Permafrost liefert 14.000 Jahre alte RNA

Im Gegensatz zur DNA ist die RNA eher kurzlebig und bleibt daher selten in Fossilien oder Kadavern erhalten. Doch es gibt Ausnahmen, wie nun ein 14.000 Jahre im Permafrost konservierter Wolf belegt. © Christoph Burgstedt

Spannender Durchbruch: Forscher haben erstmals 14.000 Jahre alte RNA aus einem fossilen Lebewesen isoliert und sequenziert. Lieferant dieser normalerweise kurzlebigen Erbgutvariante war ein Steinzeit-Wolf, der jahrtausendelang im sibirischen Permafrost konserviert lag. Seine RNA ist nun die älteste je ausgelesene RNA – und der Beleg dafür, dass dieser „Übersetzer“ zwischen Genen und Proteinen länger erhalten bleiben kann, als man es bisher für möglich hielt.

scinexx

Die Möglichkeit, selbst aus lange gestorbenen Tieren oder Menschen noch Erbgut zu isolieren, hat die Paläontologie und Archäologie revolutioniert. Denn der Blick ins Genom verrät die Herkunft und Verwandtschaft früher Menschenformen und kann sogar das Aussehen einiger unserer Vorfahren rekonstruieren helfen. Alte DNA kann aber auch die Geschichte domestizierter Tierarten wie der Pferde oder Hunde aufklären helfen.

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„Religious Trauma Syndrome“: Wenn Religion krank macht

Seine Kirche bietet religionstraumatisieren Menschen Hilfe an: Pastor Michael A. Walrond von der First Corinthian Baptist Church in Harlem, New York (imago images / zuma press / Kaszerman)

In den USA kümmern sich immer mehr Psychotherapeuten und liberale Kirchengemeinden um Menschen, die unter dem sogenannten „Religious Trauma Syndrome“ leiden. Menschen, die infolge einer Indoktrination durch fundamentalistische Religionsgemeinschaften traumatisiert wurden.

Von Katja Ridderbusch | Deutschlandfunk

„I encountered religious trauma in 2010, when I was serving as a chaplain resident …“

Kyndra Frazier wird nie den Tag vergessen, als sie zum ersten Mal bewusst einen Menschen traf, der Opfer eines Religions-Traumas geworden war. Das war im Jahr 2010, da arbeitete sie als Seelsorgerin in einem Unfallkrankenhaus in Atlanta.

„And I met a young man who was 23, African American. He attempted to castrate himself. With a circular saw.“

Dort traf sie einen jungen Mann, 23 Jahre alt, Afroamerikaner. Er hatte versucht, sich mit einer Kreissäge zu kastrieren. Er war Mitglied einer erzkonservativen Kirche, er war schwul und er tat sich schwer, seine Sexualität mit seiner Spiritualität zu vereinbaren.

„He was having challenges integrating his sexuality and his spirituality.“

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Die ausserordentlichen Flächenbrände in der Arktis beunruhigen die Klimaforscher

Die Waldbrände in Sibirien führen dazu, dass Hunderte russische Städte von starkem Rauch umhüllt sind – ein Bild aus dem Distrikt Boguchansk in der Region Krasnojarsk. (Bild: Maria Khlystunova / Press Service of the Ministry of Forestry of the Krasnoyarsk Territory / AP)

Millionen von Hektaren Wald brennen seit zwei Monaten in Alaska, Kanada, Grönland und Sibirien. Noch nie hat man so weit nördlich so viele und derart intensive Brände gesehen wie heuer. Sie könnten den Klimawandel beschleunigen.

Stephanie Lahrtz | Neue Zürcher Zeitung

Russische Behörden haben am Montag erste Erfolge im Kampf gegen die intensiven Waldbrände in Sibirien gemeldet. Man habe Feuer auf einer Fläche von 6800 Hektaren löschen können. Doch angesichts der immensen Ausmasse der Brände in Sibirien ist das wenig. Denn seit Anfang Juni sind dort 3 Millionen Hektaren Wald abgebrannt. Der Smog dieser Feuer vernebelt seit Wochen sibirische Städte wie Krasnojarsk oder Irkutsk. Die Rauchfahnen überziehen mittlerweile eine Fläche von über 450 Millionen Hektaren.

