Aufstieg der AfD: Das Ende einer Ära


Das sich abzeichnende Ende der großen Koalition und der Aufstieg der nationalistischen und EU-feindlichen AfD sind eine beunruhigende Vorstellung

Paul Lendvai | DERSTANDARD

Nach den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg schreiben deutsche Publizisten zu Recht von einem Umbruch, vom Ende einer Ära der innenpolitischen Stabilität und von einer letzten Warnung an die Adresse der beiden Volksparteien, CDU/ CSU und SPD. Die AfD, in der ein Rechts-außen-„Flügel“, Fremdenfeinde, Antieuropäer und Rassisten immer stärker den Ton angeben, hat im Vergleich zur Wahl 2014 ihren Stimmenanteil in Sachsen auf 27,5 Prozent verdreifacht und in Brandenburg auf 23,5 Prozent verdoppelt. Gegen die Herausforderung von extrem rechts sind in beiden Bundesländern in Zukunft nur Viel-Partner-Koalitionen möglich. Trotz der besonderen Problematik in Ostdeutschland – dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung fühlen sich mehr als ein Drittel der Ostdeutschen als Bürger zweiter Klasse! – wirkt ganz Deutschland zunehmend wie ein politisch gelähmtes, wirtschaftlich und kulturell geteiltes Land.

Ist es symbolträchtig, dass ausgerechnet am Jahrestag des von Hitlerdeutschland entfesselten Zweiten Weltkriegs eine Partei in zwei deutschen Bundesländern zur zweitstärksten politischen Kraft wird, deren Spitzenfunktionäre an einem Neonazimarsch in Athen teilgenommen haben oder das NS-Terrorregime für einen „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte halten?

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