„Religionen brauchen eine Entpolitisierung“


Religion und Krieg – es gibt Verbindungen (E. Landschek )

Der Religionswissenschaftler Hartmut Zinser fordert eine Entpolitisierung der Religion. So ließen sich ihre kriegerischen Potenziale entschärfen. Zinser sprach sich im Dlf dafür aus, die Glaubensrichtungen sollten mit ihrer Geschichte ins Gericht gehen und kriegstreibende Aussagen verurteilen.

Hartmut Zinser im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Religionsvertreter aus aller Welt reisen dieser Tage an den Bodensee – Montag beginnt dort die Weltkonferenz der Bewegung „Religions for Peace“, Religionen für den Frieden. Es geht auch darum, das Gewalt-Potenzial, das in den Religionen steckt, zu erkennen und gewissermaßen zu neutralisieren. Wie nötig das ist, zeigt ein Blick in die Religionsgeschichte – und natürlich auch in unsere Gegenwart. Andreas Main hat über das Kriegspotenzial der Religionen mit dem Religionswissenschaftler Hartmut Zinser gesprochen.

Andreas Main: Was macht Religionen potenziell zu Kriegstreibern? 

Hartmut Zinser: Religionen geben Antwort auf die Frage, wie soll ich leben, was darf ich tun, was darf ich nicht tun und was kann ich erhoffen. Die Antworten unterscheiden sich. Damit entstehen Differenzen. Ferner – Religionen bilden moralische und solidarische Gemeinschaften mit bestimmten Regeln wie etwa: „Du sollst nicht töten!“, „Du sollst nicht lügen!“, „Du sollst nicht rauben und stehlen!“. Aber diese Regeln gelten in der Regel nur für die Religionsgemeinschaft selbst. Nur wenige Religionen haben daraus universale Lehren gemacht.

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