Wenn man über Atheismus dilettiert


Bild: Global Atheist

Hier ein neuer Atheismus, dort ein undogmatisches Christentum. Ein unmögliches Paar? Muss nicht sein. Ein Plädoyer für Respekt als Grundlage einer offenen Debatte im Geiste der Aufklärung.

Helmut Reinalter | Tiroler Tageszeitung

Ein in der Tiroler Tageszeitung ausgetragener Streit über den Atheismus zwischen der Biochemikerin Renée Schroeder und dem Theologen Jozef Niewiadomski war unbefriedigend, weil beide zum Teil in polemischer Weise ihre jeweilige Position vertraten und diese zu wenig fundiert haben. Von gegenseitigem Respekt oder Verständnis konnte hier keine Rede sein. Im Kern vertreten nämlich christlicher Glaube und humanistischer Atheismus eine Ethik des menschlichen Zusammenlebens, die wir allerdings bei der fundamentalistischen Spielart des Atheismus und der Religionen nicht finden. Auch wenn der Atheismus die Überzeugung vertritt, dass ein Gott, wie er in allen monotheistischen Religionen angenommen wird, nicht existieren kann, ist der humanistische Atheismus nicht ohne praktische Ethik.

Atheisten engagieren sich für eine humane Gesellschaft, und ihre Überzeugung ist mit Wissenschaft durchaus vereinbar. Das hinter dem aufgeklärten Atheismus steckende Freidenkertum verdeutlicht die kritische Selbstreflexion, das Selbstdenken (Kant), das Tragen von Entscheidungen in Würde, die stark ausgeprägte Eigenverantwortlichkeit und Selbstkritik. Ihre Ethik verfolgt das Ziel, ein gutes, gelingendes Leben anzustreben.

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