Europa: Windkraft-Potenzial größer als gedacht

Selbst an Land gibt es in Europa noch viel ungenutztes Potenzial für die Windenergie, wie nun eine Studie zeigt. © Dar1930 / iStock

100-mal mehr als jetzt: Europa könnte 52 Terawatt an Windenergie allein durch Anlagen auf dem Land erzeugen – das entspricht einem Megawatt Strom pro 16 Einwohner. Denn einer neuen Studie zufolge eignen sich rund 46 Prozent der europäischen Landflächen für die Windkraft. Besonders großes Potenzial haben demnach die Türkei, der Balkan, Russland und Norwegen, aber auch weite Teile Westeuropas. Insgesamt wäre Platz für elf Millionen weitere Windräder, wie die Forscher berichten.

scinexx

Der Wind liefert theoretisch genügend Energie, um die gesamte Menschheit mit Strom zu versorgen. Die Windkraft gilt daher als wichtiger Baustein der erneuerbaren Energieversorgung. Bisher decken Windanlagen an Land und auf See rund zwölf Prozent des Strombedarfs in Europa. Die Tendenz ist – auch dank fallender Preise für Anlagen – jedoch steigend.

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Italiens Regierungschaos und das Schweigen der Kirche

Matteo Salvini, Innenminister von Italien © Roberto Monaldo (dpa)

Mitten in der Ferienzeit befindet sich Italiens Regierung in einer heftigen Krise. Von der früher so einflussreichen katholischen Kirche des Landes ist indes kaum etwas zu hören.

DOMRADIO.DE

Von Misstrauensvotum ist die Rede, von Neuwahlen, anderen parlamentarischen Koalitionen. Zum zweiten Mal binnen weniger Tage hat die Regierungskoalition aus Lega und Fünf-Sterne-Bewegung gegeneinander gestimmt: vergangene Woche die Lega gegen einen Antrag der „Fünf Sterne“, das Eisenbahntunnelprojekt zwischen Turin und Lyon auf Eis zu legen, am Mittwoch die „Fünf Sterne“ mit den Sozialdemokraten der PD gegen einen Antrag der Lega, schon jetzt Ministerpräsident Giuseppe Conte das Misstrauen auszusprechen und so den Weg zu Neuwahlen freizumachen.

Nach seiner Niederlage erklärte sich Lega-Chef Matteo Salvini bereit, die von den „Sternen“ verlangte Verringerung der Abgeordnetenzahl anzugehen. Dann aber müsse sofort gewählt werden. Die Italiener sollten selbst entscheiden, wie es weitergehe, fordert Salvini seit Tagen bei abendlichen Kundgebungen an diversen Stränden des Landes. Dort halten sich die Italiener jetzt im August bevorzugt auf. Angesichts solcher „Bade-Kundgebungen“ häufen sich süffisante Meldungen darüber, welcher Politiker am besten gebräunt sei. Allein am Mittwoch in Genua, beim Gedenken an die Opfer des Brückeneinsturzes vor einem Jahr, trat für einen Moment Ruhe ein: Salvini und „Sterne“-Chef Luigi Di Maio einträchtig neben Conte und Staatspräsident Sergio Mattarella.

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Zeugnis haarsträubender Denkfaulheit: Klimawandel? Gab es schon immer!

Grafik: TP

Ein Pseudoargument als Zeugnis haarsträubender Denkfaulheit: Wie ideologische Verblendung den selbstkritischen Verstand ausschaltet

Timm Herbst | TELEPOLIS

I. Die Hintergründe

1.1 Standard-Pseudoargument

Unter den vermeintlichen „Argumenten“ gegen die Dringlichkeit der Ergreifung hinreichend geeigneter Maßnahmen gegen die Folgen eines menschengemachten Klimawandels und damit mittelbar gegen eine forcierte Energiewende taucht in der Debatte früher oder später beinahe so sicher wie das Amen in der Kirche ein Pseudoargument auf: „Klimawandel gab es schon immer …“

