Neue Untersuchung über Machtmissbrauch in buddhistischen Gruppen

Der angesehene tibetische Lama Dagri Rinpoche (*1958) wurde im Mai wegen Vorwürfen sexueller Belästigungen vorübergehend von seiner Lehrtätigkeit suspendiert. Der international tätige Meditationslehrer aus der Gelugpa-Tradition soll enge Kontakte zum Dalai Lama haben.

Dr. Michael Utsch | EZW

Eine Gruppe prominenter buddhistischer Nonnen setzt sich dafür ein, dass eine unabhängige Organisation mit einer Untersuchung der Vorfälle beauftragt wird und hat dafür eine Petition gestartet. Damit gibt es einen weiteren „gestrauchelten Guru“, der die Liste etablierter buddhistischen Gruppen verlängert, in denen durch den Machtmissbrauch des Leiters Inhalte und Ziele ihrer Lehre ins Gegenteil verkehrt wurden.

Eine neue Studie untersucht die psychischen Auswirkungen von Machtmissbrauch in buddhistischen Gruppen (SFU Research Bulletin 7/2019, 32-59). Die Forscherin, selber promovierte Psychologin und Tibetologin mit langjährigen Indienaufenthalten, will spezifische psychotherapeutische Behandlungsansätze entwickeln, um von Machtmissbrauch Betroffenen helfen zu können. Aus ihrer bisherigen Forschung geht hervor, dass Gruppen mit starken Hierarchien durch asymmetrische Beziehungen geprägt sind, die vielfältige Möglichkeiten zur Manipulation böten. Durch die starke Sehnsucht nach Erleuchtung im Sinne von Befreiung von Leiden werde die bedingungslose Hingabe an den Guru gefördert und Machtmissbrauch begünstigt. Die Gruppendynamik in der Meditationsklausur könne darüber hinaus Grenzüberschreitungen erleichtern, die den Mitgliedern zumeist nicht bewusst würden. Hellhörig sollte man werden, wenn die eigene Organisation als erhaben über andere dargestellt wird, wenn der Lama über allen stehen soll. Wenn eigenständige Prozesse der Verantwortungsübernahme unterbunden würden, können nach Einschätzung der Psychologin keine nachhaltigen Entwicklungsprozesse stattfinden.

Auch wenn sich das Schüler-Lehrer-Verhältnis in katholischen, evangelischen oder freikirchlichen Gemeinschaften von denen einer Psychotherapie, dem Coaching, in Sportvereinen, buddhistischen oder neuhinduistischen Meditationsgruppen stark unterscheiden: Machtmissbrauch ist ein universelles Phänomen, das die Schattenseite aller asymmetrischen Beziehungen bildet. Gemeinsame Anstrengungen können helfen, hier wirkungsvolle, religionspsychologisch begründete Abhilfen zu schaffen, von denen für das jeweilige Milieu angepasste Präventionsmaßnahmen abgeleitet und umgesetzt werden können.

Die Polizei, dein Freund und Fälscher

Die Räumung eines Stadtteilladens in der Friedelstraße 54 in Berlin-Neukölln im Sommer 2017 beschäftigt erneut die Justiz. Geklagt haben Mitglieder des ehemaligen Ladenkollektivs – und zwar wegen der .…

Peter Nowak

.…Informationspolitik der Polizei. Die hatte kurz nach Beginn der Räumung am 29. Juni 2017 getwittert, die Besetzer hätten einen Türknauf unter Strom gesetzt. Lebensgefahr für unsere Kollegen«, hieß es in dem Tweet. Schnell stellte sich die Meldung als falsch heraus. Doch erst am Tag darauf, als die Räumung längst beendet war, korrigierte die Polizei ihre Falschmeldung. Da war sie bereits durch Medien und soziale Netzwerke verbreitet worden. Die Besetzer wurden damit als gewalttätige Chaoten hingestellt, die selbst vor der Gefährdung von Menschenleben nicht zurückschreckten.

