Goldener-Aluhut-Gründerin: Verschwörungstheorien besonders in rechter Szene verbreitet

Der Aluhut gilt als Inbegriff für Verschwörungstheorien – er soll vor Gedankenkontrolle schützen.Foto: STANDARD/Riegler

Die Erde ist flach. Die Mondlandung war gefälscht. Politik und Medien werden von einer geheimen Gruppe gesteuert. Menschen werden mittels Chemikalien gefügig gemacht, die am Himmel verspritzt werden.

Interview Birgit Riegler | DERSTANDARD

Das Netz wimmelt von Verschwörungstheorien. Die deutsche Organisation Goldener Aluhut versucht ihnen „mit Humor und Aufklärung“ entgegenzutreten. Gründerin und Geschäftsführerin Giulia Silberberger erklärt im Interview mit dem STANDARD, wie diese Arbeit aussieht.

STANDARD: Was ist die bizarrste Verschwörungstheorie, die Ihnen bis jetzt untergekommen ist?

Silberberger: Ich weiß nicht, ob es die ultimativ bizarrste Verschwörungstheorie gibt bei dem ganzen Unsinn, der uns täglich begegnet. Aber es gibt durchaus Schwurbel, der schwerer zu ertragen ist als anderer. Beispielsweise dass der Mond ein Hologramm sei und man auf Hologrammen naturgemäß nicht landen könne. Hier vereinigen sich Flacherdler mit Mondlandungsleugnern. Oder dass die Nichtraucherkampagnen in Wahrheit darauf abzielen, die Menschen für Chemtrails empfänglicher zu machen, da der Schleim in der Raucherlunge vor ebenjenen Partikeln schützen würde, die gesprüht würden. Lungenkrebs bekäme man demnach nicht vom Tabakrauchen, sondern von Chemtrails. Ach, und Nano-RFID-Chips sollen ebenfalls gesprüht werden, die wir einatmen und über die wir dann überall geortet und bei Bedarf ausgeschaltet werden können. Das finde ich schon sehr bizarr.

STANDARD: Welche Verschwörungstheorie hält sich besonders hartnäckig?

Silberberger: Eigentlich halten sie sich alle hartnäckig, denn das Internet konserviert ja bekanntlich jede noch so abstruse Information. Die Gläubigen in den Hardliner-Gruppen glauben meist den Großteil der im Netz verbreiteten Verschwörungstheorien, ja, vereinen sie sogar in einem großen „Multischwurbel“. Was jedoch zunehmend auch außerhalb der einschlägigen Gruppen anzutreffen ist, sind Verschwörungstheorien, wie sie in der Impfgegnerszene verbreitet werden, zum Beispiel dass alle von den Pharmakonzernen angebotenen Medikamente darauf abzielen, Menschen krank statt gesund zu machen, und die gesamte Ärzteschaft Teil dieser gigantischen Verschwörung sei.

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Delfin-Jagd in Japan beginnt

Die Delfinjagd-Saison in Japan beginnt. Bild: tagesschau.de

Die Delfin-Jagd in Japan sorgt jedes Jahr für großen Protest von Tierschützern. Bei der umstrittenen Tradition wollen die Fischer in diesem Jahr eine Methode anwenden, die Skandalbilder vermeidet.

Kathrin Erdmann | tagesschau.de

In der Bucht von Taiji an der westlichen Pazifikküste werden ab heute wieder Delfine zusammengetrieben. Ihnen wird erst ein Stock mit einem Widerhaken und anschließend ein Korken in die Wunde gerammt. So soll sich das Wasser nicht mehr wie früher rot färben.

Nach Angaben von Umweltschützern verbluten die Tiere nach einem minutenlangen Kampf innerlich. Japan begründet das jährliche Zusammentreiben der Tiere mit einer langen Tradition. Tatsächlich gegessen wird das Fleisch nur noch von wenigen Japanern und Japanerinnen. Vielmehr dürfte ein Teil der Delfine noch lebend nach China und Südkorea gebracht und dort für viel Geld an Freizeitparks verkauft werden.

