Welche Konsequenzen der Vatikan jetzt aus dem Fall Pell ziehen muss


Kardinal Pell wurde in zweiter Instanz wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Höchste Zeit für den Vatikan, endlich das eigene kirchenrechtliche Verfahren voranzutreiben, kommentiert Gabriele Höfling. Bisher sei ein entschlossenes Vorgehen nicht zu erkennen.

Gabriele Höfling | katholisch.de

Einige der Reaktionen auf das Urteil gegen Kardinal George Pell gestern waren doch sehr befremdlich – auch die des Vatikan. Immerhin, die Entscheidung wurde anerkannt, aber konkrete Konsequenzen für Pell? Fehlanzeige. Aus den Statements der Bischöfe von Sidney und Melbourne sprach neben der Würdigung von Opfern auch eine deutliche Anerkennung Pells; manche Kreise australischer Katholiken sehen in dem Verfahren sowieso eher ein Art Schauprozess, in dem der Kardinal als Sündenbock für die Vergehen katholischen Kirche herhalten muss.

Hier zeigt sich ein Verhaltensmuster, das die katholische Kirche nach den Lehren des Missbrauchsskandals eigentlich längst hinter sich gelassen haben sollte: dass sie sich selbst näher ist als den Opfern, dass der Schutz der Institution und ihrer Repräsentanten – vor allem der Prominenten –  über allem steht. Fast könnte man meinen, die Tatsache, dass ein KARDINAL im Gefängnis sitzt, sei in jedem Fall die größere Ungeheuerlichkeit – was auch immer er getan haben möge.

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