Als der „Lehrerinnenzölibat“ abgeschafft wurde – zumindest formell


Eine Frau, die heiratet, darf nicht mehr als Lehrerin arbeiten – dieser Grundsatz galt in Deutschland seit 1880. Erst die Weimarer Reichsverfassung hob diese Regelung auf. Doch bis zur kompletten Umsetzung dauerte es noch ein paar Jahre.

Von Sabine Kleyboldt | katholisch.de

„Die Lehrerin (…) soll sich mit ganzer Kraft ihrem Beruf widmen. Sie soll ausscheiden aus dem Beruf, wenn sie erkennt, dass sie in die Ehe eintreten und einen anderen hochwertigen Beruf ergreifen soll“, so die Vorsitzende des Vereins katholischer deutscher Lehrerinnen, Maria Johanna Schmitz (1875-1962). Sogar vor der Weimarer Nationalversammlung kämpfte die Zentrums-Politikerin für die Ehelosigkeit weiblicher Lehrkräfte. Dennoch wurde der „Lehrerinnenzölibat“ vor 100 Jahren, am 11. August 1919, durch die Weimarer Verfassung abgeschafft. Es dauerte allerdings über 30 Jahre, bis Frauen tatsächlich entscheiden konnten, ob sie bei Heirat den Schuldienst quittieren oder nicht.

1880 wurde im Kaiserreich per Gesetz eingeführt, dass Beamtinnen bei Heirat den Beruf aufgeben mussten. Dieser Umstand setzte sich schnell im Volksmund als „Beamtinnenzölibat“ durch. Als größte Gruppe waren die Lehrerinnen besonders betroffen, so dass meist vom „Lehrerinnenzölibat“ gesprochen wurde, erläutert die Historikerin Sabine Liebig.

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