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Die „Deutschkatholiken“ und der Überfall auf Polen

Polnische Kriegsgefangene exekutiert durch Wehrmacht-Soldaten in Ciepielów am 09. September 1939. Bild: Polish Military Bureau/gemeinfrei

Ab September 1939 predigten die Staatsbischöfe Gehorsam gegenüber „Satans Kriegsbefehlen“ und ließen aus Dank für das Massenmorden die Kirchenglocken läuten

Peter Bürger | TELEPOLIS

Ungezählte einfache Frauen und Männer aus dem katholischen Milieu, darunter Ordensfrauen und Leutepriester mit niedrigem Rang, erkannten trotz der NS-Lügenpropaganda schon 1939, dass Hitler einen verbrecherischen Angriffskrieg ins Werk setzte. Nicht wenige von ihnen wurden in den nachfolgenden Jahren als „Wehrkraftzersetzer“ ins Zuchthaus gebracht, im KZ gefoltert, vom Volksgerichtshof abgeurteilt oder direkt ermordet. Der Kreis dieser Menschen war von einem guten und klaren Geist erleuchtet.

Die deutschen katholischen Bischöfe gehörten – mit Ausnahme des Berliner Oberhirten Konrad von Preysing – nicht dazu. Sie assistierten ab September 1939 dem Hitlerkrieg, zumeist bis hin zum bitteren Ende. – Hitlers Pakt mit dem „gottlosen Stalin“ wurde schweigend hingenommen, der deutsche Völkermord in Russland keine zwei Jahre später als heiliger Kreuzzug zur Rettung des Abendlandes gepriesen.

Der Theologe Heinrich Missalla (1926-2018) hat in mehreren Projekten die Kriegsbeihilfe der deutschen Apostelnachfolger erforscht. Vor einer Woche ist ein Brief, den er kurz vor seinem Tod an die heutigen Kirchenleiter im Land geschrieben hat, veröffentlicht worden: „Bischöfe, haben Sie endlich den Mut zur Wahrheit!“

Für den 80. Jahrestag erwartete Heinz Missalla, dass die Kriegsbeihilfe-Schuld deutscher Bischöfe in der NS-Zeit ohne die üblichen Beschönigungen zur Sprache kommt. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt.

In Polen begann der Rasse- und Vernichtungskrieg

Erzbischof Stanisław Gądecki, Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz, und Kardinal Reinhard Marx schreiben in einem gemeinsamenWort: „Am 80. Jahrestag des Kriegsbeginns erinnern wir uns an sechs Millionen Polen, darunter drei Millionen Juden, die Opfer des verbrecherischen Nazisystems wurden.“ Der deutsche Rasse- und Vernichtungskrieg begann nicht erst im Juni 1941 mit dem Russlandfeldzug, sondern am 1. September 1939 in Polen.

Die brutale Aneignung der Lebensgrundlagen anderer Menschen wurde den Rekruten der Wehrmacht nach Plan zuerst in Polen beigebracht. Die deutschen Angreifer beschränkten sich von Anfang nicht auf das beim Militär übliche Mordhandhandwerk, sondern vernichteten in kurzer Zeit das Leben von Zehntausenden Zivilisten, darunter gezielt die jüdischen Polen, Angehörige der „polnischen Intelligenz“ (gemäß vorbereiteter Listen) und auch kranke oder „behinderte“ Menschen.

Oft deklarierte man schon 1939 die zivilen Opfer zu „Partisanen“, um das systematische Morden zu verschleiern. Tausende wehrlose Soldaten ohne Waffen wurden abseits von eigentlichen Kampfschauplätzen abgemetzelt. Die Massenmörder kamen nicht nur aus den Kommandos von SS, SD, SiPo und „Zivilverwaltung“, sondern in großem Umfang aus der Wehrmacht.

Die Menschen in Polen erkannten nach alldem schon 1939 den Plan der deutschen Herrenmenschen: Ihr Volk sollte zum Großteil ausgelöscht, zum verbliebenen Teil aller Menschenrechte beraubt und versklavt werden. Nicht ein Vertreter der deutschen Christenheit, sondern ein einsam dastehender Wehrmachtskommandeur wie Johannes Blaskowitz versuchte, dem genozidalen Terror in Polen auf dem Dienstweg entgegenzutreten.

Hitler befand unter Zustimmung seiner Generäle, mit „Heilsarmee-Methoden“ könne man keinen Krieg führen. Damit war für deutsche Militaristen und Patrioten jeglicher Couleur alles hinreichend „erklärt“. Der NS-Staat trug – von Anfang an – Sorge für die Straffreiheit all seiner Massenmord-Handlanger.

Glockengeläut nach Massenmorden an Priestern

Ein eigenes geistiges, kulturelles oder religiöses Leben gehörte nicht zum NS-Plan für die Versklavung der Polen. Als im Oktober 1939 auch von den katholischen Kirchentürmen in Deutschland – gemäß Bistumsanweisungen – tagelang Siegesläuten erklang, hatte man schon hunderte polnische Geistliche förmlich abgeschlachtet.

