166.000 Zweijährige ohne vollständigen Masernschutz

Ein Kinderarzt impft einen kleinen Jungen.Foto: picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Barmer Krankenkasse warnt in einer Studie vor gefährlichen Impflücken. Auch bei älteren Kindern seien diese gravierender als bisher angenommen.

DER TAGESSPIEGEL

Die Krankenkasse Barmer warnt vor gefährlichen Impflücken bei mehreren hunderttausend Kindern in Deutschland. Mehr als jedes fünfte 2015 geborene Kleinkind sei in seinen beiden ersten Lebensjahren nicht oder unvollständig gegen Masern geimpft worden, teilte die Barmer am Donnerstag in Berlin unter Verweis auf eine eigene Studie mit. Die Untersuchung beruhte auf der Auswertung von Daten von Barmer-Versicherten.

Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung ergab die Studie eine Zahl von knapp 166.000 Zweijährigen, die im Jahr 2017 ohne vollständigen Masernschutz waren. „In Deutschland werden immer noch zu wenige Kinder geimpft – das macht die Ausrottung bestimmter Infektionskrankheiten unmöglich und verhindert den Schutz für all diejenigen, die sich nicht impfen lassen können“, warnte Barmer-Vorstandschef Christoph Straub.

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Frau stirbt nach Baden in der Ostsee an Vibrionen-Infektion

Das Ostseebad Binz auf Rügen. An der Ostsee starben vergangenes Jahr drei Menschen nach Infektionen mit Vibrionen Quelle: Universal Images Group via Getty Images/Prisma by Dukas

Sie gelten als „fleischfressend“ oder „Killerbakterien“. Nun ist in Mecklenburg-Vorpommern zum ersten Mal in diesem Jahr eine Frau an einer Infektion mit Vibrionen gestorben. Einige Menschen sind besonders gefährdet.

DIE WELT

Eine Frau hat sich beim Baden in der Ostsee mit Vibrionen-Bakterien infiziert und ist kurz darauf an den Folgen gestorben. Das berichtet die „Ostsee-Zeitung“ mit Verweis auf Informationen des Landesamtes für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern. Wo die Frau mit dem Erreger in Berührung kam, habe das Amt aus Datenschutzgründen nicht mitgeteilt. Sie habe aber zur besonders gefährdeten Gruppe der älteren und immungeschwächten Menschen gehört.

Vibrionen-Infektionen sind kein Einzelfall. Seit Juni habe das Landesamt vier weitere durch das Bakterium ausgelöste Erkrankungen aufgenommen. „Alle Betroffenen gehörten zu den bekannten Risikogruppen“, wird Martina Littmann zitiert, die in der Behörde die Abteilung Gesundheit leitet. Zur Risikogruppe gehörten auch Menschen mit chronischen Grundleiden wie Lebererkrankungen oder Diabetes.

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Schwedens Nordwestküste: Die Müllhalde Europas

Bild: tagesschau.de

An Schwedens Nordwestküste häufen sich 8.000 Kubikmeter Plastikabfall pro Jahr. Er wird größtenteils von weit her angeschwemmt. Und eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht.

Carsten Schmiester | tagesschau.de

Bertil Widén gehört zu einer ganz besonderen Rentnertruppe in Bohuslän an Schwedens Nordwestküste. Etwa zehn Frauen und Männer bilden den „harten Kern“ freiwilliger Müllsammler, die den Kampf gegen eine buchstäbliche Flut von angespültem Abfall  immer wieder neu aufnehmen und doch niemals gewinnen.

Schwedische Experten geben den Wind- und Strömungsverhältnissen im Skagerrak zwischen Nord- und Ostsee die Schuld an der Tatsache, dass dieser nordwestliche Küstenabschnitt als „Müllhalde Europas“ verschrieen ist. Jedes Jahr werden hier etwa 8.000 Kubikmeter Müll an Land gewaschen. Jetzt haben Mitarbeiter der Universität Göteborg genauer hingesehen. Sie haben sechs Strände untersucht und schlagen Alarm. Therese Karlsson ist eine von ihnen. Sie berichtete im schwedischen Sender SVT:

„Hier sind alte Tampen und jede Menge Plastikmüll: Flaschendeckel, Strohhalme, Reste von Seilen, wo immer das alles auch herkommt…“

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Ermittler im Skripal-Fall: „Wir haben bislang keinen Fall für eine Anklage“

Screenshot aus einem von Scotland Yard veröffentlichten Video einer Überwachungskamera mit den zwei von der Staatsanwaltschaft Verdächtigen.