Im Grunde ist das ein Rückzugspseudoargument, welches indirekt eingesteht, was vor noch nicht allzu langer Zeit glattweg geleugnet wurde: Dass sich aktuell das Klima erwärmt. Dieser Standpunkt ist heutzutage angesichts der immer klareren Daten– und Faktenlage nur noch vereinzelt anzutreffen. Man will sich nicht mehr mit einer offenkundig kontrafaktischen Haltung lächerlich machen. Nur die Klimaerwärmung anzuerkennen, welche zuvor vehement abgestritten wurde, ohne das ehrliche Eingeständnis, sich früher fundamental geirrt zu haben, ist zumindest ein Indiz für Unglaubwürdigkeit und fehlende Seriosität und untermauert, dass es dieser Fraktion oftmals in Wahrheit gar nicht um den Klimawandel geht, sondern darum, die Energiewende zu torpedieren.

1.2 Klimawandel als Scheindebatte gegen Energiewende

Genau dieser Sachverhalt bedarf einer stärkeren Bewusstwerdung: Die Leugnung eines [menschengemachten] Klimawandels ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck: Der Leugnerfraktion geht es i.d.R. darum, eine Energiewende weg von konventionellen und nuklearen Energieträgern hin zu erneuerbaren zu bremsen, zu torpedieren, zu unterminieren oder gar zu verhindern.

Eine hinreichend kompetent geregelte Energiewende konterkariert die Geschäftsmodelle von Konzernen und Branchen, die zu den einflussreichsten weltweit zählen: Ölkonzerne und die Kohle- sowie Automobilindustrie. Diese haben schon vor Jahrzehnten Lobbyorganisationen gesponsert (z.B eike), die wider besseren Wissens den menschengemachten Klimawandel leugnen.

1.3 Energiewende

Was meint Energiewende? Hinsichtlich der Kritik oder Vorbehalten gegenüber der Energiewende gilt es trennscharf zu differenzieren zwischen dem Konzept/der Idee und der tatsächlich politischen Umsetzung.

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Bolsonaros Rat an Merkel: „Nehmen Sie diese Knete und forsten Sie Deutschland wieder auf“

In Deutschland sei Aufforstung viel nötiger als in Brasilien, sagt der Präsident des Landes, Jair Bolsonaro. Bild: AP

Wegen der Politik der brasilianischen Regierung hat Umweltministerin Schulze geplante Projekte im Amazonasgebiet vorerst gestoppt. Der Präsident zeigte sich davon unbeeindruckt – und legt nun noch einmal nach.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat nach dem Stopp deutscher Projekte zum Schutz des Regenwaldes Bundeskanzlerin Angela Merkel empfohlen, das Geld daheim zu verwenden. „Ich möchte auch der geliebten Frau Angela Merkel eine Nachricht hinterlassen: Nehmen Sie diese Knete und forsten Sie Deutschland wieder auf, okay? Dort ist es viel nötiger als hier“, sagte Bolsonaro laut Medienberichten am Mittwochabend (Ortszeit) vor der Presse. Ähnlich hatte sich Bolsonaro bereits am Sonntag geäußert. Brasilien brauche die deutschen Gelder nicht, sagte er.

Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze hatte am Wochenende angekündigt, angesichts der verschärften Abholzung des brasilianischen Regenwaldes Fördermittel ihres Hauses auf Eis zu legen. Die deutsche Beteiligung am internationalen Amazonasfonds über das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) ist davon nicht betroffen.

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US-Kirchen erleichtert: Keine Strafzölle auf Bibelimporte aus China

Märchen-Bibel (Bild: Twitter/Caleb Kaltenbach)

Kirchenvertreter in den USA haben sich erleichtert geäußert über einen Beschluss der Regierung, Bibelimporte aus China zumindest vorläufig doch nicht mit Strafzöllen zu belegen.

evangelisch.de

Der Informationsdienst „Baptist Press“ berichtete am Mittwoch (Ortszeit), der US-Handelbeauftragte habe Bibeln von einer Liste chinesischer Produkte gestrichen, für die Strafzölle vorgesehen sind. Viele in den USA verkaufte Bibeln werden in China hergestellt.

