Tönnies: Rassistisch, aber kein Rassist?


Ein kurzer Blick nach rechts: Clemens Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender des FC Schalke 04 Bild: dpa

Die DFB-Ethikkommission hat entschieden: Clemens Tönnies habe sich rassistisch geäußert, ein Rassist sei er aber nicht. Ist das überhaupt möglich, philosophisch betrachtet?

Johanna Michaels | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Was haben Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und damit mächtigster Mann der Welt, und Clemens Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender des Fußballclubs Schalke 04 und damit immerhin mächtigster Mann in Gelsenkirchen, gemeinsam? Beide fielen in der letzten Zeit durch Äußerungen auf, die Empörung hervorriefen und gemeinhin als rassistisch bezeichnet wurden.

Trump forderte auf Twitter vier Mitgliederinnen des Kongresses, allesamt dunkler Hautfarbe und allesamt vollwertige Bürger der Vereinigten Staaten, dazu auf, in „ihre Länder“ zurückzukehren und dort Politik zu machen, statt ihn zu kritisieren. Tönnies schlug in einer Rede zum Tag des Handwerks vor, wegen des Klimawandels in Afrika Kraftwerke zu finanzieren, damit die Menschen dort aufhörten, „wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren“. Jetzt hat die DFB-Ethikkommission verkündet, sie verzichte auf ein Verfahren gegen Tönnies. Dieser habe überzeugend vermitteln können, dass er kein Rassist sei. Auch bei Trump scheut man sich in den Medien oft, ihn als solchen zu bezeichnen.

weiterlesen