PR oder Journalismus?


Screenshot aus dem ARD-Video

Die ARD-Story zur Bertelsmann-Studie: „Krankenhäuser schließen – Leben retten“

Julia Engelhard, Florian Rötzer | TELEPOLIS

Scharfe Kritik an der ARD. Mit dem Filmbeitrag „Krankenhäuser schließen – Leben retten?“ soll der beitragsfinanzierte öffentlich-rechtliche Sender Werbung für die Studie der Bertelsmann Stiftung betrieben haben. Was ist dran an dem Vorwurf?

Am 15. Juli veröffentlichte die Bertelsmann Stiftung im Rahmen ihres Projekts „Neuordnung Krankenhaus-Landschaft: Weniger ist mehr“ eine Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass durch einen radikalen Abbau von Krankenhäusern eine gleich gute, wenn nicht bessere Patientenversorgung zu erreichen sei. Exakt am selben Tag sendet die ARD um 20:15 Uhr ihren Filmbeitrag „Krankenhäuser schließen – Leben retten?“.

Der Film wird z.T. sehr scharf kritisiert: Von „Werbefilm“ und „Kampagnenjournalismus“ ist in den ARD-Kommentarspalten die Rede. Ein Zuschauer schreibt: „Als TV-Journalist bin ich über meine Kollegin und ihre Redaktion entsetzt, wie unkritisch sie die Bertelsmann-Studie übernehmen. […] Ist das dann Faulheit? Naivität? Schlampige Recherche oder gar schon Propaganda, Verzeihung, Marketing?“

Über die Autorin des Beitrags heißt es im Begleittext zum WDR-Morgenecho-Interview mit ihr, sie sei ARD-Medizinjournalistin und habe für die ARD die Hintergründe der Studie recherchiert. Nur so viel schon an dieser Stelle: Diese Information reicht nicht aus.

Zunächst aber zur ARD-Doku selbst. Tatsächlich verfolgt diese ein klares Argumentationsziel: Krankenhäuser schließen, rettet Leben. Zu dieser Einsicht soll der Zuschauer v.a. mithilfe der folgenden 3 Überzeugungstechniken geführt werden.

1. Turnaround-Argumentation (Argumentationsumkehr)

Das zunächst am Beispiel von Bürgerprotesten angeführte Hauptargument gegen Krankenhausschließungen „Gefährlichkeit“ (Gefährdung der gesundheitlichen Versorgung) wird schrittweise anhand von Patientenschicksalen und zahlreichen Expertenkommentaren umgewandelt in das stärkste Argument für die Schließung von Krankenhäusern: Gefährlich, ja sogar lebensgefährlich sei die Beibehaltung von kleinen Krankenhäusern. Denn aufgrund des Mangels an Pflegekräften, Apparaten und Erfahrung seien hier die Komplikations- und Sterblichkeitsrisiken weitaus höher.

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