Die US-Regierung habe offenbar auf die Sorgen der Kirchen Rücksicht genommen, sagte der Geschäftsführer des baptistischen Verlagshauses Lifeway Christian Resources, Ben Mandrell. Laut „Baptist Press“ waren führende Vertreter des Südlichen Baptistenverbandes in Washington vorstellig geworden. Der Verband ist die größte protestantische Kirche in den USA.

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Bayern: Immer weniger Schüler im Religionsunterricht

Immer weniger Schüler in Bayern besuchen den Religionsunterricht. Nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums nahmen im gerade abgelaufenen Schuljahr 75 Prozent der 1,25 Millionen Schüler daran teil. Das sind elf Prozentpunkte weniger als vor zehn Jahren. Damals, im Schuljahr 2008/2009, lag der Anteil noch bei 86 Prozent. Auch die Zahl der Religionslehrer sank im gleichen Zeitraum von 20 700 auf 18 700.

Süddeutsche Zeitung

Die Gründe liegen auf der Hand: Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche kämpfen seit Jahren mit sinkenden Mitgliederzahlen. Die katholische Kirche muss besonders seit Bekanntwerden des erschütternden Missbrauchsskandals mit zahlreichen Austritten zurechtkommen.

Mehr als 64 000 Katholiken in Bayern kehrten ihrer Kirche allein im vergangenen Jahr den Rücken, wie aus Zahlen der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hervorgeht. Die Zahl der Kirchenaustritte im bevölkerungsreichen Freistaat war damit 2018 die höchste aller Bundesländer – und lag noch deutlich über den Austritten im Jahr 2017.

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Mehr als 8.600 rechte Straftaten im ersten Halbjahr

DÜGIDA-Demo in Düsseldorf © Bündnis 90/Die Grünen Nordrhein-Westfalen @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Mehr als 8.600 rechtsextreme Straftaten wurden im ersten Halbjahr 2019 begangen. Dabei wurden 179 Menschen verletzt. Auffällig ist: Der mutmaßlich rechtsextrem motivierte Mord an Walter Lübcke taucht in der Polizeistatistik nicht auf.

MiGAZIN

Im ersten Halbjahr 2019 haben die Behörden 8.605 rechtsextreme Straftaten in Deutschland registriert. Darunter waren 363 Gewalttaten. Insgesamt 179 Menschen wurden dabei verletzt, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage von Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) hervorgeht, die dem „MiGAZiN“ vorliegt. Zuerst hatte der Berliner „Tagesspiegel“ darüber berichtet.

Die Linken-Politikerin fragt monatlich bei der Bundesregierung die aktuellen Zahlen zu rechten Straftaten ab. Die zuletzt veröffentlichten Zahlen beziehen sich auf den Juni 2019 und ermöglichen somit eine Halbjahresbilanz.

Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018 ergibt sich laut „Tagesspiegel“ eine Zunahme bei den rechten Delikten um mehr als 900 Straftaten, die Zahl der Gewalttaten sei allerdings nahezu gleich hoch geblieben. Aus den regelmäßigen Antworten des Bundesinnenministeriums gehe zudem hervor, dass die Polizei von Januar bis Juni 2019 insgesamt 2.625 rechte Tatverdächtige ermittelte. Festgenommen worden seien bislang aber nur 23 Personen.

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Medienstaatsvertrag: Klein-Klein statt großer Wurf

Grafik: TP

Aufstehen Leipzig hat in einem Positionspapier zusammengefasst, was Medienkritiker im Moment umtreibt, während die Medienpolitik dabei ist, einen Elfmeter zu verschießen

Michael Meyen | TELEPOLIS

Der neue Medienstaatsvertrag. Wir sind beim zweiten Entwurf und haben zwei Runden hinter uns, in denen alle mitdiskutieren konnten. Online, per Kontaktformular. Ein Novum, ja, und grundsätzlich gut. Allein in Runde eins gab es 1200 Vorschläge. Was genau ist Rundfunk, was passiert mit den Plattformen, braucht mein Blog künftig eine Lizenz? Das bewegt alle, die im Netz Geld verdienen oder hier das finden, was sie in den traditionellen Medien vergeblich suchen.