The #siberianfires in #KrasnoyarskKrai and #SakhaRepublic, #Russia now created a smoke lid extending over 4 and half million of sq km over central northern Asia. This is staggering. @m_parrington @CopernicusEU @DanLindsey77 pic.twitter.com/A8fleCzr3k— Santiago Gassó (@SanGasso) 24. Juli 2019

Auch anderswo in der Arktis und in den angrenzenden Regionen lodern seit zwei Monaten Feuer in kaum vorstellbaren Ausmassen. In Alaska sind seit Anfang Juni mehr als 400 Feuerherde in Wäldern und in der Tundra entstanden; manche davon sind so gross wie 100 000 Fussballfelder. Der derzeit grösste von den Satelliten erfasste Brandherd umfasst sogar die Fläche von 300 000 Fussballfeldern. In Alaska entsteht fast jeden Tag ein neues Feuer. Bis Anfang August ist bereits doppelt so viel Fläche verbrannt wie normalerweise in einem ganzen Jahr.

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Linnemanns populistischer Unfug

Der Vorschlag von Unions-Fraktionsvize Carsten Linnemann, Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen notfalls später einzuschulen, stößt in der CDU auf Kritik.

evangelisch.de

Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstag), die Forderung sei „populistischer Unfug“ und „der völlig falsche Weg“. Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen gehörten vielmehr „im Rahmen der Regelbeschulung“ in Deutsch-als-Zweitsprache-Klassen.

„Im Jahr 100 nach Einführung der Schulpflicht“ sollten gerade Christdemokraten „auf die soziale und gesellschaftliche Errungenschaft einer allgemeinen Schulpflicht hinweisen“, sagte Prien. Linnemann hatte eine Vorschulpflicht und nötigenfalls eine spätere Einschulung der betroffenen Kinder verlangt. „Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Dienstag).

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Ambivalenter Antifaschismus

Auf der Straße. Demonstration gegen einen Aufmarsch der rechtsextremen NPD 2018 in Mecklenburg-Vorpommern. in.Foto: picture alliance / Bernd Wüstnec

Alltäglicher Habitus oder Kampfinstrument? Immer wieder wandelt sich das Verständnis von Antifaschismus. Eine Begriffsgeschichte.

Von Jens Späth | DER TAGESSPIEGEL

„Kameraden! Wir Buchenwalder Antifaschisten sind heute angetreten zu Ehren der in Buchenwald und seinen Außenkommandos von der Nazi-Bestie und ihren Helfershelfern ermordeten 51 000 Gefangenen!“ Mit diesen Worten beginnt die als „Schwur von Buchenwald“ bekannte Ansprache zum Totengedenken am 19. April 1945 im gerade befreiten Konzentrationslager vor den Toren Weimars. Die aus 16 Ländern stammenden Lagerinsassen schworen in fünf Sprachen: „Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht! Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

In diesem konkreten Fall wurde Antifaschismus als organisierte, überparteiliche und transnationale Sammelbewegung gegen den Nationalsozialismus und sein Erbe sowie für eine friedliche und freiheitliche Welt verstanden. Dagegen gestalten sich Definitionsversuche, die das Phänomen in den folgenden Jahrzehnten bis heute greifen können, zunehmend schwieriger.

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Der schleichende Genozid an den Kurden

Bild: Magazin „The Economist“

Im Irak wurde ein neues Massengrab mit mindestens 70 ermordeten kurdischen Frauen und Kindern im Alter von 2 bis 40 Jahren aus der Zeit Saddam Husseins gefunden. Hunderte weitere Tote wurden in drei Massengräbern in Samawa gefunden.

