Die Machtverhältnisse in Deutschland sind klar: Der Westen hat die Deutungshoheit über den Osten


In Westdeutschland verdient man mehr als im Osten. Alle wichtigen Redaktionen liegen im Westen. Frühere DDR-Bürger bekleiden nur selten Führungspositionen. Deutschland ist vereint und doch gespalten.

Eric Gujer | Neue Zürcher Zeitung

Wieder jährt sich der Mauerfall, und wieder beugt sich der aufgeklärte Westen besorgt über die Brüder und Schwestern in Ostdeutschland. Sind sie undankbar, populistisch oder gar rechtsradikal? Die Mehrheitsgesellschaft in Düsseldorf und München nimmt entgeistert zur Kenntnis, dass da, wo nicht nur Konrad Adenauer die asiatische Steppe verortete, die AfD zur Volkspartei aufgestiegen ist. Sie macht bei drei Landtagswahlen den Regierungsparteien den Spitzenplatz streitig.

Dreissig Jahre Einheit haben nicht genügt, um die stereotype Betrachtung «des Ostens» abzulösen durch einen differenzierten Blick. So dürften die Grünen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen kräftig zulegen, obwohl die Ostländer bisher grüne Diaspora waren. Hier verändert sich etwas, was genauso relevant ist wie der Aufstieg der Populisten. Die Angst der Westdeutschen vor der AfD hat dazu geführt, dass 14 Millionen Individuen mit unterschiedlichen Biografien, politischen Ansichten und Salären wieder als ein Kollektiv verstanden werden: als Dunkeldeutschland, das rechten Rattenfängern hinterherläuft.

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