Insgesamt sind ab Kriegsbeginn mehr als 2.100 röm.-kath. Kleriker (ein Fünftel aller Diözesanpriester, darunter vier Bischöfe) sowie darüber hinaus etwa 750 Ordensleute beiderlei Geschlechts aufgrund der Verfolgung umgekommen. (Im KZ Dachau z.B. fanden mehr als 90 deutschsprachige Priester den Tod, aber nahezu zehnmal so viele polnische Geistliche. Die Hälfte von fast 1.800 polnischen Geistlichen im Priesterblock kam um.) In Vernichtungslagern haben rund fünftausend polnische Weltgeistliche und Ordensmitglieder überlebt.

Im Herbst 1939 wurden allein in der Diözese Chelm (Kulm) 214 Priester ermordet, darunter das gesamte „greifbare“ Domkapitel. Der Oblatenpater Friedrich Lorenz wurde als Divisionspfarrer der Wehrmacht Zeuge der Mordaktionen und hat nach Ausweis des deutschen Martyrologiums „viele von diesen polnischen Amtsbrüdern auf den Tod vorbereiten müssen“.

Eigens reiste er nach Berlin, um leider ausgerechnet zwei ausgewiesenen Faschisten, dem päpstlichen Nuntius Cesare Orsenigo und dem röm.-kath. Feldbischof Franz Justus Rarkowski, Bericht über die Verhältnisse in Polen zu erstatten. Die deutsche und vatikanische Kirchenobrigkeit war also informiert, aber offenbar nicht nachhaltig erschüttert. (Pater Friedrich Lorenz selbst mochte sich hingegen mit dem Hitlerregime nicht mehr arrangieren und kam am 13.11.1944 schließlich wegen „Wehrkraftzersetzung und Feindesbegünstigung“ unter das Fallbeil.)

Pius XII. und die polnischen Katholiken

Gemeinhin wird leichtfertig vermerkt, der am 2. März 1939 zum Papst gewählte Eugenio Pacelli (Pius XII.) habe den deutschen Überfall auf Polen scharf verurteilt. Doch am 25.9.1939 schreibt dieser Papst den deutschen Bischöfen einen Brief und teilt ihnen seine Kriterien für die Auswahl der römisch-katholischen Militärgeistlichen in der Wehrmacht mit.

In Frage kommen „hervorragende Priester“, von „übernatürlichem Geist erfüllt“, die dafür sorgen, dass die „Soldaten im Stand der heiligmachenden Gnade leben und, wenn es so kommt, sterben“, und gleichzeitig selbst in ihrer aufopferungsvollen „Hingabe für das Vaterland“ allen vorangehen. Die weltkirchliche Order des Eugenio Pacelli lautete also nach dem Überfall auf Polen, man müsse sich dem deutschen Vaterland hingegeben, selbst wenn es vom Teufel geführt wird.

Wie sehr viele Polen an diesem unseligen Papst verzweifelten, erahnt man nach Lektüre des IV. Kapitels von Pierre Blets – recht apologetischem – Werk „Papst Pius XII. und der Zweite Weltkrieg“. Der Botschafter Frankreichs bittet am 11. September 1939 um eine Verurteilung des deutschen Überfalls. Pius XII. weicht aus und hält am 30.9.1939 vor der polnischen „Kolonie“ in Rom eine letztlich nichtssagende Lobrede auf das kirchentreue und heroische Polen. Sehr viel mehr erfährt man auch nicht in der Antrittsenzyklika, in welcher immerhin das „Blut ungezählter Menschen, auch von Nichtkämpfern“ zur Sprache kommt.

Das oberste Dogma dieses Papstes ist „Diplomatie“ (also Verklausulierung). Deshalb wird er die Leiden der Opfer des deutschen Terrors nie so benennen, dass die Mordverbrechen und die Täter einen – für jeden verständlichen – Namen bekommen. Schon in der Zeit eines guten vatikanischen Informationsstandes hinsichtlich der Lage in Polen weiß Pius XII. selbst, dass er eigentlich feurige Worte aussenden müsste. Sogleich aber fügt er seine Lieblingserklärung für päpstliches Schweigen hinzu: Klartext würde nur den Opfern schaden.

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Vielleicht spricht Gott durch einen toten Hund. Und womöglich fehlt Gott am meisten dort, wo man meint, man besitze ihn

Gerade dort, wo der fromme Besitzanspruch auf den rechten Glauben und den wahren Gott am lautesten wird, «fehlt Gott» am meisten: «Das heilige Antlitz» von Francisco de Zurbarán, etwa 1631. (Bild: Nationalmuseum Stockholm)

«Was fehlt, wenn Gott fehlt?», fragt die reformierte Kirche des Kantons Zürich aus Anlass des Reformationsjubiläums. Nur, fehlt Gott wirklich? Die Moderne zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass Gott nicht fehlt. Was fehlt, ist sein Fehlen.