Elke Dangeleit | TELEPOLIS

DNA-Recherchen sollen nun die Identität der Toten ermitteln, damit die Überlebenden der Massaker von Halabja 1988 endlich ihre seit Jahrzehnten vermissten Angehörigen bestatten können. In der Türkei demonstrieren seit über zwanzig Jahren die Samstagsmütter, darunter viele kurdische Mütter, um Aufschluss über den Verbleib ihrer verschwundenen Söhne und Töchter aus den 1990er Jahren zu bekommen. Im nordirakischen Shengal-Gebiet werden immer wieder neue Massengräber von ermordeten Eziden (Jesiden) gefunden. Die Eziden gehören ebenfalls der kurdischen Ethnie an.

Am 3. August 2014 überfiel der IS das Shengal-Gebiet und ermordete tausende Eziden, verschleppte und versklavte tausende Frauen und Mädchen. Nach der auch in der Türkei weit verbreiteten islamistischen Interpretation des Islam, gelten die Mitglieder der ezidischen Religionsgemeinschaft als Teufelsanbeter. Im nordsyrischen, von der Türkei besetzten Afrin wurden allein im letzten Monat in zwei Wochen 300 kurdische Zivilisten verschleppt, Tausende sind „verschwunden“.

Im Iran werden fast jede Woche kurdische Oppositionelle oder Schmuggler hingerichtet. In Deutschland werden Kurden, die sich für ihr Volk und ihre Kultur engagieren, zunehmend kriminalisiert. Der lange Arm aus Ankara zeigt Wirkung.

Selbst die eher konservative Kurdische Gemeinde, deren Vorstandsmitglied ein Mitglied der CDU ist, beklagt sich über die zunehmenden Repressionen gegenüber den Kurden und berichtet auf ihren Portalen vor allem über Menschenrechtsverletzungen der türkischen Regierung gegen die kurdische Bevölkerung und über das Wegtauchen der Bundesregierung.

In den USA, in Deutschland und in der Türkei wird gerade über eine Pufferzone diskutiert. Die Türkei fordert die Beteiligung türkischer Soldaten. Verhandlungen zwischen den USA und der Türkei sind bis dato gescheitert. Nun droht Erdogan mit einem Einmarsch in Nordsyrien, um einen 30 km breiten Streifen südlich seiner 900km langen türkischen Grenzmauer auf syrischem Territorium zu besetzen und mit syrischen Flüchtlingen aus der Türkei zu besiedeln.

Das werden dann vor allem arabische Syrer sein, welche die ethnische und konfessionelle Struktur dieses Gebietes komplett verändern würden. Die Kurden sollen aus diesem fruchtbaren Gebiet in die syrische Wüste bzw. zur Flucht nach Europa gedrängt werden.

Das weckt schreckliche Erinnerungen an die Zeit vor 100 Jahren als nach 1915 ein ganzes Volk, die Armenier, durch die Jungtürken in die syrische Wüste deportiert wurde. Geostrategische Gründe des Deutschen Reiches ließen diesen Völkermord an den Armeniern 1915/16 zu.

Massaker und Genozide an Minderheiten in der Türkei

Die Liste der Massaker an den Kurden im Nahen Osten ist lang. Doch auch Christen, Armenier und Griechen gedenken alljährlich ihrer Zigtausend Toten, die Massakern im Nahen Osten zum Opfer gefallen sind. In einer Spitzenposition, was Verfolgung, Vertreibung und Ermordung von Minderheiten betrifft, steht von allen Ländern der Region nach wie vor die Türkei.

Genozid an den Armeniern: Ohne das unendliche Leid der Armenier und anderer Christen nach 1915 verharmlosen zu wollen, drängen sich doch Vergleiche zwischen dem Genozid an ihnen und der Situation der Kurden in der Türkei in den letzten 80 Jahren auf. Schon vor dem großen Exodus 1915/16, dem ca. 1,5 Millionen Armenier und ca. 500.000 Aramäer (Assyrer) zum Opfer fielen, gab es auf dem Boden der heutigen Türkei Massaker an den Armeniern.

