Der Kampf der Kirche mit der Sexualität


Die Kirche gilt heute vielen als sex- und lustfeindlich. Tatsächlich hat sie den gegenseitigen Spaß am Körper lange abgelehnt. Obwohl sie im Laufe der Jahrhunderte ihre Lehre angepasst hat, wirken die Schatten der Vergangenheit immer noch nach.

Von Christoph Paul Hartmann | katholisch.de

Die Bibel ist voller Erotik – doch mit dem Sex hatte die Kirche schon immer Probleme. Noch heute wird sie von Vielen als „Spaßbremse“ wahrgenommen, die ihren Gläubigen die Freude im Bett nicht gönnt. Jüngst warf der schweizerische Theologe Alberto Bondolfi allen Religionen vor, Sexualität viel zu biologistisch zu sehen. Mit Blick auf die katholische Kirche ist der Vorwurf nicht ganz von der Hand zu weisen.

Weitreichenden Einfluss auf die Haltung der Kirche hatte der Heilige und Kirchenlehrer Augustinus von Hippo (354 – 430). Für ihn war Sexualität etwas Sündhaftes, dabei hatte er vor allem die sexuelle Lust im Blick. Diese Einstellung erklärt sich aus seinem Lebenslauf: Bevor Augustinus Christ wurde, hing er dem Manichäismus an. In dieser Religionsströmung wurde alles Körperliche verteufelt und Askese gepredigt. Der vergeistigte Mensch galt als Ideal. Diese Einstellung brachte Augustinus nach seiner Konversion in das Christentum ein. Er fand: Alles, was nicht der Vernunft gehorcht und sich ihr unterordnet, ist sündhaft. In seinen „Bekenntnissen“ beschreibt er recht detailliert seine Erfahrung, dass sich Sexualität nicht der Vernunft unterordnet – denn bei ihr verliert der Mensch die Kontrolle über seine Körperfunktionen. Deswegen war sein Urteil klar: Sexuelle Lust ist Sünde.

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