Auf dem Mauna Kea in Hawaii kommen sich Astronomie und Religion ins Gehege


Eine Visualisierung des geplanten Thirty Meter Telescopes. (Bild: TMT Observatory)

In Hawaii soll ein Teleskop der Superlative gebaut werden. Einheimische wollen das verhindern, weil sie darin einen Angriff auf ihre Kultur und ihre Religion sehen. Die Wurzeln des Konflikts reichen allerdings viel weiter zurück.

Christian Speicher | Neue Zürcher Zeitung

Der 4200 Meter hohe Mauna Kea in Hawaii ist ein Berg mit mythischer Bedeutung. Unter den Einheimischen gilt der Gipfel des Berges als heiliger Ort, an dem sie Kontakt zu ihren Ahnen aufnehmen können. Der Mauna Kea ist aber auch ein Hotspot der Astronomie. 13 Teleskope stehen hier, denn es gibt nur wenige Orte auf der Welt, die so exzellente Beobachtungsbedingungen bieten. Die Pläne von Astronomen, ein Teleskop der Superlative mit einem Spiegeldurchmesser von 30 Metern auf dem Berg zu bauen, hatten schon 2015 zu Protesten der einheimischen Bevölkerung geführt. In den letzten Wochen ist die Auseinandersetzung eskaliert. Nicht nur verhinderten Demonstranten durch Strassenblockaden den Baubeginn des Thirty Meter Telescope (kurz TMT). Zum Verdruss der Astronomen legten sie auch den Betrieb der bereits bestehenden Teleskope lahm.

Astronomie als Wirtschaftsmotor

Die Erschliessung des Mauna Kea für die Astronomie begann bereits in den 1960er Jahren. Schon damals regte sich in einigen Kreisen Widerstand. Aber die wissenschaftlichen Argumente und die Aussicht, die Wirtschaft anzukurbeln, wogen schwerer als die kulturellen und religiösen Bedenken. Mit den Jahren kamen immer weitere Teleskope hinzu. Heute beherbergt der Mauna Kea mit dem Keck-Observatorium und dem japanischen Subaru-Teleskop einige der leistungsstärksten Teleskope der Welt.

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