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Transplantation ohne Immunsuppressiva?

In Zukunft könnten zumindest einige Organempfänger möglicherweise auf die lebenslange Einnahme von Immunsuppressiva verzichten. © sturti / iStock

Abstoßung verhindert: Wer ein Organ transplantiert bekommt, muss künftig vielleicht keine Immunsuppressiva mehr einnehmen. Denn Forscher haben einen Weg gefunden, Immunreaktionen gegen fremdes Gewebe auch ohne solche Medikamente zu unterbinden. Demnach lässt sich das Immunsystem durch Infusionen mit speziell behandelten Blutzellen des Spenders darauf trainieren, das Transplantat als körpereigen wahrzunehmen. Bei Tests mit Rhesusaffen hat das schon funktioniert.

scinexx

Für Menschen mit akutem Organversagen oder einer schweren chronischen Erkrankung ist eine Organtransplantation oftmals die letzte Hoffnung auf Heilung. Doch das Leben mit fremdem Organ bedeutet auch ein Risiko. Denn damit der Körper den Eindringling akzeptiert, müssen Patienten ein Leben lang Immunsuppressiva einnehmen – Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken.

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US-Kirchenführer prangern christlichen Nationalismus an: Keine Bevorzugung

Ein offener Brief hat schon mehrere tausend Unterstützer in den USA. Unter dem Titel „Christen gegen den christlichen Nationalismus“ fordert er dazu auf, keine Religion als zweitklassig zu behandeln.

DOMRADIO.DE

Kirchenführer verschiedener Konfessionen nehmen christlich verbrämten Nationalismus in den USA als Bedrohung für die Religionsgemeinschaften und die Demokratie wahr. Dieser Nationalismus verlange vom Staat eine Bevorzugung, heißt es in einem aktuellen offenen Brief.

Diese Haltung überschneide sich mit Vorstellungen von der „weißen Vorherrschaft“ und weise rassistische Züge auf, schreiben die Unterzeichner, die vorwiegend aus liberalen Glaubensgemeinschaften kommen.

Unterstützung für Trump kritisiert

In der Erklärung wird angedeutet, dass nicht-christliche Religionen bisweilen als zweitklassig behandelt würden. Federführend für die Brief-Kampagne unter dem Titel „Christen gegen den christlichen Nationalismus“ ist das „Gemeinsame Baptistische Komitee für Religionsfreiheit“, das sich für eine Trennung von Kirche und Staat einsetzt.

US-Präsident Donald Trump und dessen umstrittene Aussagen allein in den zurückliegenden Woche werden in dem Brief nicht namentlich genannt. Kritisiert werden hingegen eine Reihe evangelikaler Führer, die Trump aktiv unterstützen.

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Martian Meteor Collision May Have Triggered a 1,000-Foot Tsunami

This artist’s impression shows how Mars may have looked about 4 billion years ago when almost half the planet’s northern hemisphere could have been covered by an ocean up to a mile (1.6 kilometers) deep in some places.Credit: ESO/M. Kornmesser

Three and a half billion years ago, a blood-red wall of water as tall as a skyscraper may have hurtled across the surface of Mars, inundating an area of land larger than the United States.

By Isobel Whitcomb | LiveScience

Two separate groups of astronomers first put forth the controversial theory in 2016. Their idea was based on „fingerprints“ of massive wave action left behind on the Martian landscape — the huge fields of boulders carved with rivulets, potentially left behind as the waves retreated back over the landscape.

Now, astronomers have another piece of evidence for such a tsunami. An enormous asteroid struck Mars just before waves, most-likely colored red due to the copious dust on the surface of Mars, inundated the planet. That collision have been ground zero for the „mega-tsunami.“ [The 7 Most Mars-like Places on Earth]

Francois Costard, an astronomer at the French National Centre for Scientific Research and among the first scientists to propose the tsunami theory, traced the wave’s path of destruction across the Martian landscape. His goal: to find a point of origin.