Nun ist Runde zwei vorbei (Einsendeschluss war am 9. August) und von Ruhe keine Spur. Ein Symptom: Die Themengruppe „Medien und Journalismus“ von Aufstehen Leipzig hat ihre Stellungnahme zum Staatsvertrag in einem offenen Brief an Michael Kretschmer geschickt. Herr Ministerpräsident, bitte nicht unterschreiben. Sie, sehr geehrter Herr Kretschmer, wissen doch inzwischen selbst, „dass Medien nicht neutral agieren“ und zum Beispiel „Spannungen“ zwischen Ost und West anheizen. Das Gespräch mit Putin, die Sanktionen gegen Russland.

In diesem Brief geht es dann vor allem um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der Programmauftrag nicht eingehalten, das Fehlen von Objektivität, Unparteilichkeit, Meinungsvielfalt und Ausgewogenheit als Ursache für „die Unzufriedenheit vieler Bürger mit den Medien“. Der Forderungskatalog der Leipziger Gruppe spiegelt das, was auch anderswo diskutiert wird: „eine unabhängige Instanz zur Qualitätskontrolle“, Publikumsräte (bestimmt per Los, „um Seilschaften zu verhindern“), öffentliche Mittel für „alternative Print- und Telemedien“ (hier: zwei Prozent der Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag), dazu die Arbeitsverträge im öffentlich-rechtlichen Rundfunk um einen „Passus“ ergänzen, der den Damen und Herren ausdrücklich erlaubt, sich auf den Programmauftrag zu berufen.

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IPCC veröffentlicht Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme (SRCCL)

IPCC

Der SRCCL wurde am 8. August 2019 auf einer Pressekonferenz in Genf, Schweiz, vorgestellt. Die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (Summary for Policymakers, SPM) und den zugrundeliegenden Langbericht finden Sie auf der IPCC-Webseite zum SRCCL.

ipcc – Deutsche Korrdinierungsstelle

Die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (SPM) des SRCCL einschließlich der Hauptaussagen wurde auf der 50. IPCC-Plenarsitzung vom 2. bis 6. August 2019 in Genf, Schweiz, von den 195 Mitgliedsstaaten des IPCC Zeile für Zeile verabschiedet. Der Bericht einschließlich der SPM wurde am 7. August 2019 von den Mitgliedsstaaten angenommen.

Von unserer Webseite können Sie die deutsche Übersetzung der Hauptaussagen herunterladen.

Der offizielle deutsche Titel lautet:

„Klimawandel und Landsysteme: Ein IPCC-Sonderbericht über Klimawandel, Desertifikation, Landdegradierung, nachhaltiges Landmanagement, Ernährungssicherheit und Treibhausgasflüsse in terrestrischen Ökosystemen.“

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Tropische Riesenzecke übertrug Fleckfieber

Im Gegensatz zum Gemeinen Holzbock haben Riesenzecken gestreifte Beine und sind zwei Zentimeter lang.Foto: ap

Hyalomma marginatum hat einen Pferdebesitzer in Deutschland gestochen. Die Zecke ist zwei Zentimeter lang

DERSTANDARD

Erstmals soll in Deutschland ein Mensch durch den Stich einer tropischen Riesenzecke an Fleckfieber erkrankt sein. In der Zecke, die den Mann gestochen hatte, sei der betreffende Erreger nachgewiesen worden, teilte die Universität Hohenheim in Stuttgart mit.

Der Pferdehalter aus dem Raum Siegen (Nordrhein-Westfalen) hatte sich Ende Juli durch eine Hyalomma-Zecke angesteckt. Er konnte erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden. Fleckfieber führt beim Menschen zu Hautausschlag und dem Gefühl erhöhter Temperatur, zu Kopf- und Muskelschmerzen und extremen Gelenksschmerzen.

