Arena, in Spielecken für jede Altersgruppen können Eltern ihre Kinder abgeben.

Die Show hat bereits begonnen, eine zwölfköpfige Band – begleitet von Nebel- und Lichtmaschinen – rockt zu «Jesus loves me». Statt eines Kreuzes steht eine Weltkugel in der Mitte der Bühne. Die Besucher reissen die Arme in die Luft, singen mit und tanzen. Kameras an ferngesteuerten Kränen zeichnen alles auf und übertragen die Show auf LED-Leinwände – und auf Bildschirme im ganzen Land: Jede Woche verfolgen Millionen die Lakewood-Gottesdienste im Lokalfernsehen, Internet und über die Smartphone-App.

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