Scientists already suspected that an asteroid collision caused the possible massive tsunami. So, Costard and his colleagues narrowed the search down to 10 craters whose size and location made them possible origin spots. All models pointed toward one of those craters: Lomonosov, a 90-mile-wide (150-kilometers) scar in the Martian landscape.

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Frankreich: Brutale Polizeigewalt bringt Regierung in Bedrängnis

CRS-Einsatzkräfte. Foto (vom 05.02.2019): Patrice Calatayu/CC BY-SA 2.0

Proteste zum Tod von Steve Maia Caniço, seltsame Auszeichnungen für Polizisten, manipulierte Beweisführungen und Unwahrheiten – der öffentliche Druck wächst

Bernard Schmid | TELEPOLIS

Möglicherweise ist sie nicht vorbei, die Protestbewegung der „Gelbwesten“, die Frankreich seit Herbst 2018 in Atem hielt. Es ist eine Protestbewegung politisch und sozial heterogenen Charakters, die sich im Laufe der Monate wandelte – und von ihren anfänglich stark rechts besetzten Ausgangsmilieus ablöste, auch Gewerkschaften gesellten sich ab Anfang Dezember 2018 hinzu – und ziemlich unterschiedliche Bewertungen erfuhr.

Darum, eine irgendwie abschließende Bewertung zu treffen, kann und soll es an dieser Stelle nicht gehen. Zumal Staatspräsident Emmanuel Macron selbst laut öffentlichen Bekundungen davon ausgeht, dass die Sache nicht abgeschlossen, also für seine Regierung nicht ausgestanden sei.

Ebenso wenig ausgestanden ist unterdessen ein Thema, das im Zusammenhang mit den „Gelbwesten“-Protesten ebenfalls viele Debatten und Polemiken auslöste und auch aus anderen Gründen ins aktuelle Geschehen drängt: die von der französischen Polizei ausgeübte Gewalt.

Im Zusammenhang mit der Protestbewegung der „Gelbwesten“ ermittelt die Dienstinspektion IGPN – die im Folgenden noch näher vorgestellt werden wird – derzeit in 288 Fällen wegen mutmaßlicher, nicht vom Gesetz gedeckter Gewaltanwendung durch die Polizei, wie just an diesem Montag bekannt wurde.

Letztere ist derzeit auch deswegen in nahezu ganz Frankreich ein Thema, weil in der Nacht vom 21. zum 22. Juni dieses Jahres der 24-jährige Besucher eines Technokonzerts – Steve Maia Caniço – infolge eines Polizeieinsatzes zu Tode kam.

„Wo ist Steve?“

Weil eine von acht Bühnen ihre Musik in der Nacht nicht zum vorgesehenen Zeitpunkt abschalten mochte, ging die Polizei gegen 4.30 Uhr mit Knüppeln, Tränen- und Reizgas gegen die Besucher vor. Hinter ihnen befand sich das Ufer der Loire, die an der Stelle kurz vor ihrer Einmündung in den Atlantik steht, und deren Strömung ziemlich kräftig ist – und dies ohne Absperrung.

Wie aus Videos von der Szene hervorgeht, riefen mehrfach Anwesende: „Da hinten ist Wasser“ und „Gefahr, da liegen Leute im Wasser!“ Mindestens sieben Personen konnten sich aus dem Fluss retten, doch „Steve“, den quasi alle Medien längst unter seinem Vornamen bezeichnen, konnte nicht schwimmen.

Wochenlang lief in Frankreich dazu eine, viel Aufmerksamkeit erregende, Öffentlichkeitskampagne unter dem Motto: „Wo ist ist Steve?“. Zur Kampagne bestehen inzwischen auch eigene Bild– und Tondokumente.