Georg Pfleiderer | Neue Zürcher Zeitung

Mit der Metaphorik des «Fehlens» ist auf die moderne, säkulare, wissenschaftsvermittelte Welt- und Wirklichkeitserfahrung angespielt, und zwar in doppelter, geradezu paradoxer Weise. Denn die Moderne ist zunächst und grundsätzlich dadurch charakterisiert, dass in ihr Gott gerade nicht «fehlt». Es gibt keine Stelle in der modernen wissenschaftlichen Wirklichkeitsdeutung, die mit «Gott» zu besetzen wäre. «Gott» ist keine sinnvolle Erklärung für einen einzelnen Vorgang oder Zustand in der Wirklichkeit der Welt oder für diese Welt als ganze. In der wissenschaftlichen Welterklärung würde die Gott-Hypothese immer viel mehr Fragen aufwerfen, als sie zu beantworten vermöchte.

Das liegt unter anderem am Voraussetzungsreichtum dieser Hypothese. Zwar könnte es, wie be­sonders im angelsächsischen Raum einige Religionsphilosophen beanspruchen, gelingen, diesen Voraussetzungsreichtum ausreichend klärend zu reduzieren. Aber ein allgemeiner Plausibilitätserfolg dürfte entsprechenden philosophischen Unternehmungen niemals beschieden sein. Gott bleibt in der Welt des Wissens immer wenigstens hoch­gradig strittig. Auf hochgradig strittige Begriffe muss aber in der wissenschaftlichen Welterklärung wie auch in der gesellschaftlichen Alltagskommunikation einer modernen säkularen Gesellschaft möglichst verzichtet werden.

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Das Pentagon und Plastik, das auf Knopfdruck zerfällt

Zerfallendes Plastik. Screenshot von ACS-Video.

US-Wissenschaftler wollen im Auftrag der Darpa ein Polymer für Transportvehikel oder Geräte entwickelt haben, das ohne Spuren zu hinterlassen blitzschnell verschwindet

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Militärtechnik war immer daran interessiert, Menschen und Material zu tarnen oder unsichtar zu machen. Viel Geld fließt in Tarnkappen-Techniken, um Schiffe, Panzer oder Flugzeuge für Radarsysteme durch die Form und die Verwendung von radarabsorbierende Materialien schwerer erkennbar zu machen. Wissenschaftler vom Georgia Institute of Technology haben nun im Auftrag des Pentagon erstmals eine Plastikverbindung entwickelt, die sich auf Befehl aus der Ferne selbst zerstört und sich praktisch unsichtbar auflöst, wie dieses Video demonstrieren soll.

Die Darpa, die Forschungsbehörde des Pentagon, wollte ein Material, um Sensoren, Drohnen oder andere Vehikel zu besitzen, die nach ihrem Einsatz verschwinden und keine Spuren hinterlassen. Damit könnte man heimlich etwas in feindliches Gebiet einschleusen, das nicht entdeckt werden kann und das man nicht bergen muss.

Das Icarus-Projekt

Um die Forschung in Gang zu bringen, hatte die Darpa das Programm Inbound, Controlled, Air-Releasable, Unrecoverable Systems (ICARUS) gestartet. Vorbild dafür war Ikarus, der mit Federn und Wachs ausgerüstet zum Fliegen abhob, aber bekanntlich der Sonne zu nahe kam, so dass das Wachs schmolz und er abstürzte. Das wollte man nachahmen, aber mit positiveren Ergebnissen. Die Ausschreibung des ICARUS-Programms suchte nach autonomen Luftfahrzeugen, die eine Last von 1,5 kg mit einer Genauigkeit von 10 Metern liefern kann. Innerhalb weniger Stunden sollte das Flugzeug, das nicht größer als 3 Meter sein sollte, physikalisch verschwinden.

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Hitzewellen in den Ozeanen

Bild: 4ever.eu

Nicht nur wir Menschen leiden unter der sommerlichen Hitze: Es gibt auch Hitzewellen in den Ozeanen – über die man allerdings noch nicht allzu viel weiß.