Das Ladenkollektiv der »Friedel 54« sah sich selbst als Teil der außerparlamentarischen Linken, konzentrierte sich aber auf die Stadtteilarbeit. Es wollte gemeinsam mit den Mietern der Friedelstraße 54 das Haus kaufen und war im März 2016 zur Wiener Zentrale der Citec-Immobiliengruppe gefahren, um das Angebot zu überbringen. Doch das Unternehmen verkaufte das Haus an eine Briefkastenfirma und verlangte im Kaufvertrag, dass diese die Räumungsklage gegen den Laden weiterführen müsse.

Es hätten sich also genügend Fragen im Zusammenhang mit der Räumung aufgedrängt. Stattdessen schmückten konservative Medien die falsche Polizeimeldung weiter aus, wie Ralf Hutter in einem Beitrag auf Telepolis mit zahlreichen Beispielen gezeigt hat. So phantasierte der Chefreporter der Bild-Zeitung in der Region Berlin-Brandenburg, Michael Sauerbier, via Twitter von einem »Mordversuch in Berlin«. Der öffentlich-rechtliche Sender Radio Berlin (mittlerweile »RBB 88.8«) schwadronierte von einem »lebensgefährlichen Anschlagsversuch auf Polizisten« bei der Friedel-Räumung.

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Himalaya: Skelett-See gibt Rätsel auf

Am Ufer dieses hoch im indischen Himalaya liegenden Sees liegen hunderte menschlicher Skelette. Wann sie starben und woher sie kamen, habne nun Forscher erstmals untersucht. © Atish Waghwase

Mysteriöse Todesfälle: Am Ufer des Roopkund-Sees hoch im indischen Himalaya liegen hunderte alter Skelette. Jetzt enthüllen DNA-Analysen, dass diese Toten keineswegs bei einer einzigen Katastrophe starben wie bisher angenommen. Stattdessen liegen bis zu tausend Jahre zwischen ihnen. Rätselhaft auch: Eine Gruppe dieser Toten stammte aus dem Mittelmeerraum – und damit aus einer Gegend tausende Kilometer weit entfernt.

scinexx

Der nur 40 Meter große Roopkund-See liegt tief im Himalayagebirge auf 5.029 Metern Höhe. Doch trotz seiner entlegenen Lage scheint er in der Vergangenheit überraschend viel Besuch erhalten zu haben. Denn an seinen Ufern liegen hunderte alter Menschenskelette. Wann und warum diese Menschen einst starben, war bislang jedoch ungeklärt. Lokale Legenden nach handelt es sich um eine Pilgergruppe, die von der Göttin Nanda Devi aus Zorn niedergestreckt wurde. Andere vermuten, dass hier einst eine Expedition oder Armeeeinheit von einem Schneesturm überrascht und getötet wurden.

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Pubertierende wüten so ähnlich wie Affen

Der Übermut erfüllt wichtige Zwecke. – (c) Imago

Nicht nur Menschen mangelt es in der Jugend an Selbstkontrolle. Aber der Übermut erfüllt wichtige Zwecke.

Karl Gaulhofer | Die Presse

Ach, diese Jugend von heute! Solche Stoßseufzer sind wohl schon so alt wie die Menschheit. Wer in die Pubertät gerät, handelt oft impulsiv, unbedacht, riskiert womöglich gar Leib und Leben auf der ständigen Suche nach einem starken Erlebnis – auf dem Moped, mit Drogen, bei Mutproben oder im Sport. In dieser Phase lernt man selten aus Fehlern und plant seine Handlungen kaum voraus. Aber dieses Verhalten ist nicht auf Menschen beschränkt. Junge Affen – genauer Makaken – wüten ganz ähnlich, wie eine Überblicksstudie der US-Forscher Beatriz Luna und Christos Constantinidis zeigt (in: Trends in Neuroscience, 20. 8.).