Am vorigen Montag (29. Juli) wurde nun die, unkenntliche und durch Fingerringe, später durch DNA-Analyse identifizierte, Leiche geborgen. Am selben Tag stellte Premierminister Edouard Philippe persönlich – was laut den Worten der Anwältin von Steves Familie aus der Sache eine „Staatsaffäre“ macht -, den Untersuchungsbericht der „Allgemeinen Inspektion der nationalen Polizei“ (IGPN) vor.

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„Akt der Gerechtigkeit“: Bayern gibt NS-Raubkunst zurück

Nach jahrelanger Recherche konnten die Erben der urspünglichen Besitzer der neun Kunstwerke ausfingis gemacht werden. Heute wurden die Werke zurückgegeben. Kunstminister Sibler sprach von einer ethischen Verpflichtung.© BR

Der Freistaat Bayern hat neun Kunstwerke an eine jüdische Familie zurückgegeben. Die Werke waren im November 1938 von der Gestapo beschlagnahmt worden. Kunstminister Sibler sprach von einem „wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der NS-Geschichte“.

Peter Kveton, Maximilian Heim | BR24

Die Erben einer von den Nazis ermordeten Familie haben neun geraubte Kunstwerke zurückerhalten. Bayerns Kunstminister Bernd Sibler (CSU) sprach bei der Übergabe am Montag von einem „wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der NS-Zeit“. Hardy Langer, Vertreter der Erbengemeinschaft, bedankte sich für „diesen Akt der Gerechtigkeit“.

Im Jahr 1938 hatte die Gestapo in München und Umgebung rund 2.500 Kulturgüter von 70 jüdisch-stämmigen Haushalten beschlagnahmt. Inzwischen sind die Behörden laut eigenen Angaben bemüht, solche Kulturgüter ihren rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben. Hierfür unterzeichneten 44 Staaten im Jahr 1998 die rechtlich nicht bindende „Washingtoner Erklärung“ – seitdem kam es in Bayern zu 15 solcher Rückgaben.

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Warum wollen einige Menschen unbedingt jüdisch sein?

Eine deutsche Krankheit: Manche Menschen haben das drängende Verlangen, Opfer und Jude zu sein. Sie sind Symptom einer Gesellschaft, die immer noch an ihrer Vergangenheit leidet.

Von Julius H. Schoeps | DER TAGESSPIEGEL

Der Fall der Historikerin und Bloggerin Marie Sophie Hingst, die sich vor Kurzem das Leben nahm, als ihre erdichtete jüdische Identität aufflog, hat die deutsche Öffentlichkeit überrascht, verwundert und schockiert. Hingst hatte die Sehnsucht, in eine jüdische Opferrolle zu schlüpfen, und spielte diese Rolle fast bis zur Perfektion. Ein Einzelfall? Wohl eher das Gegenteil, wenn nicht sogar eine deutsche Krankheit.

Da ist der Fall der Hallenserin Karin Mylius, die keine Jüdin war, aber steif und fest behauptete, jüdischer Herkunft zu sein. Sie gerierte sich als Überlebende der Schoah, gab an, ein jüdisches Findelkind mit dem Namen Karin Morgenstern gewesen zu sein, und besorgte sich kurzerhand Adoptiveltern. Vater, Mutter und Bruder, so fantasierte sie der Welt vor, seien vor ihren Augen erschossen worden.

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Stadtdekan zu Eltz: Machtmissbrauch ist in „Keimbahn“ der Kirche

Machtmissbrauch sei der katholischen Kirche „in die Keimbahn geschrieben“: Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz warnt davor, eigene Fehler einem von außen kommenden „Bösen“ zuzuschreiben – und widerspricht damit auch Papst Franziskus.

katholisch.de

Frankfurts Stadtdekan Johannes zu Eltz wendet sich dagegen, bei Missbrauchsfällen in der Kirche menschliches Fehlverhalten kleinzureden. „Wir müssen die Fehler bei uns suchen – nicht im Bösen, das von außen kommt“, sagte zu Eltz der „Frankfurter Neuen Presse“ (Montag). Er reagierte damit auf Äußerungen von Papst Franziskus, der davon gesprochen hatte, dass ein Geistlicher, der sich an Kindern vergeht, ein „Werkzeug Satans“ sei.