Martin Kugler | Die Presse

Der heurige Sommer ist um 2,7 Grad zu warm: Laut Hoher Warte (ZAMG) erleben wir – gerade noch – den zweitheißesten Sommer der Messgeschichte, nur wenig unter dem Rekordjahr 2003 mit 2,9 Grad über dem langjährigen Mittel. Damit ging einher, dass die Zahl der Hitzetage (mit mindestens 30 Grad) um das Zwei- bis Dreifache über einem durchschnittlichen Sommer lag. Alle Klimamodelle stimmen überein, dass uns solche Hitzewellen in Zukunft noch viel stärker peinigen werden.

Es mag überraschen, dass dieselbe Aussage nicht nur für Mitteleuropa und andere bewohnte Teile der Welt gilt, sondern auch für die Meere: Denn auch in den Ozeanen kommt es immer öfter zu Hitzewellen. Dabei ist die Wassertemperatur an der Oberfläche regional für eine Woche bis mehrere Monate erhöht – typischerweise um vier bis sieben Grad. Für die Meeresflora und -fauna hat das ernste Konsequenzen: Korallen beispielsweise beginnen schon bei einem Temperaturanstieg um ein Grad zu erbleichen.

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„Von den Kanzeln war keine Kritik am Krieg zu vernehmen“

Bild: © KNA

Heute vor 80 Jahren begann der Zweite Weltkrieg. Wie haben sich Bischöfe und Priester damals verhalten? Wie die deutschen Katholiken? Was machten Priester an der Front? Warum gab es einen „Feldbischof?“ Und was tat Pius XII.? Ein Expertengespräch.

Sabine Just, Joachim Heinz | katholisch.de

Vor 80 Jahren, am 1. September 1939, begann mit dem deutschen Angriff auf Polen der Zweite Weltkrieg. Wie hat die katholische Kirche sich damals verhalten? Was machten Priester an der Front? Fragen der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) an die beiden Historiker Frank Kleinehagenbrock und Christoph Kösters. Kleinehagenbrock ist Geschäftsführer, Kösters wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsstelle der Kommission für Zeitgeschichte in Bonn. Seit ihrer Gründung 1962 erforscht die Kommission die politische und soziale Geschichte des deutschen Katholizismus im 20. und 21. Jahrhundert.

Frage: Herr Kleinehagenbrock, Herr Kösters, wie sah die konfessionelle Landkarte Deutschlands zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs aus?

Kleinehagenbrock: Etwa 95 Prozent der Menschen im sogenannten Großdeutschen Reich, also unter Einschluss Österreichs, waren christlich getauft. Davon waren 40 Prozent katholisch.

Frage: Und die restlichen fünf Prozent?

Kleinehagenbrock: Bezeichneten sich größtenteils als „gottgläubig“, waren aus der Kirche ausgetreten und hatten stattdessen ein Bekenntnis zur nationalsozialistischen Ideologie abgelegt. 1936 war diese Bezeichnung zusätzlich zu den übrigen religiösen Bekenntnissen eingeführt worden.

Frage: Wie würden Sie die Stimmung unter den deutschen Katholiken beschreiben, als Hitler am 1. September 1939 vor dem Reichstag den Angriff auf Polen verkündete?

Kleinehagenbrock: Als gedämpft. Auf keinen Fall war sie so euphorisch wie 1914 beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

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Kulalgo-Killings am Abend des 11. August

Versammlung in Kolalgo, um gegen die Razzia in der Nacht vom 11. auf den 12. August zu protestieren, bei der 11 Zivilisten getötet wurden. Bild: AAN

Durch die Recherche von Korrespondenten wurde ein Massaker CIA-geführter Milizen in Afghanistan bekannt

Peter Nowak | TELEPOLIS

„Der Westen und seine afghanischen Verbündeten töten mehr Zivilisten, als dies Taliban und IS machen.“ Zu diesem Fazit kam Emran Feroz auf Grundlage eines UNAMA-Berichts im Mai 2019. Schon vorher gab es immer wieder Beispiele dafür.

Jetzt hat sich die Zahl der Opfer dieser Schattenarmeen erneut erhöht. In den Abendstunden des 11. August töteten CIA-geführte Milizen 11 junge Männer. Wie der Afghanistan-Korrespondent Thomas Ruttig vom Afghanistan Analysts Network in einer Reportage in der aktuellen Ausgabe des Neuen Deutschland berichtet, spielte sich das Massaker in dem kleinen Ort Kulalgo ab, weit weg von den Plätzen, an denen sich internationale Medien aufhalten. Deswegen dauerte es auch mehr als 2 Wochen, bis die Geschehnisse, die Ruttig prägnant Kulalgo-Killings bezeichnet, bekannt wurden. Umso wichtiger ist die Arbeit der wenigen Journalisten wie Ruttig, die über Afghanistan berichten und sich nicht als bei Nato und Bundeswehr eingebetteten Pressevertreter verstehen.