Doch wie lässt es sich erklären? Die hemmenden und kontrollierenden Instanzen im Gehirn, die sich im Prinzip schon bei Kleinkindern ausbilden, sind zuweilen nicht aktiviert, wie ausgeschaltet. Das lässt sich gut mit einem Test nachweisen, der Augenbewegungen misst. Man bittet Probanden, einen Punkt zu fixieren, und, wenn links oder rechts davon ein Reiz auftaucht, statt spontan dorthin bewusst in die entgegengesetzte Richtung zu schauen – dem Reflex trotzend. Diese einfache Form von Selbstkontrolle schaffen Pubertierende oft nicht, übrigens ebenso wenig wie viele Erwachsene, die an Schizophrenie, Parkinson oder Alzheimer leiden. Oder eben wie junge Makaken, die man durch Belohnungen zum Blick in die Gegenrichtung dressieren will.

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Bund gibt Hunderte Millionen für amerikanische Truppen aus

Die Bundesregierung unterstützt die amerikanischen Streitkräfte finanziell. Bild: dpa

Baukosten, Versorgung, Bewirtschaftung von Grundstücken: Die in Deutschland stationierten amerikanischen Truppen kommen den deutschen Steuerzahler teuer zu stehen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Bundesregierung hat die amerikanischen Truppen in Deutschland in den vergangenen sieben Jahren mit 243 Millionen Euro unterstützt. Damit wurden unter anderem Versorgungsleistungen für ehemalige Mitarbeiter oder die Bewirtschaftung von Grundstücken und Gebäuden bezahlt. Hinzu kommt eine Beteiligung an den Baukosten der Streitkräfte. Die 480 Millionen Euro, die der Bund von 2012 bis 2019 für alle militärischen Baumaßnahmen von Nato-Partnern in Deutschland verplant hat, entfallen „fast ausschließlich“ auf die Vereinigten Staaten. Das geht aus einer Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Brigitte Freihold hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Danach haben die Vereinigten Staaten derzeit rund 35.700 Soldaten in vier Bundesländern stationiert – mehr als die Hälfte davon (18.459) in Rheinland-Pfalz, 11.689 in Bayern, 3036 in Baden-Württemberg und 2471 in Hessen. Laut der amerikanischen Botschaft werden zusätzlich 17.000 amerikanische und 12.000 deutsche Zivilisten von den amerikanischen Streitkräften beschäftigt.

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George Pell bleibt weiter in Haft

Der Oberste Gerichthof in Melbourne lehnt Berufungsverfahren des früheren Finanzchefs des Vatikans ab

kath.net

Der australische Kardinal George Pell bleibt weiterhin in Haft. Der Oberste Gerichtshof von Melbourne hat das Berufungsverfahren des früheren Finanzchefs abgelehnt. Pell, der frühere Finanzchef des Vatikans und früheres Mitglied im Kardinalsrat K9 von Papst Franziskus kann deshalb frühestens 2022 aus dem Gefängnis entlassen werden. Er war bereits erstinanzlich wegen mutmaßlichem Missbrauch von zwei Chorknaben zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Die Entscheidung fiel allerdings nur mit einer Mehrheit von 2 zu 1 der Berufungsrichter. Es gilt als wahrscheinlich, dass Pell nun vor dem High Court, dem obersten Gericht Australien, Berufung einlegen wird.

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Es begann mit einem rechten Picknick

Gedenkstätte „Paneuropäisches Picknick“: Grenzübergang St.Margarethen (Bgld) / Sopronköhida. Bild: Cuchulainn/gemeinfrei

Kommentar: Nicht Orban musste sich verbiegen, als er die ungarische Grenzöffnung vor 30 Jahren feierte. Linke und Liberale müssen sich vorwerfen lassen, dass sie Mythen aufsitzen

Peter Nowak | TELEPOLIS

Bundeskanzlerin Merkel und der ungarische Ministerpräsident werden uns gerne als die beiden Antipoden auf der EU-Bühne präsentiert. Nach politischer Ausrichtung ist der Ungar der Verteidiger des Abendlandes bzw. der Rechtspopulist und Merkel das freundliche bzw. naive Gesicht der EU. Und dann feiern beide eine Grenzöffnung vor 30 Jahren und tauschen Höflichkeitsfloskeln aus. Da versteht mancher Orban-Freund in der konservativen Presse die Welt nicht mehr:

Bundeskanzlerin Angela Merkel blieb bei ihrem Treffen mit Ungarns Regierungschef Viktor Orbán erstaunlich unkritisch. Die Frage nach der Rechtsstaatlichkeit? Kein Thema. Was steckt hinter der Merkel-Wende?