Zu Eltz betonte: „Als Vormacht für die Bekämpfung des Bösen war die Kirche ja immer davon überzeugt, dass sie im Kern heilig ist und nicht korrumpiert werden kann. Ich fürchte, so stimmt das nicht. Wir müssen lernen, dass Machtmissbrauch der katholischen Kirche in die Keimbahn geschrieben ist.“ Der Stadtdekan betonte: „Das Böse kommt nicht nur von außen. Es ist immer auch drinnen.“

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Erneut Debatte über Werbeverbot für Abtreibungen und Ärzteliste: „Faktische Desinformation“

Paragraf 219a: Bundesregierung einigt sich auf Kompromiss
© Silas Stein (dpa)

Seit einer Woche ist eine Ärzteliste online. Möglich gemacht hatte die Liste, ein Kompromiss der Koalitionsfraktionen. Das Zentralkomitee der Katholiken hält ihn für tragfähig. Doch nun könnte dieser Kompromiss fallen.

DOMRADIO.DE

Die Debatte über eine Reform des Werbeverbots für Abtreibungen und die neue Liste mit Abtreibungspraxen dauert an. „Die Liste der Bundesärztekammer in der nun veröffentlichten Form ist faktische Desinformation“, sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Nina Scheer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Montag).

„Da der gefundene Kompromiss weder die benötigte Informations- noch Rechtssicherheit gewährleisten kann, besteht weitergehender Handlungsbedarf.“ Paragraf 219a des Strafgesetzbuches müsse gestrichen werden, „um weiteren Schaden sowohl von Ärztinnen und Ärzten als auch betroffenen Frauen abzuwenden“.

Neue Ärzteliste

Seit etwa einer Woche ist eine Liste mit den Adressen von Abtreibungsärzten online, auf die sich die Koalitionsfraktionen bei der Reform des Werbeverbots für Abtreibungen geeinigt hatten. Bislang haben sich aber nur rund 90 Ärzte auf die Liste setzen lassen.

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Jeder Vierte mit Tuberkulose infiziert?

Mycobacterium tuberculosis – der Erreger der Tuberkulose © CDC

Unbemerkt infiziert: Jeder vierte Mensch könnte den Erreger der Tuberkulose in sich tragen. Wie aktuelle Schätzungen nahelegen, ist ein Viertel der Weltbevölkerung von einer sogenannten latenten Infektion betroffen. Patienten entwickeln in diesem Fall zwar keine Symptome und sind auch nicht ansteckend. Es besteht jedoch das Risiko, dass die latente Tuberkulose irgendwann in ihre aktive, krankmachende Form übergeht.

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Die Tuberkulose ist eine der großen Seuchen der Menschheit: Ihr Erreger, das Mycobacterium tuberculosis, befiel schon unsere afrikanischen Vorfahren und raffte in Europa zeitweilig sogar jeden Fünften dahin. Doch auch heute ist die Infektionskrankheit nicht besiegt. Jedes Jahr bricht die Tuberkulose bei Millionen von Menschen aus, bis zu zwei Millionen versterben daran. Betroffen sind vor allem Entwicklungsländer. Aber auch in Deutschland kommt es immer wieder zu Krankheitsfällen – wie jüngst an einer Schule in Baden-Württemberg.

