Das Leben begann mit einem tödlichen Gift


Blick auf die Erde – REUTERS

Ein berühmtes Experiment wies 1953 das Entstehen von Lebewesen nach. Aber es verwendete Energie, die es in der Uratmosphäre nicht gab. Nun zeigt eine Simulation: Blausäure und heißes Wasser tun es auch.

Von Karl Gaulhofer | Die Presse

Es ist eines der berühmtesten Experimente der Chemiegeschichte: Vor 66 Jahren zeigten Stanley Miller und Harold Urey, wie das Leben entstanden sein könnte. Sie füllten einen Kolben mit einfachen Stoffen, die es schon vor knapp vier Milliarden Jahren auf der Erde gab: Wasser, Methan, Ammoniak und Wasserstoff. Die Moleküle reagierten miteinander und formten sich in zwei Schritten zu Aminosäuren, den Bausteinen für Proteine – und dies sind die Grundstoffe des Lebens.

Doch hatte das Miller-Urey-Experiment einen gravierenden Schönheitsfehler: Die Reaktionen kamen nur mithilfe von Energie zustande, durch elektrische Funken, die Blitze simulieren sollten. Inzwischen weiß man aber: Die urzeitliche, fast sauerstofflose Erdatmosphäre war so dunstig, dass sie energiereiche Photonen von Blitzen oder ultravioletten Strahlen nicht auf die Erdoberfläche durchließ (wie beim Titan, dem größten Mond des Saturn). Damit ist weiterhin nicht wirklich geklärt, wie Leben unter den damaligen Bedingungen entstehen konnte. Vielleicht war ja das Meerwasser, das damals fast kochend heiß war, die treibende Kraft?

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