Boris Kálnoky, Die Welt

Natürlich wird da wieder zu viel reininterpretiert. Da wird doch glatt vergessen, dass Orban und Merkel noch immer in der gleichen konservativen Parteienfamilie sind, auch wenn das nicht immer ohne Streit abgeht. Und auch Merkel und die Orban-Kritiker unter den europäischen Konservativen haben Orbans „Verdienste“ als Grenzwächter der EU nie in Frage gestellt.

Wenn Orban dann im Stil polemisch tönt, Ungarn sorge auch dafür, dass in Deutschland die Leute sicherer leben können, dann bekommt er nicht nur bei der AfD, sondern auch in den Ortsvereinen der Unionsparteien Applaus. Manche werden sich nun fragen, wie kann man sich als Grenzsicherer gerieren und gleichzeitig eine Grenzöffnung vor 30 Jahren feiern?

Das liberale Wunschkonzern vom Sommer ’89

Das wird nur zur Frage, wenn man den Sommer 1989 durch die linksliberale Brille sieht, wie sie die Band Kettcar in ihren Song „Sommer 89“ vertonten. Der vom liberalem Milieu vielgelobte Song beschrieb einen Mythos, dass da einige einfach Löcher in den Zaun geschnitten und damit die Grenzen geöffnet hätten.

Dann wird vom ungarischen 1989 zum „Herbst der Migration 2015“ eine klare Linie gezogen. Das ist Kitsch, der sich besonders staatstragend gibt, weil er in einer Strophe mit den linken Bedenkenträgern im eigenen Freundeskreis bricht. Das sind diejenigen, die daran erinnern, dass das ungarische Picknick mitnichten eine Aktion von antirassistischen Aktivisten war, die mit dem Bolzenschneider in der Hand Löcher in den Zaum schnitten.

Zur historischen Wahrheit gehört, dass das „paneuropäische Picknick“ seinen Namen deshalb trägt, weil es von der Paneuropa-Union, einer heute wenig bekannten Gruppe im Graubereich zwischen den Unionsparteien und der Ultrarechten initiiert wurde. Bekanntestes Mitglied war Otto von Habsburg, ein Rechtskonservativer, der auch keine Berührungsängste mit der „Braunzone“ hatte.

Über die Rechtswende der Paneuropa-Union nach dem Tod des Gründers schrieb die Bundeszentrale für Politische Bildung:

Danach übernahmen rechtskonservative Politiker, darunter Otto von Habsburg, die Paneuropa-Union. Sie gestalteten die Bewegung erfolgreich zu einer Europaorganisation um, die sich nicht zuletzt das im Ost-West-Konflikt „vergessene“ Mitteleuropa zum Thema machte. Damit fand die Paneuropa-Union v. a. in konservativen politischen Kreisen Anhänger. Sie ist bis heute eine der größten Europaorganisationen.

Bundeszentrale für Politische Bildung

Dass die Paneuropa-Union unter Otto von Habsburg keine Berührungsängste nach Rechtsaußen hatte, beschreibt das Antifaschistische Infoblatt:

Eine Gruppe prominenter Rechter begann nun, aus den Resten der alten PEU eine Sammlungsbewegung aufzubauen. Die Grundlagen waren ein strikter Antikommunismus, die gemeinsame Europaidee und das Christentum. Parteiübergreifend vereinten sie verschiedene Strömungen, die seit Jahren nebeneinander arbeiteten, z.B. die Abendländische Akademie, das Franco-nahe CEDI, die Deutschland-Stiftung, Teile der deutschen Vertriebenen, Monarchisten sowie Vertreter rechter Parteien und Regierungen Europas. Bis 1989/90 kooperierte die PEU immer wieder mit der extremen Rechten. Heute bestehen nur noch vereinzelt Kontakte dorthin, da der Antikommunismus als einendes Moment bedeutungslos geworden ist. Ein Trennstrich nach rechts wurde nur dann gezogen, wenn es um eine konkurrierende Europa- und Deutschlandpolitik ging.

