Nach Datenmanipulation: Novartis schwächt Vertrauen in Forschung


Novartis habe die Datenmanipulation an die Behörden klar zu spät gemeldet, sagt Ethikerin Ruth Baumann-Hölzle. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone)

Der Pharmakonzern hätte die Datenmanipulation bei der Erforschung einer Gentherapie sofort melden müssen, kritisiert die renommierte Ethikerin Ruth Baumann-Hölzle.

Andreas Möckli | Luzerner Zeitung

Novartis muss von allen Seiten Kritik einstecken. Am Dienstag wurde bekannt, dass der Pharmakonzern bei der Erforschung seiner neuen, teuren Gentherapie namens Zolgensma Daten manipuliert hat. Publik machte dies die US-Zulassungsbehörde FDA, die Novartis mit zivil- und strafrechtlichen Sanktionen drohte. Für grosses Erstaunen sorgt ein zweiter Punkt: Novartis wusste bereits Mitte März von der Datenmanipulation, liess sich aber ganze dreieinhalb Monate Zeit, die FDA zu informieren.

Nun melden sich Fachleute zum Fall zu Wort. Grundsätzlich bringe die Gesellschaft der medizinischen Forschung ein hohes Vertrauen entgegen, sagt Ruth Baumann-Hölzle, Leiterin des Instituts Dialog Ethik mit Sitz in Zürich. Dazu sei der Wille der Forscher und gerade auch der Pharmaindustrie enorm wichtig, sich moralisch korrekt zu verhalten. «Wenn diese Voraussetzung nicht mehr gegeben ist, wird das Vertrauen der Gesellschaft in die medizinische Forschung in eine tiefgreifende Krise gestürzt.» Novartis habe dieser Sache mit dem aktuellen Fall keinen Gefallen getan.

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