Der Skripal-Fall köchelt weiter vor sich hin, Neil Basu, Leiter der britischen Antiterroreinheit der Polizei, distanziert sich von Spekulationen und von politischen Interessen

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Nach der Krim, dem Abschuss von MH17 und Giftgasanschlägen in Syrien war der Anschlag auf den russischen Ex-Spion Skripal und seine Tochter ein Ereignis, das den Konflikt des Nato-Westens mit Russland eskalieren ließ oder, je nach Perspektive, lassen sollte. Die Krim hat sich Russland angeschlossen oder wurde mit dem Willen ihrer Bewohner annektiert, bei den drei Gewaltereignissen, für die Russland (mit)verantwortlich gemacht wird, gibt es noch Meinungsverschiedenheiten.

Im Nato-Westen gibt man sich sicher und spricht davon, dass Russland nur Fakenews verbreitet, um die Menschen zu beeinflussen. Um das zu verstärken, hat die britische Medienaufsicht nun auch den russischen Staatssender RT der Verbreitung von Desinformation bezichtigt und wegen einseitiger Darstellung zu einer Geldstrafe verurteilt.

In Russland sieht man Intrigen gegen das Land, dabei ist in allen drei Fällen auch immer die scheinunabhängige Gruppe Bellingcat, die offensichtlich nur im Interesse der Nato und gegen Russland inoffiziell, aber wohl finanziert mit staatlichen Mitteln, ermittelt und deren Ergebnisse gerne etwa vom JIT im Fall von MH17 oder von der britischen Staatsanwaltschaft im Fall von Skripal, von vielen Medien sowieso, übernommen werden. Geschaffen wird damit vor jeder gerichtlichen Wahrheitsfindung ein Verdächtigungsraum. Politisch reicht dies aus, fraglich ist sehr, ob die bislang vorliegenden Ermittlungsergebnisse für MH17 und Skripal gerichtsfest wären.

Sind die Skripals untergetaucht oder dürfen sie nicht an die Öffentlichkeit?

Lange hat man von Ermittlungen über den Nervengift-Anschlag auf die Skripals nichts mehr gehört, nachdem zwei Russen als Verdächtige genannt wurden. Die Tatorte, vor allem das Skripal-Haus, wo das Nowitschik am Griff der Haustüre angebracht worden sein soll, sind mittlerweile bereinigt. Wo sich Skripal und seine Tochter aufhalten, ist unbekannt, auch, ob sie nicht mit Medien sprechen dürfen oder wollen, was sie auch geschützt und verdeckt machen könnten. Angeblich leben beide noch. Dass sie selbst sich nicht zu dem Anschlag äußern können/dürfen, lässt Misstrauen über den Tathergang, die Täter und das Motiv bestehen.

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Wohnungslosenhilfe: Kirche soll bezahlbaren Wohnraum schaffen

Wohnungsnot in den Städten © Julian Stratenschulte (dpa)

Die Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe fordert mehr Engagement der katholischen Kirche bei der Schaffung von preiswertem Wohnraum. Alle Bistumsverwaltungen sollten diesbezüglich ihre Ressourcen überprüfen.

DOMRADIO.DE

Das sagte die Vorsitzende Ulrike Kostka den Zeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse (Sonntag) in Osnabrück. Es müsse verstärkt um die Frage gehen, wo kirchliches Kapital in Wohnungsbauprojekte fließen könnte.

„Die Kirche könnte so bezahlbaren Wohnraum schaffen oder Flächen als Bauland zur Verfügung stellen“, sagte Kostka. Fehlender bezahlbarer Wohnraum sei nicht mehr nur ein Problem der Ballungszentren wie Berlin, Hamburg und München.

„Den Finger in die Wunde legen“

Die Kirche müsse auch immer wieder „den Finger in die Wunde legen“ und fragen, was die Politik gegen Wohnungsnot tun will, so Kostka, die auch Direktorin der Berliner Caritas ist. Pfarrgemeinden könnten über das Problem informieren und mittels politischer Aktionen auf schwierige Umstände aufmerksam machen. Auch die Bischöfe seien wichtige Akteure und müssten sich des Themas annehmen.

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Hat eine 50-jährige Nobelpreisträgerin eher Anrecht auf eine lebensrettende Behandlung als ein 75-jähriger Mörder? Nein, sagt der Ethiker

Die neuen Gen- und Zelltherapien sind effizient, aber exorbitant teuer – und damit eine gewaltige Herausforderung für das Gesundheitssystem. Der Rechtsprofessor und Ethiker Bernhard Rütsche erklärt, warum das heutige System der Preisfestsetzung nicht mehr taugt.

Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Novartis hat eine Gentherapie auf den Markt gebracht, die Kinder von Leukämie und Lymphdrüsenkrebs heilen soll – aber 370 000 Franken pro Patient kostet. Ist dieser Preis legitim?

Bernhard Rütsche: Auf den ersten Blick scheint ein solcher Preis unangemessen hoch. Aber wenn es sich um eine hocheffiziente, nebenwirkungsarme Therapie handelt, die in einer einmaligen Anwendung Leben retten oder erheblich verlängern kann, und wenn zudem sehr hohe Entwicklungskosten dahinterstehen: Dann kann ein Preis in dieser Grössenordnung begründet sein.

Bekommen 1000 Patienten die Therapie, sprechen wir schon von Kosten von fast 400 Millionen Franken.

Die neuen Gen- und Zelltherapien stellen die Gesundheitsversorgung vor grosse Herausforderungen. Patienten sollen möglichst schnell Zugang zu bahnbrechenden Therapien haben. Gleichzeitig muss aber das solidarisch finanzierte System bezahlbar bleiben.

Teure Medikamente können sich dann lohnen, wenn sie langfristig Behandlungskosten einsparen helfen.

Durchaus, und dann ist es auch legitim, dies bei der Festsetzung des Preises zu berücksichtigen.

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Europa: Feinstaub schuld an 33 Prozent der Asthmafälle

Asthma gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern. © Nagy Bagoly Ilona/ thinkstock

Dicke Luft mit Folgen: Ein Drittel aller Fälle von kindlichem Asthma in Europa gehen auf die Belastung mit Feinstaub zurück, wie eine Studie nun nahelegt. Ein Teil davon wäre schon durch leichte Verbesserungen der Luftqualität vermeidbar. Denn allein die Einhaltung der WHO-Grenzwerte würde den Forschern zufolge zu einer signifikanten Reduzierung der jährlichen Neuerkrankungen führen – und damit vielen Kindern die Atemnot ersparen.

scinexx

Asthma gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern. Wesentlich verantwortlich für die Entstehung dieses Leidens sind neben der genetischen Veranlagung eine Reihe von Umweltfaktoren – allen voran die Luftverschmutzung. Zahlreiche Studien belegen, dass die Belastung mit Feinstaub, Stickoxiden und Co das Risiko von Asthma-Erkrankungen steigert. Doch wie viele Krankheitsfälle lassen sich tatsächlich auf „dicke Luft“ zurückführen?

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Identitätspolitik: „Eine anti-aufklärerische Mode“

„Aufklärung und Emanzipation bestehen ja gerade darin, dass Differenz anerkannt wird, aber politisch und rechtlich unerheblich ist“, sagt der Sozialpsychologe Harald Welzer. (imago images / fStop Images / Malte Müller )

Statt um soziale Gerechtigkeit dreht sich die Debatte derzeit vor allem um symbolisches Unrecht: um die Beleidigung und Diskriminierung von Minderheiten. Und dieser Diskurs gilt dann auch noch als „links“ und „progressiv“, wundert sich Harald Welzer.

Von Harald Welzer | Deutschlandfunk Kultur

Neulich habe ich mal wieder „Ein Fisch namens Wanda“ angesehen, gedreht 1988 von John Cleese. Da werden unter anderem jede Menge Witze auf Kosten eines Menschen gemacht, der stottert. Kaum vorstellbar, dass man so etwas heute in einem Kulturbetrieb noch machen könnte, in dem jedes einzelne Werk primär nicht mehr auf seine künstlerische Qualität hin betrachtet wird, sondern auf die emotionale Verletzungs- und Irritationsmöglichkeit, die in ihm liegen könnten.

Auch die Warnungen in Kunstmuseen und Ausstellungshäusern, dass man sich wegen expliziter Sprache oder Bilder in Acht nehmen solle, nehmen beständig zu. In all dem kommt zum Ausdruck, dass man jede für die Bildung von Urteilsfähigkeit notwendige Differenzerfahrung für schädlich hält und auf eine Art anästhetischer Kultur besteht, in der nichts Irritierendes mehr gespürt werden darf.