Antifaschistisches Infoblatt

Rechter Duktus, dem Viktor Orban aus Überzeugung zustimmen kann

Auch heute versteckt die Paneuropa-Union ihre rechtskonservative Richtung keineswegs: So heißt es auf ihrer Homepage:

Die Befreiung der Völker Mittel- und Osteuropas vom Joch des Kommunismus hat eine neue Phase der europäischen Geschichte eröffnet, die die Chance auf die Vereinigung Europas in greifbare Nähe rückt.

Paneuropa-Union

Vor 1945 haben manche der Mitglieder und Bündnispartner der Paneuropa-Union „die Befreiung der Völker Mittel- und Osteuropas“ noch als Teil der Waffen-SS und der deutschen Wehrmacht zu bewerkstelligen versucht. So bekam der langjährige Vorsitzende der Paneuropa-Union, Erich Mende, noch im Frühjahr 1945 das Ritterkreuz am Bande. In einem Interview mit Günter Gaus fand Mende noch 1964 keine Kritik am NS:

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Eine „Ablösesumme“ für Kirchen in Sachsen-Anhalt? Katholisches Büro redet sich raus, erwartungsgemäß

Bild: tilly

Die katholische Kirche in Sachsen-Anhalt bekommt jährliche Zahlungen von Land. Dies ist der dortigen Links-Fraktion ein Dorn im Auge. Sie möchte die Verpflichtung mit einer Einmalzahlung beenden. Das will das katholische Büro nicht.

DOMRADIO.DE

Nach der evangelischen Kirche hat auch die katholische Kirche zurückhaltend auf den Vorschlag der sachsen-anhaltischen Links-Fraktion reagiert, mit einer Ablösesumme von 700 Millionen Euro die jährlichen Zahlungen des Landes an die Kirchen zu beenden. Er sei beim Thema Staatsleistungen zwar durchaus „unverkrampft und gesprächsbereit“, sagte der Leiter des Katholischen Büros Magdeburg, Stephan Rether, am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Katholisches Büro verweist auf den Bund

Gleichzeitig verwies er darauf, dass nicht das Land, sondern der Bund laut Grundgesetz „zur Verabschiedung eines Rahmengesetzes, das die Bedingungen für eine Ablösung vorzeichnet“, angehalten sei. Rether vertritt das Bistum Magdeburg und das Erzbistum Berlin in der Landespolitik.

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Verfassungsschutz muss begrenzt Auskünfte aus NSU-Berichten geben

Pixabay License

Die bloße formale Einordnung eines Vorgangs als geheim begründet keine absolute Geheimhaltung gegenüber Journalisten. Das hat das Verwaltungsgericht Wiesbaden entschieden. Der Journalist hatte Auskunft aus NSU-Akten begehrt.

MiGAZIN

Der hessische Verfassungsschutz muss einem Journalisten bestimmte Auskünfte aus den geheim gehaltenen Berichten zur rechtsextremistischen Terrorgruppe NSU geben. Eine Verschlusssachenanweisung könne den Auskunftsanspruch aus dem Pressegesetz nicht einschränken, da es sich lediglich um eine Verwaltungsvorschrift handele und nicht um ein Gesetz, begründete das Verwaltungsgericht Wiesbaden seinen Beschluss vom Montag. Allerdings müssten bei Auskunftsansprüchen gegen den Verfassungsschutz wegen dessen Geheimhaltungspflichten hohe Maßstäbe angelegt werden. (AZ: 2 L 1168/19.WI)

Das Gericht gab damit teilweise dem Eilantrag eines Journalisten statt. Das Landesamt für Verfassungsschutz müsse beantworten, an wie vielen Stellen im Zwischenbericht zum NSU von 2013 und dem Abschlussbericht zum NSU von 2014 die Namen von Andreas Temme, Benjamin Gärtner und Stephan Ernst genannt werden.

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Miet- und Kaufpreise in Europa: Schlimmer geht immer

Die Innenstadt von München Bild: dpa

Deutschland ächzt unter hohen Mieten und teuren Immobilien. Doch anderswo in Europa ist die Lage weitaus dramatischer – kein gutes Zeichen.