Den Nato-Opfern Name und Gesicht gegeben

Er liefert das Beispiel einer Recherche, die den Opfern Namen und Gesicht gibt. 6 der Getöteten sind auf der Titelseite des Neuen Deutschland abgebildet. Wahrscheinlich finden sich von den anderen keine Fotos. Das war auch schon bei dem Kunduz-Massaker der Fall, das sich am 4. September zum zehnten Mal jährt. Einer der Verantwortlichen, Oberst Klein, wurde nicht bestraft, sondern befördert. Für die Kuratoren der Ausstellung „Kunduz, 4. September 2009“, der Stern-Korrespondent Christoph Reuter und der Fotograf Marcel Mettelsiefen, die den Opfern des Luftangriffs auf einen Tanker ein Gesicht geben wollten, war es nicht möglich, sämtliche Namen der Toten zu recherchieren.

Ruttig hat nun den Ablauf der Kulalgo-Killings genau beschrieben.

Der Angriff des Kommandos begann um etwa 22.30 Uhr, erinnern sich Augenzeugen, darunter Angehörige der Getöteten. Er dauerte bis 3 Uhr nachts. Dann waren elf Menschen tot. Mindestens zwei Hubschrauber setzten uniformierte Bewaffnete an drei Punkten in Kulalgo ab. Möglicherweise, so die Augenzeugen, waren noch andere Flugzeuge in der Luft. Das Dorf ist groß, besteht aus mehreren Weilern mit sogenannten Qalas, von Mauern umgebenen Lehmburgen. Dort gibt es oft mehrere Gebäude, in denen die verheirateten männlichen Mitglieder einer Großfamilie mit ihren nächsten Angehörigen leben.

Thomas Ruttig

Im Folgenden fasst er dann zusammen, was er und seine Kollegen durch Aussagen von Augenzeugen recherchiert haben:

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Quantum Gravity Could Reverse Cause and Effect

Image: Timothy Yeo/Centre for Quantum Technologies/National University of Singapore

Any theory of quantum gravity is going to have to grapple with some weird time stuff.

Stephanie Pappas | SPACE.com

You’ve probably heard of Schrödinger’s cat, the unfortunate feline in a box that is simultaneously alive and dead until the box is opened to reveal its actual state. Well, now wrap your mind around Schrödinger’s time, a situation in which one event can simultaneously be the cause and effect of another event. 

Such a scenario may be inevitable in any theory of quantum gravity, a still-murky area of physics that seeks to combine Albert Einstein’s theory of general relativity with the workings of quantum mechanics. In a new paper, scientists create a mashup of the two by imagining starships near an enormous planet whose mass slows time. They conclude that the starships could find themselves in a state where causation is reversed: One event could end up causing another event that happened before it. 

„One can devise this kind of scenario where temporal order or cause and effect are in superposition of being reversed or not reversed,“ said study co-author Igor Pikovski, a physicist at the Center for Quantum Science and Engineering at Stevens Institute of Technology in New Jersey. „This is something we expect should take place once we have a full theory of quantum gravity.“

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Die digitale Offensive der CSU minderbemittelt, provinziell

CSU-Logo Wildbad Kreuth

Nachdem die Union vor Kurzem von einem YouTuber verbal verdroschen worden ist, präsentiert die CSU nun ihren eigenen Internetstar. Armin Petschner ist leider ein bisschen zu junggeblieben, dafür wenig originell. Was soll diese missglückte Rezo-Kopie?

Johannes Boie | WELT

Vor ein paar Wochen wirbelte ein YouTuber – das ist ein Mensch, der davon lebt, Videos auf der gleichnamigen Plattform zu veröffentlichen – die CDU durcheinander. Ein Video von Rezo, in dem er die CDU angriff, wurde von vielen jungen Menschen gesehen. Die Konservativen fürchteten, weitere Wähler vor allem in jüngeren Zielgruppen zu verlieren.

Jetzt präsentiert die CSU ihren eigenen Rezo: Der 30-jährige Social-Media-Chef der CSU-Landesgruppe, Armin Petschner, soll künftig mit Videos der jungen Wählerschaft nahebringen, warum die CSU auch dann wählbar sein soll, wenn man mehr zur Laptop- als zur Lederhosen-Fraktion gehört. Das neue Format ist Teil der „digitalen Offensive“, die Parteichef Söder im Juni in WELT AM SONNTAG ankündigte. Söders Idee ist sinnvoll. Aber die Resonanz auf das erste Video ist im Netz eher bescheiden. Und das ist nachvollziehbar.

