Alarmstufe Rot im Wald


Mehr Wald als gedacht. Bild: bb

Stürme, Trockenheit und Schädlinge setzen den Wäldern zu. Während hierzulande Hilfsmaßnahmen diskutiert werden, brennen in Sibirien die Urwälder ab. Und der amazonische Regenwald stirbt schneller denn je

Susanne Aigner | TELEPOLIS

Seit dem vergangenen Jahr fielen in Deutschland rund 110.000 Hektar Wald Stürmen und Borkenkäfern zum Opfer. Allein 2018 und 2019 fielen 70 Millionen Festmeter Schadholz an. Dabei handelt es sich vor allem um vom Raupenfraß beschädigte und vom Sturm umgeknickte Bäume.

Um zu verhindern, dass die Insekten auch die Nachbarbäume befallen, müssen von Borkenkäfern geschädigte Fichten eigentlich schnell aus dem Wald entfernt werden. Doch dafür fehlen die Kapazitäten. So schätzt die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) die Kosten für den Abtransport der Schadhölzer auf rund zwei Milliarden Euro.

Insekten und Pilze reagieren besonders schnell auf Klimaveränderungen. In den letzten 15 Jahren haben sich der Schwamm- und der Eichenprozessionsspinner explosionsartig vermehrt. In manchen Regionen fressen ihre Raupen Eichen und andere Laubbäume komplett kahl. Normalerweise wehrt sich die Fichte gegen die Käfer, indem sie Harz bildet. Dafür aber braucht sie ausreichend Wasser. Gibt es zu wenig davon, sterben die Bäume innerhalb weniger Wochen.

Für eine Wiederaufforstung, schätzen die Waldeigentümer, müssen etwa 300 Millionen Bäume nachgepflanzt werden. Das würde rund 640 Millionen Euro kosten. Um die geschädigten Wälder wieder aufzuforsten, Waldbestände zu erhalten und an den Klimawandel anzupassen, soll der Bund rund 800 Millionen Euro zahlen, forderten kürzlich Forstminister aus mehreren Bundesländern bei einem Treffen im sächsischen Moritzburg.

„Waldumbau“

Fünf Prozent der Waldfläche sollten vollständig der Natur überlassen werden, fordert Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. Mit Hilfe eines Fonds im Umfang von einer Milliarde Euro soll der Waldumbau in den kommenden zehn Jahren finanziert werden. Der BUND setzt sich für die Kultivierung naturnaher Laubmischwälder ein, weil diese stabiler und widerstandsfähiger gegen Klimastress sind.

Gleichzeitig braucht es mehr Engagement beim Klimaschutz. Der Ausstoß an Treibhausgasen muss reduziert werden, sonst können die Maßnahmen zum Schutz der Wälder nicht greifen. Statt Geldgeschenke an Waldgroßbesitzer zu verteilen, so fordert Greenpeace, möge Agrarministerin Klöckner bitte mehr Druck beim Ausstieg aus Kohle und Verbrennungsmotor im Bundeskabinett ausüben.

Schließlich sei seit dem Beschluss des Kohle-Ausstiegs Ende Januar noch kein einziges Kohlekraftwerk abgeschaltet worden. Angesichts der Dringlichkeit in Sachen Wald kündigte Julia Klöckner einen „Nationalen Waldgipfel“ für September an.

Brennende Wälder in Sibirien

Auch woanders steht es mit dem Wald nicht zum Besten. So wüteten die Waldbrände in Sibirien in diesem Sommer besonders krass. In der russischen Taiga, Lebensraum für viele Tierarten wie Wolf, Elch, Bär und zahlreichen Vogelarten mit zentraler Bedeutung für das Weltklima, brennen alle Jahre wieder die Wälder.

Weil in den zumeist unzulänglichen Waldgebieten Löschungsarbeiten unökonomisch sind, ordnete die russische Regierung Löschungsarbeiten bei Bränden in den Vorjahren gar nicht erst an. Doch drei Millionen Hektar brennender Wald in der nördlichen Taiga – das sprengt den Rahmen aller bisherigen sibirischen Waldbrände.

Bereits im Frühjahr wüteten in der Region schlimme Wald- und Steppenbrände, bei denen auch Gebäude zerstört wurden. Im Juni folgte eine Rekordhitze. In vielen Regionen Sibiriens herrschten ungewöhnlich hohe Temperaturen von mehr als 30 Grad. Schließlich wurden ganze Regionen durch lange Regenfälle mit Hochwasser überschwemmt, bei denen Menschen starben und verletzt wurden.

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