Anschlagsleugner: Mit einem Deep-State-Szenario wird gegen eine Deep State-Entlarvung argumentiert


Bild: Karl-Ludwig Poggemann/CC BY-SA-2.0

Was für eine Absicht wird mit Behauptungen verfolgt, auf dem Breitscheidplatz habe es keine Toten und Verletzten gegeben? Und wer steckt dahinter?

Thomas Moser | TELEPOLIS

Es ist immer wieder erheiternd, diese Detailspekulationen zu Amri zu verfolgen waehrend es doch physisch unmoeglich war, dass am 19. Dezember 2016 ein Lastwagen über den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin fuhr. Der fuhr nicht ueber den Breitscheidplatz, sondern ueber die Hardenberg- und Budapesterstrasse und parkte dann – witzigerweise direkt vor einem Poller, den man vergessen hatte zu entfernen – am Weihnachtsmarkt ein. Warum, frage ich mich, produziert Telepolis mit hohem Aufwand Verschwoerungstheorien zum deutschen Deep State (die grundsaetzlich, im Widerspruch zur CIA-Propaganda wichtig und richtig sind), schaut sich aber nicht das verfuegbare Bildmaterial an? Ditto Nizza u.v.a. ‚Terroranschlaege‘ von Islamisten, die die illegalen Kriege in Nahost rechtfertigen sollen, mehr.

Aus einer Email an die Redaktion zum Artikel: Der Amri-Komplex: Anatomie eines Terroranschlages

Die Erde ist eine Scheibe. Dass sie eine Kugel sein soll – lächerlich. An den Rändern würde man ja abrutschen, und wie soll man, bitte, an der Unterseite stehen?

Wer diskutiert schon mit jemandem, der behauptet, die Erde sei eine Scheibe? Warum also mit jemanden, der sagt, der Anschlag habe nicht stattgefunden? Er sei eine Simulation gewesen, ein Schauspiel, an dem Hunderte von Eingeschworenen teilgenommen haben – inszeniert.

Sind zwölf Tote und dutzende Verletzte nicht Beweis genug? Handelt es sich nur um Verirrte oder Verwirrte, die so etwas verbreiten? Oder vielleicht um Provokateure? Was ist damit bezweckt, und in wessen Interesse geschieht es? Wem nützt das wirre Zeug ganz objektiv?

Man muss die Leser-Email genau lesen, um zu erkennen, dass sie bereits eine Antwort beinhaltet. „Warum produziert Telepolis mit hohem Aufwand Verschwörungstheorien zum Deep State?“ – wenn der Lastwagen doch gar nicht über den Breitscheidplatz gefahren sein soll, es also keinen Anschlag und keine Opfer gegeben haben soll. Eine höchst bemerkenswerte Kombination.

Spuren, die auch im Amri-Komplex, wie zuletzt im NSU-Komplex, auf staatliche Verstrickungen hindeuten („Deep State“), herausgefunden in den parlamentarischen Untersuchungsausschüssen, werden als „Verschwörungstheorien“ abgetan. Und zwar selber von Verschwörungstheoretikern mit eigener Verschwörungstheorie: Der Anschlag sei ein Fake gewesen, eine inszenierte Simulation. Eine solche Simulation, hätte es sie gegeben, hätte mit großem Aufwand staatlicherseits organisiert und hinterher politisch und medial abgesichert werden müssen – also von einer Art Deep State. Mit einem Deep-State-Szenario wird gegen eine Deep State-Entlarvung argumentiert.

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