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Die Wut zehntausender Briten entlädt sich auf der Straße

Boris Johnson bekommt Gegenwind von der Straße.Foto: Oli SCARFF / AFP

Für Premier Boris Johnson wird es ungemütlich. Zehntausende demonstrieren gegen die Suspendierung des Parlaments. Viele sehen die Demokratie in Gefahr.

Christiane Oelrich | DER TAGESSPIEGEL

Mit Schlachtrufen wie „Boris, raus“ und „Schäm‘ Dich, Boris“ haben Zehntausende Demonstranten in Großbritannien ihrem Ärger über Premierminister Boris Johnson Luft gemacht. Sie sind empört, dass Johnsons das Parlament zwei Monate vor dem geplanten Brexit, dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, für gut vier Wochen suspendieren will.

Das beschränkt den Handlungsspielraum der Opposition und von Rebellen in der Regierungspartei, die einen EU-Austritt am 31. Oktober ohne Vertrag per Gesetz verhindern wollen.

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Norwegische Einkaufstouristen können sich auch gleich impfen lassen

Ab nächster Woche können sich Einkaufstouristen auf ihrem Trip nach Schweden auch impfen lassen. (Bild: Ints Kalnins / Reuters)

Billiger Tabak und Alkohol, Süsswaren und Fleisch locken täglich Tausende Norwegerinnen und Norweger ins grenznahe Schweden. Bald haben sie noch einen Grund für einen Ausflug ins Nachbarland: rasche und unbürokratische Impfungen, wie sie in der Heimat nicht möglich sind.

Ingrid Meissl Årebo | Neue Zürcher Zeitung

Norwegens viertgrösster Detailhändler heisst – Schweden. Im Nachbarland locken vor allem Snus (Mundtabak), Schnaps, Bier, Tabak, Süssigkeiten, Süssgetränke, Fleisch und Schokolade, und zwar zu Preisen, die um 30 bis 40% tiefer sind als zu Hause. Gemäss jüngsten Zahlen des norwegischen Statistikamts erreichte der Grenzhandel erneut Rekordwerte: Zwischen Juli 2018 und Juni 2019 reiste jeder Norweger und jede Norwegerin, vom Baby zur Greisin, anderthalb Mal über die Grenze, um günstig zu shoppen. Dies ergibt 9,2 Mio. Tagesreisen – ein für den heimischen Handel ärgerlicher Anstieg um 14%. Dabei ist es kein Trost, dass die Einkaufstouristen mit 1796 nKr. (rund 195 Fr.) etwas weniger ausgaben als im Jahr zuvor: Dank den häufigeren Reisen stieg das Gesamtvolumen dennoch um ein Zehntel.

Wie immer, wenn druckfrische Statistik den Einkaufstourismus in Zahlen fasst, ertönen die Klagen des Handels über verlorene Umsätze und Arbeitsplätze besonders laut, während Politiker über die verpassten gesundheitspolitischen Ziele lamentieren.

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Tausende Besucher bei rechtsextremen Musiktreffs

Rechtsextremistische Musikveranstaltungen haben Informationen der Linksfraktion im Bundestag im ersten Halbjahr 2019 bundesweit mehr als 10.000 Menschen angezogen. Das geht aus einer Statistik hervor, die die Linksfraktion nach eigener Darstellung vom Samstag auf Grundlage von Angaben aus dem Bundesinnenministerium führt. Über die Zahlen berichtete zuerst die „Neue Osnabrücker Zeitung“.

evangelisch.de

Der Linken-Statistik zufolge fanden von Januar bis Ende Juni 173 Konzerte, Liederabende oder ähnliche Veranstaltungen statt, bei denen Musiker aus dem rechtsextremen Spektrum auftraten. Die Sicherheitsbehörden zählten insgesamt 10.749 Besucher. Im ersten Halbjahr 2018 hatten die Behörden den Angaben zufolge 153 solcher Musikveranstaltungen mit 14.228 Besuchern registriert, im Gesamtjahr lag die Zahl der Besucher bei fast 30.000.