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Missbrauch bei Pfadfindern jahrelang vertuscht

Immer wieder stand die amerikanische Pfadfinder-Organisation in den vergangenen Jahren wegen Missbrauchs in den Schlagzeilen (Archivbild). Bild: AP

Fast 800 frühere Pfadfinder-Mitglieder haben in Amerika Klage gegen die Organisation eingereicht. Über Jahre soll sie die Namen von hunderten Betreuern verschwiegen haben, die Kinder missbrauchten.

Von Christiane Heil | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Pfadfinderorganisation Boy Scouts of America (BSA) soll die Namen von mehr als 350 Betreuern verschwiegen haben, die wiederholt Kinder und Jugendliche sexuell missbrauchten. Fast 800 frühere Mitglieder der Organisation reichten bei einem Gericht im Bundesstaat Pennsylvania Klage ein, weil die BSA die mutmaßlichen Täter trotz Meldungen von Übergriffen weiter mit Minderjährigen in Kontakt brachte. „Es mag sich übertrieben anhören, aber wir haben es mit Menschenhandel zu tun. Die Pfadfinder sind der größte Pädophilenring der Welt“, sagte der Anwalt Tim Kosnoff, der die Opfer vertritt.

Laut Klageschrift sollen ehrenamtliche Betreuer die Jungen bewusst an sich gebunden haben, um sie später zu missbrauchen. Ein 57 Jahre alter früherer Pfadfinder wurde als Jugendlicher angeblich mehrere hundert Mal von seinem Betreuer vergewaltigt. Die Namen des Pfadfinders und des mutmaßlichen Täters sollen in den Akten der Organisation aber bewusst unterschlagen worden sein.

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Evangelische Pfadfindergruppe: Betreuer soll sich in 696 Fällen an Jungen vergangen haben

Die Kleinstadt Staufen wird wohl bald wieder wegen eines Missbrauchs-Prozesses in den Schlagzeilen stehen. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben gegen einen 41-Jährigen. Er soll vier Jungen hundertfach missbraucht haben.

evangelisch.de

Wegen mutmaßlichen hundertfachen Missbrauchs von Kindern hat die Staatsanwaltschaft Freiburg einen früheren Pfadfinder-Betreuer angeklagt. Der 41-Jährige wird beschuldigt, vier Jungen missbraucht zu haben. Ihm wird schwerer sexueller Missbrauch, Vergewaltigung und Körperverletzung vorgeworfen. Das Landgericht Freiburg entscheide nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens, bestätigte Staatsanwalt Ralf Langenbach am Mittwoch auf Anfrage des Evangelischen Pressdienstes (epd). Ein Geständnis liege bislang nicht vor, der ehemalige Betreuer einer evangelischen Pfadfinder-Gruppe habe kaum Angaben zu den Taten gemacht.

Konkret werden dem Deutschen den Angaben zufolge 696 sexuelle Übergriffe zwischen 2010 und 2018 vorgeworfen. Die Jungen sollen zum Zeitpunkt der Übergriffe zwischen sieben und 14 Jahre alt gewesen sein.

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Wenn Facebook-Beiträge zur Festnahme führen

Bild: FB

Die Türkei wirft einem Deutschen „Terrorpropaganda“ vor. Das Auswärtige Amt warnt, schon ein „Like“ in den sozialen Medien könne für eine Festnahme ausreichen.

Von Claudia von Salzen | DER TAGESSPIEGEL

Die Warnung aus dem Auswärtigen Amt ist ungewöhnlich deutlich: In der Türkei seien deutsche Staatsangehörige in den vergangenen zwei Jahren willkürlich inhaftiert worden, heißt es in den Reisehinweisen für das Land. Solche Festnahmen stünden „vielfach in Zusammenhang mit regierungskritischen Stellungnahmen in den sozialen Medien“, warnen die deutschen Diplomaten. „Ausreichend ist im Einzelfall das Teilen oder ‚Liken‘ eines fremden Beitrags entsprechenden Inhalts.“ Es sei davon auszugehen, dass auch nichtöffentliche Beiträge in sozialen Medien an die türkischen Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet würden, „etwa durch anonyme Denunziation“.

Einem deutschen Staatsbürger wurden nun offenbar ältere Facebook-Beiträge zum Verhängnis. Der 36-Jähriger mit türkischen Wurzeln, der seinen Urlaub in der Türkei verbringen wollte, wurde am 28. Juli bei der Einreise in Antalya unter dem Verdacht der „Terrorpropaganda“ festgenommen. Das Auswärtige Amt bestätigte am Mittwoch einen entsprechenden Bericht von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“.

