Abrechnung mit dem Zölibat


Der heilige Petrus soll verheiratet gewesen sein (Ikone aus dem 6. Jahrhundert, Katharinenkloster, Sinai)

Es ist eines der heißesten Eisen der römisch-katholischen Kirche: Der Zölibat gehört zu den umstrittensten ihrer Einrichtungen. Der renommierte Kirchenhistoriker Hubert Wolf hat dem Thema ein Buch in „16 Thesen“ gewidmet – eine Abrechnung.

Johanna Grillmayer | religion.ORF.at

In 16 Kapiteln beleuchtet Wolf, der an der deutschen Universität Münster Geschichte lehrt, Gründe für die Einführung der zölibatären Lebensweise katholischer Geistlicher seit dem Mittelalter sowie Auswirkungen bis zum heutigen Tag. Der Zeitpunkt für die Neuerscheinung ist gut gewählt, denn das Thema Pflichtzölibat wird bei der Amazonien-Synode im Herbst prominent diskutiert werden.

Das weiß auch der Autor von „Zölibat. 16 Thesen“: Gleich im Vorwort schildert er eine Begegnung zwischen dem österreichischen emeritierten Bischof der brasilianischen Diözese Xingu, Erwin Kräutler, und Papst Franziskus im Jahr 2014: 90 Prozent der Gemeinden seiner Diözese könnten am Sonntag nicht regelmäßig Eucharistie feiern, 70 Prozent sogar nur dreimal im Jahr, weil es so gut wie keine Priester gebe, habe Kräutler dem Papst berichtet.

„Das Tabu ist gefallen“

Die lateinamerikanischen Bischöfe des Amazonien-Gebietes hätten „die Aufforderung von Papst Franziskus zu mutigen Vorschlägen aufgegriffen“. Die Bischöfe sollen zumindest die Weihe verheirateter Männer zu Priestern vorgeschlagen haben. Ob auch die Zulassung von Frauen zu kirchlichen Ämtern diskutiert werden wird, sei dahingestellt, aber: „Das Tabu ist gefallen.“

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