„Kirche muss keine Politik machen, aber …“


Am 1. September wird in Sachsen ein neuer Landtag gewählt. Wie steht es kurz davor um das politische Klima im Freistaat? Und welche Rolle kann die Kirche im Umgang mit AfD, Pegida und Co. einnehmen? Darüber spricht im katholisch.de-Interview der Direktor der Katholischen Akademie in Dresden, Thomas Arnold.

Steffen Zimmermann | katholisch.de

Am 1. September wird in Brandenburg und Sachsen ein neuer Landtag gewählt. Laut aktuellen Umfragen hat die AfD in beiden Bundesländern Chancen, die Wahl zu gewinnen. Was würde das insbesondere für Sachsen bedeuten? Immerhin hat der Freistaat schon jetzt bundesweit einen Ruf als „braunes Bundesland“. Darüber spricht der Direktor der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen, Thomas Arnold, im Interview mit katholisch.de. Außerdem äußert sich der Theologe zum politischen Klima in Sachsen, zu den Grenzen des Dialogs mit Pöblern, zur Rolle der Kirche im gesellschaftlichen Miteinander Sachsens und zu eigenen Fehlern im Umgang mit den Krawallen von Chemnitz.

Frage: Herr Arnold, in eineinhalb Wochen wird in Sachsen ein neuer Landtag gewählt. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die Wahl?

Arnold: Auf jeden Fall ohne Angst. Vielmehr habe ich die Hoffnung, dass es bei der Wahl eine Mehrheit für Parteien gibt, die in ihrem Programm und mit ihrem Personal die menschliche Würde, die Freiheit und die Verantwortung des Einzelnen in den Mittelpunkt stellen. Das heißt aber auch: Wer von „Heimat“ spricht, kann die Sehnsucht nach dem Wohl der Menschen nicht an der sächsischen Landesgrenze enden lassen.

Frage: Bestärkt Sie denn der bisherige Wahlkampf in Ihrer Hoffnung? Im Vorfeld gab es ja durchaus die Sorge, dass der Wettbewerb um die Wählerstimmen sehr konfrontativ und unfair werden könnte. Wie beurteilen Sie den bisherigen Verlauf des Wahlkampfs?

Arnold: Ich nehme den Wahlkampf bislang als fair wahr; die große Mehrheit der Parteien ist darum bemüht, sachlich für ihre Positionen zu werben. Wer allerdings – wie Parteien am rechten Rand – meint, aus dem Wahlkampf eine „Jagdsaison“ machen zu müssen, hat wohl vergessen, dass diese unsachliche Rhetorik dazu ermuntert, Worten Taten folgen zu lassen. Emotion darf sein, aber immer zugunsten eines fairen und argumentativen Austauschs der unterschiedlichen Positionen.

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