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Salvini weist Kirchenkritik an Sicherheitsgesetz zurück

Matteo Salvini, Parteivorsitzender der Lega © Ettore Ferrari (dpa)

Italiens Innenminister Matteo Salvini hat Kritik von Kirchenvertretern an der jüngsten Verschärfung des Sicherheitsgesetzes zurückgewiesen. Auch UNHCR und Amnesty International protestieren gegen die neue Gesetzgebung.

DOMRADIO.DE

Die „einzige Unmenschlichkeit“ hätten jene begangen, die „mit für die Invasion geöffneten Häfen das Geschäft der Sklavenhändler haben wachsen lassen und Italien zu einem weniger sicheren Land gemacht haben“, twitterte Salvini am Mittwoch. Der Politiker bezog sich dabei auf den Erzbischof von Lucca, Paolo Giulietti, der am Sonntagabend gegen die Reform des Sicherheitsdekrets II protestiert hatte. Ein Foto Giuliettis, auf dem er ein Schild mit der Aufschrift „Die Unmenschlichkeit kann kein Gesetz werden“ hochhält, war in den vergangenen Tagen über soziale Medien stark verbreitet worden.

Der Erzbischof wurde insbesondere von Vertretern und Anhängern der Lega teils scharf angegriffen. Salvini nannte Giulietti einen „Polit-Bischof, den neuen Helden der Linken“, der sich von der Oppositionspartei PD einspannen lasse. Die toskanische Lega-Abgeordnete Elisa Montemagni (33) schrieb auf Facebook: „Mir fehlen die Worte, um mein Bedauern und meine Enttäuschung über eine Kirche auszudrücken, die mehr daran denkt, Politik zu machen, als sich um das Seelenheil der Gläubigen zu kümmern.“ „Leere Kirchen und volle Plätze (mit Salvini) – gibt euch das nicht zu denken?“, fügte sie mit Verweis auf Lega-Kundgebungen hinzu.

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Der braune Algorithmus

Grafik: TP

Eine Studie von der Universität Hamburg zeigt, wie sich die Funktionsweise von sozialen Netzwerken auf rechtsextreme Organisationen und ihre digitale Propaganda auswirkt

Kai Stoltmann | TELEPOLIS

Die Funktionsweise von sozialen Medien begünstigt rechtsextreme Akteure und Organisationen. Dementsprechend stellt der digitale Rechtsextremismus offene Gesellschaften vor neue Herausforderungen, wie zwei Wissenschaftler vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg herausgearbeitet haben. Dort forscht man seit März 2017 zu Radikalisierungsprozessen im virtuellen Raum.

Die Analyse (URL wurde korrigiert) von Maik Fielitz und Holger Marcks zeigt, wie die extreme Rechte ihre Dynamik in den Sozialen Medien weniger aus einer klassischen Parteistruktur, sondern aus einer digitalen Hate Culture entwickelt. Eine Kombination aus Hate Culture und Algorithmen bewirkt, dass rechtsextreme Organisationen im Netz nicht einmal besonders geschickt vorgehen müssen, um erfolgreich zu sein.

Von rechtsextremen Akteuren wurde das Internet von Anfang an als Möglichkeit genutzt, um ihre politischen Positionen zu verbreiten. In Foren und Communities bietet sich ihnen eine willkommene Möglichkeit, um mit ihrer Propaganda die breite Öffentlichkeit zu erreichen. Die verwendeten Strategien reichen von der absichtlichen Verstärkung diffuser Ängste über die gezielte Verbreitung manipulativer Falschinformationen bis hin zur Illusion einer gesellschaftlichen Mehrheit durch den Einsatz von Bots und Fake-Accounts.

In der Hamburger Studie werden neben der AfD auch das Netzwerk Reconquista Germanica und die Identitäre Bewegung als Akteure genannt, bei denen entsprechende Techniken beobachtet wurden. So ist die Facebook-Seite der AfD in Darmstadt im Februar 2019 damit aufgefallen, dass sie sich in fingierten Kommentaren für ihre „wirklich guten und mutigen Beiträge“ selbst gelobt hat. Offensichtlich wurde vorher vergessen, das Profil zu wechseln und einen Fake-Account für den Kommentar zu verwenden. Die Identitäre Bewegung wiederum ermutigt ihre Aktivisten, in Onlinediskussionen Streit zu provozieren und ihre Gegenüber mit zahllosen Kommentaren und Memes zu konfrontieren. So kann eine relativ kleine Anzahl sehr aktiver Accounts eine immense Außenwirkung entwickeln und damit die öffentliche Wahrnehmung verzerren.