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Neue Genschere kann Zellen besonders effizient umprogrammieren

Bis zu Hunderte Gene gleichzeitig lassen sich mithilfe der neuen Technik verändern, die an der ETH Zürich entwickelt wurde.

Neue Zürcher Zeitung

Die «Genschere» Crispr-Cas hat die Grundlagenforschung, die Zucht von Nutztieren und -pflanzen sowie medizinische Anwendungen umgekrempelt. Forschende von der ETH Zürich stellen nun eine neue Variante vor, mit der sich Dutzende bis Hunderte Gene gleichzeitig verändern lassen.

Mit der Methode Crispr-Cas lassen sich Gene im Erbgut präzise und relativ einfach umschreiben. Das Prinzip dahinter ähnelt der Funktion «Suchen und Ersetzen» bei der Bearbeitung von Texten. Präzise funktionierte das bisher vor allem, wenn sich das Umschreiben auf einzelne Stellen im Erbgut fokussierte. Weil jedoch viele Zellprozesse, aber auch beispielsweise Risiken für Krankheiten auf dem Wechselspiel Dutzender verschiedener Gene beruhen, suchen Forschende nach Möglichkeiten, eine noch leistungsfähigere Version der Genschere zu entwickeln.

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Nationaler Narzissmus am Beispiel des kollektiven Gedächtnisses vom Zweiten Weltkrieg

Hintergrundbild: Bundesarchiv, Bild 183-H26353 / Eric Borchert / CC-BY-SA 3.0

Menschen überschätzen nach einer Studie den Beitrag ihrer Länder, auffällig ist, dass die Bedeutung der einstigen Sowjetunion für den Sieg über Deutschland unterschätzt wird

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Das Ende des Zweiten Weltkriegs liegt bereits 75 Jahre zurück. Die meisten Menschen, die jetzt leben, haben ihn und seinen Ausgang nicht selbst erlebt. Aber es gibt ein kollektives Gedächtnis, das durch Narrative in Erzählungen, Geschichtsbüchern, Filmen und Feiern gebildet wird, die nationale Identität prägt und dazu beitragen kann, Beziehungen zwischen Ländern und aktuelle Konflikte zu beeinflussen. Ein internationales Wissenschaftlerteam hat nun eruiert, welches Wissen Menschen in 11 am Zweiten Weltkrieg beteiligten Staaten über den Krieg haben und welchen Beitrag sie ihren Ländern für den Krieg und dessen Beendigung zuschreiben.

Den Ausgangspunkt der Studie, die in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschienen ist, stellt die Erkenntnis dar, dass die Sicht sehr ethnozentrisch geprägt sein kann. In einer – allerdings nicht repräsentativen – Umfrage unter Studenten aus 35 Ländern sollten diese prozentual angeben, wie hoch der Beitrag ihrer Länder zur Weltgeschichte ist. Die Russen gaben 61 Prozent, die Inder 50 Prozent, die Italiener 40 Prozent an. Insgesamt summierten sich die Schätzungen auf über 1000 Prozent. Dieser Narzissmus funktioniert auch innerhalb eines Landes, die Bewohner der amerikanischen Bundesstaaten überschätzten ebenfalls deutlich deren Bedeutung für die USA. Und auch individuell neigen die Menschen narzisstisch zur Überschätzung ihres Anteils, beispielsweise wenn Paare gefragt werden, welchen Beitrag sie an der Haushaltsarbeit leisten.

„Wir haben den Krieg gewonnen“

Bekannt ist auch, dass die Amerikaner glauben, dass letztlich der Kriegseintritt der USA zum Sieg im Ersten und Zweiten Weltkrieg führte, woraus sich das Narrativ ableitet: „Wir haben den Krieg gewonnen.“ Das habe sich in Schulbüchern, Filmen, Erzählungen und den Erinnerungen der Soldaten niedergeschlagen. In Russland werde das sehr unterschiedlich betrachtet und gibt es ein anderes Narrativ.