Jessica von Blazekovic | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die erste Amtshandlung der Bundesregierung nach der Sommerpause galt dem angespannten deutschen Wohnungsmarkt. Die Koalitionäre wissen: Kaum ein Thema – mal abgesehen vielleicht vom Klimawandel – treibt die Menschen in Deutschland derzeit mehr um als die rasant steigenden Wohnungsmieten und Kaufpreise für Immobilien in der Republik. Das gilt vor allem für die großen Städte wie München und Hamburg, wo die Monatsmiete schon mal die Hälfte des Nettoeinkommens auffressen kann.

Bei all den (berechtigten) Klagen aber legt ein neuer Bericht jetzt nahe: Im europäischen Vergleich ist Wohnen hierzulande vergleichsweise günstig – und dürfen sich die Deutschen glücklich schätzen, dass sich die Preise noch nicht in den schwindelerregenden Höhen bewegen, unter denen die Einwohner anderer europäischer Metropolen zu leiden haben.

Laut dem aktuellen, achten „Property Index“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte lagen im Jahr 2018 die monatlichen Durchschnittsmieten pro Quadratmeter in München (10,50 Euro), Hamburg (8,60 Euro) und Frankfurt (8,40 Euro) im unteren Mittelfeld der 46 verglichenen Städte. Berlin (7,30 Euro) landet sogar auf einem der letzten Plätze, nur noch unterboten von Turin (6,90 Euro) in Italien, Ostrava (6,60 Euro) in Tschechien und den beiden ungarischen Städten Győr (6,50 Euro) und Debrecen (6,40 Euro). Angeführt wird die Rangliste von Paris, wo Mieter im Schnitt fast 28 Euro für jeden Quadratmeter Wohnfläche in der französischen Hauptstadt locker machen mussten.

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Premier Conte hält Salvini eine Standpauke und tritt zurück

Matteo Salvini musste sich von Giuseppe Conte einige Vorwürfe anhören. – APA/AFP/ANDREAS SOLARO

Italiens Premier Conte warf Innenminister und Lega-Chef Salvini in einer intensiven Ansprache persönliches Kalkül und Respektlosigkeit vor. Und dann trat der Premierminister zurück.

Die Presse.com

Neuwahlen sind „unverantwortlich“. Das Verhalten von Innenminister Mattel Salvini „verantwortungslos“. Italiens Premierminister Giuseppe Conte hielt seinem Innenminister am Dienstag im italienischen Parlament in seiner Rede vor dem Parlament eine richtige Standpauke. Salvini wollte seine Partei Lega in Neuwahlen führen, die guten Umfragewerte nutzen. Die Regierung mit den „Fünf Sternen“ jetzt aufzulösen, würde jeglichen Reformfortschritt bremsen, konstatierte Premier Conte. Und nach zahlreichen Angriffen auf Salvini und dem Hervorheben der Leistungen der Regierung, erklärte Conte schließlich seinen Rücktritt – nicht ohne sich bei seinen Kollegen im Parlament für die gute Zusammenarbeit zu bedanken. Er werde am Ende der parlamentarischen Debatte über die Regierungskrise bei Staatspräsident Sergio Mattarella seine Demission einreiche, kündigte er vor dem Senat an. Damit bricht die Allianz aus Lega und Fünf Sterne-Bewegung endgültig zusammen, die Italien in den vergangenen 14 Monaten regiert hatte.

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Bienen im Polizeidienst könnten Drogen und Sprengstoff aufspüren

Lassen sich Bienen auf Drogensuche nicht von einem Rapsfeld ablenken? (Bild: Christoph Ruckstuhl / NZZ)

Bienen haben einen guten Riecher. Sind sie womöglich die besseren Spürhunde? Das Thema beschäftigt derzeit die Gewerkschaft der Polizei in Deutschland. Experten haben Zweifel.

