Warum wollen einige Menschen unbedingt jüdisch sein?


Eine deutsche Krankheit: Manche Menschen haben das drängende Verlangen, Opfer und Jude zu sein. Sie sind Symptom einer Gesellschaft, die immer noch an ihrer Vergangenheit leidet.

Von Julius H. Schoeps | DER TAGESSPIEGEL

Der Fall der Historikerin und Bloggerin Marie Sophie Hingst, die sich vor Kurzem das Leben nahm, als ihre erdichtete jüdische Identität aufflog, hat die deutsche Öffentlichkeit überrascht, verwundert und schockiert. Hingst hatte die Sehnsucht, in eine jüdische Opferrolle zu schlüpfen, und spielte diese Rolle fast bis zur Perfektion. Ein Einzelfall? Wohl eher das Gegenteil, wenn nicht sogar eine deutsche Krankheit.

Da ist der Fall der Hallenserin Karin Mylius, die keine Jüdin war, aber steif und fest behauptete, jüdischer Herkunft zu sein. Sie gerierte sich als Überlebende der Schoah, gab an, ein jüdisches Findelkind mit dem Namen Karin Morgenstern gewesen zu sein, und besorgte sich kurzerhand Adoptiveltern. Vater, Mutter und Bruder, so fantasierte sie der Welt vor, seien vor ihren Augen erschossen worden.

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