Urteil in Indonesien: Kreuze sollen böse Geister beherbergen


Muslimische Männer tragen in Jakarta Banner mit der arabischen Aufschrift „Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet“. Bild: dpa

Öl ins Feuer: Der nationale Rat indonesischer Islamgelehrter hat einen muslimischen Prediger vom Vorwurf der Blasphemie entlastet. Das Urteil ist nur ein Mosaikstein einer erschreckenden Entwicklung.

Marco Stahlhut | Frankfurter Allgemeine Zeitung

In Indonesien kursiert derzeit ein Video des wohl populärsten islamischen Predigers des Landes, Ustadz Abdul Somad. In der Aufnahme wird er von einer Zuhörerin gefragt, warum ihr beim Anblick von christlichen Kreuzen immer ein Schauer über den Rücken laufe. Er antwortet, das liege daran, dass christliche Kreuze von bösen Geistern bewohnt seien. Mit anderen Worten: Kreuze seien des Teufels. Somad ist ein prominentes Mitglied von Nahdlatul Ulama, der „moderateren“ der beiden „moderaten“ muslimischen Massenorganisationen Indonesiens.

Er war fünf Jahre lang Mitglied ihrer Regionalführung in Riau. Sein Instagram-Account hatte bis zu dessen zeitweiliger Sperrung in diesem Jahr mehr Anhänger als der Social-Media-Auftritt irgendeines anderen religiösen Anführers im Land. Zur Verteidigung des nun aufgetauchten Videos wusste Somad vorzubringen, er habe in einer islamischen Einrichtung geredet, sein Publikum habe nur aus Muslimen bestanden. Da keine Christen anwesend gewesen seien, könne er auch keine Christen beleidigt haben. Im Übrigen habe er nur eine Frage beantwortet.

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