Neue Zürcher Zeitung

Bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) wird gerade eine kuriose Idee prominent vorgestellt. Bienen haben es auf das Titelblatt der Mitgliederzeitschrift geschafft. Dort stellt die 22-jährige Polizistin und Hobby-Imkerin Sonja Kessler aus Köln ihre Bachelorarbeit vor. Darin erklärt sie die Vorzüge von Bienen als Spürhunden für die Polizei.

Drogenspürhunde seien nur für kurze Zeit einsatzfähig, sehr auf eine Bezugsperson fixiert, ihre Ausbildung sei zeitaufwendig und kostspielig, heisst es da. Warum also nicht die Biene? Kessler wurde für ihre Arbeit vom diesjährigen Europäischen Polizeikongress mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Handelt es sich dabei um ausgefallene Forschung oder um eine Schnapsidee?

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Longlist zum Buchpreis: Debütanten, olé!

Stapelware: Der Deutsche Buchpreis hat Romane immer wieder zu Bestsellern gemacht. Bild: dpa

Die Vorauswahl zum Deutschen Buchpreis 2019 steht fest: Ein Blick auf die Verteilung der nominierten Romane – und auf die Hoffnungen des Buchmarkts.

Andreas Platthaus | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ungewöhnlich viele Debütanten – das ist der interessanteste Eindruck der Longlist zum diesjährigen Deutschen Buchpreis, die an diesem Dienstagmorgen bekanntgegeben worden ist. Unter den nunmehr noch zwanzig Kandidaten, die aus den 203 gesichteten Romanen ausgewählt wurden, sind gleich sieben Erstlinge, acht sogar, wenn man berücksichtigt, dass Karen Köhler bislang nur einen Erzählungsband veröffentlicht hat.

Dafür sind unter den anderen zwölf viele Bekannte: Nora Bossong, Marlene Streeruwitz, Norbert Scheuer, Alexander Osang, Saša Stanišić oder Eva Schmidt, um nur die Vertrautesten zu nennen. In den kommenden vier Wochen wird die Jury aus den Nominierungen sechs Titel herausfiltern, die dann die Shortlist bilden, aus der das diesjährige Siegerbuch gewählt wird. Es wird am Abend des 14. Oktober im Kaisersaal des Frankfurter Römers zum Auftakt der Buchmessewoche verkündet. Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert, für die fünf weiteren Finalisten bleiben noch jeweils 2500 Euro, die Aufnahme in die Longlist bringt nicht mehr ein als Aufmerksamkeit.

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Plastikersatz aus Bioabfällen

Kunststoff aus Bioabfällen könnte sich als Ersatz für das PET in Plastikflaschen und Co eignen. © matteodestefano/ istock

Ersatz für PET und Co? Forscher haben ein neues Verfahren zur Herstellung biobasierter Plastik-Alternativen entwickelt. Mit ihrer Methode lassen sich zum Beispiel aus Lebensmittelabfällen gewonnene Substanzen in Verbindungen überführen, die sich als Kunststoff-Bausteine eignen. Für diesen Prozess sind im Wesentlichen nur Licht und Sauerstoff nötig – sowie spezielle Nanostäbchen als Katalysatoren.

scinexx

Kunststoffe wie Polyethylen (PET), Polypropylen (PP) oder Styropor stecken gefühlt in jedem zweiten Alltagsprodukt – von Verpackungen, über Kleidung bis hin zu Kosmetik. Doch diese Omnipräsenz des Plastiks ist längst zum Umweltproblem geworden: Tonnenweise Plastik schwimmt in großen Müllstrudeln im Meer herum und sogar unser Körper ist belastet. Aus diesem Grund suchen Wissenschaftler inzwischen nach umweltfreundlichen Alternativen zu PET und Co. Sie sollen genauso leicht und widerstandsfähig sein wie das Original, aber gleichzeitig biologisch abbaubar.

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Bundespräsident eröffnet „Religions for Peace“ in Lindau: „Kein Krieg im Namen der Religion!“

„Religion darf niemals Rechtfertigung von Hass und Gewalt sein“. Mit diesem Worten hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an diesem Dienstag im südbayerischen Lindau die Weltversammlung von „Religions for Peace“ eröffnet.

