Sollten die Kirchen mit der AfD reden?


Diese Frau demonstriert in Cottbus gegen eine AfD-Kundgebung.Foto: Patrick Pleul/dpa

Jesus hat sich keinem Gespräch verweigert – das gilt heute mit Blick auf die AfD. Aber zur Meinungsfreiheit gehört auch zu sagen: Es reicht. Ein Pro und Contra.

Von Malte Lehming, Frank Jansen | DER TAGESSPIEGEL

Christen sollten auch mit denen reden, deren Prägungen sie nicht teilen und deren Werte sie ablehnen. Jesus hat sich nie einem Gespräch verweigert. Er hat Filterblasen platzen lassen und Echokammern gesprengt. Statt nur mit Gleichgesinnten zu kommunizieren, ist er auf die zugegangen, die gesellschaftlich geächtet waren. Jesus vertraute in die Kraft seiner Worte. Er sprach „den Verfluchten, den Gottlosen gerecht“, wie Bischof Kurt Scharf es einmal ausdrückte.

Als Bischof Scharf im Jahr 1974 die RAF-Terroristin Ulrike Meinhof im Gefängnis von Moabit besuchte, wutschnaubten die konservativen Medien. Sie warfen ihm „missverstandene Nächstenliebe“ vor, eine „Gewährung des Geistes, der aus dem Terror kommt“, eine Erniedrigung seiner Kirche zum „Tanzpalast der Linksputschisten“. Ähnlich erging es zwei Jahre zuvor Heinrich Böll, der sich im „Spiegel“ für eine faire Behandlung von Ulrike Meinhof eingesetzt hatte. Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum meinte dazu rückblickend: „Alle, die versucht haben, Brücken zu bauen – wie der Bischof Scharf in Berlin oder Heinrich Böll – wurden verunglimpft.“ Auch der Staat mit seinem Radikalenerlass habe damals die Fassung verloren. „Die Terroristen wollten uns den Krieg erklären, und wir haben die Kriegserklärung angenommen.“

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