Die Wissenschaftler sehen unterschiedliche nationale Narrative als bedeutsam an, weil sie die internationalen Beziehungen oder Nicht-Beziehungen prägen: „Als Russland beispielsweise 2008 in Georgien einmarschiert ist, unterschieden sich die Narrative der Invasion zwischen der russischen und der georgischen sowie internationalen Sicht stark. Dasselbe trifft zweifellos auf den israelisch- palästinensischen Konflikt, die Kontroverse zwischen der Türkei und Armenien oder zwischen Pakistan und Indien sowie vielen ähnlichen Kontroversen zwischen Nationen oder Menschen auf der Welt zu.“

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Homolka: Land muss Sicherheitskosten für Rabbinerausbildung tragen — „Ansteigen der Gefährdungslage“

Kundgebung gegen Antisemitismus © Christophe Gateau (dpa)

„Das Land hat hier eine enorm große Verantwortung“: Der Rektor des Potsdamer Rabbinerseminars Abraham-Geiger-Kolleg, Walter Homolka, hat eine Übernahme der Sicherheitskosten für den künftigen Standort durch das Land gefordert.

DOMRADIO.DE

Das Land Brandenburg habe bereits viel für Rabbinerausbildung und jüdische Theologie in Potsdam getan, sagte Homolka den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ (Mittwoch). Dennoch stehe eine Erklärung zur Übernahme der Sicherheitskosten, „die durch ein Ansteigen der Gefährdungslage unausweichlich erscheinen“, aus.

Dies sei auch angesichts von Übergriffen auf Kippa-Träger in Berlin und Potsdam beschämend. Das Land müsse sich im Klaren darüber sein, dass es weltweites Aufsehen nach sich ziehen würde, wenn an dem Gebäude auf dem Universitätscampus am Neuen Palais etwas passiere, betonte Homolka: „Das Land hat hier eine enorm große Verantwortung.“ Das Innenministerium müsse deshalb zu der Frage klar Stellung beziehen, „möglichst noch vor den Wahlen im September“.

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Australien: Riesiges Vulkangebiet entdeckt

Vor 160 bis 180 Millionen Jahren verwandelten mehr als 100 Vulkane das Zentrum Australiens in ein Lava- und Feuermeer. © Vershinin M/ iStock

Doppelt so groß wie Mallorca: Im Zentrum von Australien haben Forscher ein enormes Vulkangebiet entdeckt – es erstreckt sich über 7.500 Quadratkilometer. Versteckt unter dicken Sedimentschichten liegen dort mehr als 100 Vulkane aus dem Jurazeitalter vor 160 bis 180 Millionen Jahren. Das Ungewöhnliche daran: Diese Vulkane entwickelten sich in der Mitte einer Erdplatte statt an ihren Rändern, wie sonst meist der Fall.

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Das Cooper-Eromanga-Becken im Zentrum Australiens ist vor allem für seinen Reichtum an Erdöl und Erdgas bekannt. Das 1.250 Meter unter der Erdoberfläche liegende Vorkommen wird bereits seit Anfang der 1960er Jahre erkundet und ausgebeutet. Doch diese Senke hat noch mehr zu bieten: 2010 entdeckten Geologen dort den rund 80 Kilometer großen Krater eines Einschlags vor rund 300 Millionen Jahren. Zudem ist der Granit im Untergrund dieser Senke so heiß, dass dort Tests für ein Geothermieprojekt stattfinden.

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Religiotie: Stadt Fulda installiert „Apostel der Deutschen“ in Ampeln — Bonifatius als Ampelmännchen

Bonifatius als Ampelmännchen © Bistum Fulda

Zum 1275-jährigen Stadtjubiläum hat sich Fulda etwas besonderes ausgedacht: Der heilige Bonifatius ist als „Ampelmännchen“ zu entdecken. Das Bistum Fulda ist stolz auf diese Installation.

DOMRADIO.DE

„Unser Bonifatius als Ampelmännchen in Fulda. Eine tolle Idee zum Fuldaer Stadtjubiläum“, schrieb das Bistum am Dienstagabend auf Facebook. Die „Fuldaer Zeitung“ hatte berichtet, dass die Stadt nahe dem Dom an einer Kreuzung Ampelmännchen montiert hat, die der Gestalt des Bonifatius ähneln sollen.

