Der braune Algorithmus


Grafik: TP

Eine Studie von der Universität Hamburg zeigt, wie sich die Funktionsweise von sozialen Netzwerken auf rechtsextreme Organisationen und ihre digitale Propaganda auswirkt

Kai Stoltmann | TELEPOLIS

Die Funktionsweise von sozialen Medien begünstigt rechtsextreme Akteure und Organisationen. Dementsprechend stellt der digitale Rechtsextremismus offene Gesellschaften vor neue Herausforderungen, wie zwei Wissenschaftler vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg herausgearbeitet haben. Dort forscht man seit März 2017 zu Radikalisierungsprozessen im virtuellen Raum.

Die Analyse (URL wurde korrigiert) von Maik Fielitz und Holger Marcks zeigt, wie die extreme Rechte ihre Dynamik in den Sozialen Medien weniger aus einer klassischen Parteistruktur, sondern aus einer digitalen Hate Culture entwickelt. Eine Kombination aus Hate Culture und Algorithmen bewirkt, dass rechtsextreme Organisationen im Netz nicht einmal besonders geschickt vorgehen müssen, um erfolgreich zu sein.

Von rechtsextremen Akteuren wurde das Internet von Anfang an als Möglichkeit genutzt, um ihre politischen Positionen zu verbreiten. In Foren und Communities bietet sich ihnen eine willkommene Möglichkeit, um mit ihrer Propaganda die breite Öffentlichkeit zu erreichen. Die verwendeten Strategien reichen von der absichtlichen Verstärkung diffuser Ängste über die gezielte Verbreitung manipulativer Falschinformationen bis hin zur Illusion einer gesellschaftlichen Mehrheit durch den Einsatz von Bots und Fake-Accounts.

In der Hamburger Studie werden neben der AfD auch das Netzwerk Reconquista Germanica und die Identitäre Bewegung als Akteure genannt, bei denen entsprechende Techniken beobachtet wurden. So ist die Facebook-Seite der AfD in Darmstadt im Februar 2019 damit aufgefallen, dass sie sich in fingierten Kommentaren für ihre „wirklich guten und mutigen Beiträge“ selbst gelobt hat. Offensichtlich wurde vorher vergessen, das Profil zu wechseln und einen Fake-Account für den Kommentar zu verwenden. Die Identitäre Bewegung wiederum ermutigt ihre Aktivisten, in Onlinediskussionen Streit zu provozieren und ihre Gegenüber mit zahllosen Kommentaren und Memes zu konfrontieren. So kann eine relativ kleine Anzahl sehr aktiver Accounts eine immense Außenwirkung entwickeln und damit die öffentliche Wahrnehmung verzerren.

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