DOMRADIO.DE

Dabei handelt es sich um die nach eigenen Angaben größte internationalen Allianz religiöser Gemeinschaften.

„Wir mögen unterschiedlich sein in unserem Glauben. Aber einen muss uns die gemeinsame Haltung: Religion darf niemals Rechtfertigung von Hass und Gewalt sein“, sagte Steinmeier laut Manuskript zum Start der viertägigen Konferenz am Bodensee. Die gemeinsame Botschaft von Lindau müsse lauten: „Kein Krieg darf geführt werden im Namen der Religion!“, mahnte das deutsche Staatsoberhaupt.

Religionen als Werkzeuge des Friedens

Steinmeier erklärte weiter: „Es darf uns – ich darf mich hier als gläubiger Christ ganz bewusst einschließen – es darf uns, denen uns Religion und Glaube wichtig sind, nicht gleichgültig sein, wenn immer wieder viele Menschen zum Ausdruck bringen, dass Religion geradezu ein friedensverhinderndes, ja kriegsförderndes Phänomen sei.“

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Zehntausende syrische Kriegsflüchtlinge müssen Istanbul verlassen

Proteste türkischer Aktivisten gegen die Ausweisung syrischer Flüchtlinge.Foto: O. Kose/AFP

Für viele Flüchtlinge in Istanbul beginnt der Exodus. Sie sollen umgesiedelt werden – mit teilweise lebensgefährlichen Folgen.

Susanne Güsten | DER TAGESSPIEGEL

Manchmal kommen Rana die Tränen, doch dann reißt sie sich rasch wieder zusammen: Sie muss stark bleiben, damit ihre Kinder leben können. Zum zehnten Mal packt die 40-Jährige die Habseligkeiten ihrer Familie, die auf der Flucht immer weniger geworden sind. Das Haus bei Damaskus, das Auto, ihre Arbeit als Psychologin, die Restaurantkette ihres Mannes in Syrien – das alles ist längst verloren.

Aber sie sind am Leben: sie selbst und ihr Mann, die beiden Söhne von 22 und 23 Jahren und die Töchter, fünf und zehn Jahre alt. Ein paar billige Möbel besitzen sie, die sie in Istanbul von geliehenem Geld gekauft und mit den Hungerlöhnen ihrer Hilfsjobs abgestottert haben. Nun geht es darum, wie sie die nach Bursa bekommen sollen – eine westtürkische Stadt, in die sie auf Befehl des Gouverneursamtes von Istanbul bis zu diesem Dienstag umsiedeln sollen.

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„Brandbrief“: AfD-Bundestagsabgeordneter wirft Protestanten linke Parteipolitik vor

Eine „Instrumentalisierung des Glaubens durch linke Ideologen“ wirft AfD-Mann Jens Maier der evangelischen Kirche in Sachsen vor. Man lasse sich tagespolitisch einbinden, wirke wie eine Unterabteilung von Grünen und SPD. Die Kirche wehrt sich.

katholisch.de

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Jens Maier wirft der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Sachsen (EVLKS) in einem Offenen Brief „Instrumentalisierung des Glaubens durch linke Ideologen“ vor. Die Kirche lasse sich „in einer Weise tagespolitisch einbinden, dass der Verdacht aufkommt, sie selbst sei zu einer Art Unterabteilung der Grünen und/oder SPD geworden“, so Maier laut einer am Dienstag vom AfD-Landesverband Sachsen verbreiteten Erklärung. Er hatte den „Brandbrief“ nach eigenen Angaben am Sonntag vor zahlreichen Dresdner Kirchen verteilt.

Der Pressesprecher der EVKLS, Matthias Oelke, sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), offiziell habe die Landeskirche bisher keinen solchen Brief erhalten. „Ich kenne den Brief nicht.“ Gleichwohl bestehe zwischen AfD und sächsischer Landeskirche ein „unauflösliches Spannungsverhältnis“. Das habe allerdings nichts damit zu tun, dass „die Kirche irgendwelchen parteipolitischen Lagern hinterherläuft oder aber das selbstständige Denken aufgegeben“ habe.

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