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Pax Christi schreibt Woelki: Kritik an Soldatengottesdiensten im Dom

Der jährlich stattfindende Internationale Soldatengottesdienst im Kölner Dom hat eine über 40-jährige Tradition. Wenn es nach Pax Christi geht, sollte die jedoch nicht fortgeführt würden – so schreibt der Diözesanvorstand an Kardinal Woelki.

katholisch.de

Die katholische Friedensorganisation Pax Christi erbittet vom Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki einen allgemeinen Weltfriedens-Gottesdienst im Dom. Zugleich kritisierte der Kölner Diözesanvorstand von Pax Christi in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief an den Kardinal den jährlichen internationalen Soldatengottesdienst in der Kathedrale. Dieser hebe „durch die massive Präsenz der Soldaten“ den Aspekt militärischer Konfliktbearbeitung einseitig hervor.

Zum Internationalen Soldatengottesdienst laden seit 1977 das Katholische Militärbischofsamt und die Katholische Militärseelsorge jeweils zu Jahresbeginn in den Kölner Dom ein. Die Feier, an der auch Beamte der Bundespolizei teilnehmen, bezieht sich auf das jeweilige Leitwort des internationalen Weltfriedenstags, den die katholische Kirche am 1. Januar begeht.

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Forscher entdecken größten Papagei der Welt

Gegen ihn wirken die kleinen Spatzenvögel zu seinen Füßen wie Ameisen: So könnte der neuentdeckte Riesen-Papagei Heracles inexpectatus zu Lebzeiten ausgesehen haben. © Brian Choo/ Flinders University

Spektakulärer Fund: Paläontologen haben in Neuseeland den bisher einzigen und größten Riesen-Papagei der Welt entdeckt – als Fossil. Der rund einen Meter große Vogel lebte demnach vor 16 bis 19 Millionen Jahren und war doppelt so schwer wie der größte heute lebende Papagei, wie die Forscher im Fachmagazin „Biology Letters“ berichten. Mit seinem mächtigen Schnabel könnte der Heracles inexpectatus getaufte Riesen-Papagei vielleicht sogar andere Vögel getötet und gefressen haben.

scinexx

Als die ersten Maori vor gut tausend Jahren Neuseeland erreichten, begegneten sie gewaltigen, zweieinhalb Meter großen Laufvögeln – den Moas. Diese heute ausgerotteten Riesenvögel sind ähnlich wie die Dodos auf Mauritius klassische Beispiele für den Insel-Gigantismus der Vögel: Sie entwickelten dort ungewöhnliche große Formen, weil wegen der Isolation der Inseln große Raubtiere fehlten. Auf Neuseeland existierte vor allem im frühen Miozän, vor 16 bis 19 Millionen Jahren, eine ganze Schar verschiedener Riesenvögel, wie Fossilfunde belegen.

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Expertinnen: McCarrick bahnte sexuelle Kontakte gezielt an

Wegen sexuellen Missbrauchs wurde der US-amerikanische Ex-Kardinal Theodore McCarrick aus dem Klerikerstand entlassen. Zwei Präventionsexpertinnen haben nun Briefe an drei seiner Opfer untersucht – und dabei ein ganz bestimmtes Verhaltensmuster festgestellt.

katholisch.de

Die Nachrichtenagentur AP hat Briefe des wegen Missbrauchs aus dem Klerikerstand entlassenen Ex-Kardinals Theodore McCarrick an drei seiner Opfer veröffentlicht und sie von zwei Präventionsexpertinnen analysieren lassen. Diese haben darin Anzeichen des sogenannten Grooming festgestellt, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Das bedeutet, McCarrick habe gezielt versucht, sexuelle Kontakte anzubahnen. Die Korrespondenz sei „voller Schmeichelei, Vertrautheit und Prahlerei wegen seiner Macht“. Sie sei ein Zeugnis dafür, „wie ein Bischof, der um die Welt reist, junge, verletzliche Männer dazu brachte, sich besonders zu fühlen – und sie dann mutmaßlich ausnutzte“.

Das erste Schreiben, das AP zitiert, ist eine Postkarte aus dem Jahr 1970. „Es wird Zeit, dass du mich mal wieder besuchst“, schrieb McCarrick damals an den Jugendlichen James Grein, den er seit dessen elftem Lebensjahr bei verschiedenen Anlässen, unter anderem während der Beichte, missbrauchte. „Ich werde demnächst bei dir zu Hause anrufen, um das in die Wege zu leiten“, heißt es weiter in der Postkarte.

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