Bei Rot hält der Ampelmann warnend ein Kreuz in die Höhe – was an das Bonifatiusdenkmal in Fulda erinnert. Bei Grün läuft Bonifatius mit seinem Bischofsstab los. Die Stadt feiert in diesem Jahr ihr 1275-jähriges Stadtjubiläum.

Der „Apostel der Deutschen“

Der heilige Bonifatius (um 673-754) steht am Beginn des Christentums hierzulande und wird als „Apostel der Deutschen“ verehrt.

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Im Irak droht Jihadisten die Todesstrafe, schickt Frankreich seine IS-Kämpfer dorthin?

Aus Lagern wie diesem in Hasaka im Norden Syriens sollen die Jihadisten in den Irak gebracht worden sein. (Bild: Ali Hashisho / Reuters)

Dreizehn gefangene Jihadisten aus Frankreich sind Anfang des Jahres von Nordostsyrien in den Irak verlegt worden. Elf wurden zum Tode verurteilt. Nun übt eine Uno-Expertin Kritik an der französischen Regierung.

Judith Kormann | Neue Zürcher Zeitung

Seit Februar sitzen dreizehn französische IS-Anhänger in einem Gefängnis der irakischen Hauptstadt Bagdad. Elf von ihnen wurden inzwischen zum Tode verurteilt. Die französische Regierung sagt, sie setze sich dafür ein, dass die Urteile nicht vollstreckt würden. Doch laut der Uno-Expertin Agnès Callamard trägt Paris wahrscheinlich eine Mitverantwortung dafür, dass sich die Franzosen in dieser Lage befinden.

Am Montag wandte sich Callamard in einem Brief an die französische Regierung. Das Schreiben liegt mehreren französischen Medien vor. Die Uno-Sonderberichterstatterin für aussergerichtliche, standrechtliche oder willkürliche Hinrichtungen hat unter anderem die Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi untersucht. Nun kritisiert sie in ihrem Brief die Verlegung der französischen IS-Kämpfer, die Anfang des Jahres von Nordsyrien in den Irak gebracht wurden. Callamard fordert Frankreich auf, sieben der Männer zurückzunehmen und im eigenen Land zu richten. Sie bringt damit erneut ein Thema auf den Tisch, das Frankreich und viele andere Staaten seit Monaten beschäftigt: der Umgang mit den eigenen Jihadisten, die in Nordostsyrien von den kurdisch geführten Syrian Democratic Forces (SDF) festgehalten werden.

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Apostel: Missbrauchstätern rückwirkend Priesterwürde aberkennen

Bild: © ambrozinio – stock.adobe.com

Einige des Missbrauchs überführte Geistliche sind zuletzt aus dem Klerikerstand entlassen worden. Doch das reicht nicht aus, findet der Vorsitzende der Südafrikanischen Bischofskonferenz. Diese Männer seien nämlich nie wirklich Priester gewesen.

katholisch.de

Der Vorsitzende der Südafrikanischen Bischofskonferenz hat sich für eine rückwirkende Aberkennung der Priesterwürde für verurteilte Sexualstraftäter ausgesprochen. „Wenn jemand Kinder missbraucht, ist er offensichtlich fehlerhaftes Material für das Sakrament des Priesteramts“, sagte Bischof Sithembele Sipuka laut der Zeitung „Southern Cross“ (Mittwoch).

Es reiche nicht aus, die Betroffenen bloß aus dem Klerikerstand zu entlassen, so der Bischof von Umtata. Erforderlich sei eine Klarstellung, dass es sich dabei „in erster Linie nie um Priester handelte, sondern um kranke Männer, die versehentlich geweiht wurden und unfähig sind, Christus durch dieses Sakrament zu repräsentieren“. Bei einer Entlassung aus dem Klerikerstand verliert der Betroffene alle kirchlichen Vollmachten und Ämter, die in Zusammenhang mit dem Weihesakrament stehen.

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