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Bayerns Innenminister: Gewaltrisiko ist bei Migranten erhöht

Joachim Herrmann (CSU): „Jetzt kommen unübersehbar Menschen aus anderen Kulturkreisen zu uns, in deren Heimat die Gewaltlosigkeit, wie wir sie pflegen, noch nicht so selbstverständlich ist“

kath.net

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann hat nach der tödlichen Bahngleis-Attacke eines Eritreers auf einen achtjährigen Jungen im Frankfurter Hauptbahnhof auf ein erhöhtes Gewaltrisiko bei Migranten hingewiesen. „Jetzt kommen unübersehbar Menschen aus anderen Kulturkreisen zu uns, in deren Heimat die Gewaltlosigkeit, wie wir sie pflegen, noch nicht so selbstverständlich ist“, erklärte der CSU-Politiker gegenüber der „Passauer Neuen Presse“. Dies müsse man deutlich aussprechen. „Da kommen Leute zu uns, die sehr viel schneller Konflikte mit Gewalt austragen. Die folglich auch selbst ein deutlich höheres Niveau an Gewalt erlebt haben als wir. Wir haben hier ein erhöhtes Risiko, das zeigen die Kriminalstatistiken ganz eindeutig.“ Für Herrmann gibt es eine Lösung: „Konsequenz. Konsequentes Handeln, konsequentes Bestrafen, gegebenenfalls konsequentes Ausweisen.“ Der CSU-Politiker fordert auch eine Überarbeitung des Dublin-Abkommens, weil sich ohnedies nicht alle an die Spielregeln halten.

Neuseelands Vogelwelt würde Millionen Jahre brauchen, um sich vom bisherigen Artensterben zu erholen

Per Computersimulation bildeten Forscher in Berlin die Entstehung der neuseeländischen Vogelwelt nach. Dazu nutzten sie auch genetische und fossile Daten ausgestorbener und lebender Vögel.

Neue Zürcher Zeitung

Seit seiner Ankunft hat der Mensch die Vogelwelt in Neuseeland so stark dezimiert, dass die Wiederherstellung der einstigen Vielfalt etwa 50 Millionen Jahre dauern würde. Bis die Evolution wieder eine so artenreiche Vogelwelt entwickeln könnte, würde es somit bei weitem länger dauern, als der Mensch überhaupt existiert, wie ein internationales Forscherteam in der Fachzeitschrift «Current Biology» berichtet.

Nach der Ankunft in Neuseeland vor etwa 700 Jahren verursachten der Mensch und die von ihm mitgebrachten Tiere in der Vogelwelt eine verheerende Aussterbewelle. Mehr als 70 Vogelarten verschwanden, wie das Naturkundemuseum Berlin mitteilte, wo der Mitautor Luis Valente forscht. Trotz den heutigen Anstrengungen beim Vogelschutz gelten laut der Studie 30 Prozent der noch vorhandenen Arten als vom Aussterben bedroht.

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Wegen Israel-Rede: Nordkirche distanziert sich von Bischof Abromeit

Der evangelische Bischof Hans-Jürgen Abromeit hat eine „Überidentifikation“ der Deutschen mit dem Staat Israel kritisiert – und steht dafür nun selbst in der Kritik. Während sich seine Kirche von ihm distanzierte, meldete er sich erneut zu Wort.

katholisch.de

Die evangelische Nordkirche hat sich von den Äußerungen ihres Bischofs Hans-Jürgen Abromeit distanziert, nachdem dieser in einem Vortrag von einer „Überidentifikation“ Deutschlands mit dem Staat Israel gesprochen hatte. Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt nannte die Formulierung „völlig unangemessen“. „Es handelt sich bei dem Vortrag von Bischof Abromeit um seine persönliche Meinungsäußerung. Der Vortrag stellt keine Stellungnahme oder Positionsbeschreibung der Nordkirche dar“, heißt es in einer am Montag in Schwerin veröffentlichten Reaktion auf die Vorwürfe gegen Abromeit.

Der Greifswalder Bischof hatte in einem Vortrag am 1. August während der Jahreskonferenz der Evangelischen Allianz in Deutschland in Bad Blankenburg von einer „Überidentifikation mit dem Staat Israel“ gesprochen. Repräsentanten der Bundesrepublik gingen so weit, das Eintreten für die Sicherheit des Staates Israel zur Staatsräson für Deutschland zu erklären.

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