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Idlib: Die Wut der Dschihad-Milizen auf die Türkei

Prostierende auf dem Weg zum Grenzübergang al-Bab. Screenshot Video/Twitter

Erdogan wird „Verrat“ vorgeworfen, am syrisch-türkischen Grenzübergang al-Bab kam es zu Protesten

Thomas Pany | TELEPOLIS

Seit heute Morgen, 6 Uhr Ortszeit, soll im syrischen Idlib ein Waffenstillstand gelten. Das „russische Zentrum für die Versöhnung der Kriegsparteien in Syrien“ hatte ihn gestern einseitig verkündet, mit dem Appell an Milizenführer, „dass sie ihre Provokationen unterlassen und sich dem Prozess einer friedlichen Regelung in den Zonen, die sie kontrollieren, anschließen“. Die syrische Nachrichtenagentur Sana bestätigte am Samstagmorgen, dass sich die syrische Armee der Vereinbarung anschließen würde, abhängig von den Aktionen der gegnerischen Seite.

Die Erklärung aus Damaskus erfolgt nach der nächsten Etappe strategisch wichtiger Eroberungen im südlichen Idlib. Nach der Einnahme von Khan Scheichun setzte die syrische Armee ihren Vormarsch fort und brachte das Gebiet um den Ort Al-Tamanah, wichtige Anhöhen, Dörfer sowie den Ort selbst unter ihre Kontrolle. Damit rückt die syrische Armee nach Ansicht von Beobachtern „unaufhaltsam in Richtung Idlib vor“.

Begleitet wurden die Vorstöße der syrischen Armee bei Al-Tamanah von massiven russischen Luftangriffen auf Ziele in Maarat Al-Numan und Umgebung, wie Medien melden, die der Regierung in Damaskus nahestehen.

Maraat al-Numan könnte das nächste Ziel sein, spekulieren Beobachter. Die Stadt ist ein Verkehrsknotenpunkt, sie liegt an der Magistrale M5 und hat eine Verbindung zur anderen bedeutenden Fernstraße M4. Die Kontrolle über die beiden Schnellstraßen ist für Damaskus essentiell.

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«Nirgendwo ist Morden so einfach wie in der Pflege» – Patientenschützer fordern Konsequenzen

Der Fall weckt Erinnerungen an die Morde des zu lebenslanger Haft verurteilten Krankenpflegers Högel: Ein 27-Jähriger soll im Saarland Patienten in Lebensgefahr gebracht haben – um dann zu versuchen, sie zu reanimieren.

Neue Zürcher Zeitung

Angesichts der Ermittlungen gegen einen Krankenpfleger wegen fünffachen Mordes und zweifachen Mordversuchs im Saarland fordern Patientenschützer weitreichende Konsequenzen. «Für alle Einrichtungen braucht es eine unabhängige und externe Anlaufstelle, bei der anonyme Hinweisgeber verdächtige Vorkommnisse melden können», sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, in der Nacht zum Samstag.

Auch eine «lückenlose, standardisierte und elektronische Kontrolle der Medikamentenausgabe» sei notwendig sowie verbindliche amtsärztliche Leichenschauen. «Es wird Zeit, dass in allen Ländern endlich Schwerpunktstaatsanwaltschaften und zentrale Ermittlungsgruppen für Delikte in Pflege und Medizin eingerichtet werden», betonte Brysch. «Nicht die Pflege macht Menschen zu Mördern. Doch nirgendwo ist Morden so einfach wie in der Pflege.»

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AfD: Kirchen, die Moscheebau billigen, verdienen keine Unterstützung

In Sachsen-Anhalt wird derzeit über eine Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen diskutiert. Doch der AfD genügt das nicht. Sie fordert eine „ersatzlose Streichung“ der jährlichen Zahlungen.

katholisch.de

Die AfD in Sachsen-Anhalt verlangt statt einer Debatte um eine Ablösung eine „ersatzlose Streichung“ der Staatsleistungen an die Kirchen. „Kirchen, die dafür kämpfen, dass Moscheen gebaut werden, verdienen keine Unterstützung mehr“, sagte der AfD-Abgeordnete Hans-Thomas Tillschneider am Freitag. Der Landtag von Sachsen-Anhalt beschäftigte sich am Freitag mit einem Antrag der Linksfraktion zur Ablösung der jährlichen Zahlungen des Landes durch eine Einmalzahlung an die Kirchen. Die Mehrheit aus den Regierungsfraktionen von CDU, SPD und Bündnisgrünen und der Linksfraktion verwiesen den Antrag im Landesparlament an den Bildungsausschuss. Die Fraktion der AfD enthielt sich der Stimme.

Der religionspolitische Sprecher der Linksfraktion, Wulf Gallert, betonte, es handele sich bei seiner Initiative zu den Staatsleistungen nicht um einen „Anti-Kirchenantrag, sondern um einen Antrag zur Umsetzung des Grundgesetzes“.

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