Waldorfschulen sind in ihrem Kern autoritär


Rudolf Steiner wird von seinen Anhängern verehrt, der Religionshistoriker Helmut Zander sieht ihn vor allem kritisch: „Seine Autorität gründete in dem Anspruch, universales Wissen aus einer übersinnlichen Welt auf die Erde herabzuholen.“ (Buchcover: Schöningh Verlag / Hintergrundbild: dpa/akg)

Vor einhundert Jahren gründete Rudolf Steiner die Waldorf-Schule. Unterrichtet wird bis heute nach den Grundlagen der Anthroposophie. Aber was bedeutet Anthroposophie überhaupt? Der Religionshistoriker Helmut Zander hat dazu ein neues Buch vorgelegt.

Von Monika Dittrich | Deutschlandfunk

Die anthroposophischen Praxisfelder sind vielfältig und heute zum Teil erfolgreicher denn je: Dazu gehören Karotten von bio-dynamischen Demeter-Höfen ebenso wie Salben der Firma Weleda. Außerdem natürlich Waldorf-Schulen, an denen es seit ihrer Gründung vor einhundert Jahren keine Zensuren gibt und Kinder im Fach Eurythmie lernen, ihren Namen zu tanzen. Es gibt anthroposophische Drogeriemärkte und Seifen-Hersteller, anthroposophisch arbeitende Ärzte und Krankenhäuser und sogar Banken, die nach anthroposophischen Kriterien wirtschaften.

Hinter all dem steht eine Weltanschauung, erklärt der Religionswissenschaftler Helmut Zander: „Die geht bei Anthroposophen zurück auf Rudolf Steiner, und seine zentrale Idee war, dass das Geistige und das Materielle eigentlich zwei Seiten einer Medaille sind.“

Rudolf Steiner habe eine geistige Weltsicht konzipiert, erklärt Zander, „und geistig heißt bei ihm, Einsicht in übersinnliche, höhere, geistige Welten. Das ist das Zentrum der Anthroposophie.“

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1 Comment

  1. Aus dem Beitrag des Deutschlandfunk, Zitat:

    „Dazu schreibt Zander: »Am Ende geht es um viel mehr, um die Logik seines Weltanschauungshauses. Tief in dessen Inneren sitzt eine Evolutionstheorie, die Steiner aus dem 19. Jahrhundert geerbt hat und in der die ganze Kultur evolutionstheoretisch gedeutet wird. […] Steiners Rassentheorie zu kritisieren bedeutet im Kern, seine Logik der Evolutionslehre infrage zu stellen.«“

    Rudolf Steiners „Evolutionslehre“ wird im Geschichtsunterricht der Waldorfschule vermittelt, darüber schreibe ich in folgendem Artikel, in dem ich auch Prof. Helmut Zander zitiere:

    „100 Jahre Waldorfschule:

    Rudolf Steiners ‘survival of the whitest’

    „Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse“ ist ein Ausspruch Rudolf Steiners, der die vom Begründer der Waldorfschulen behauptete Überlegenheit der „Weißen“ zusammenfaßt. Der Erziehungswissenschaftler Prof. Heiner Ullrich behauptet dagegen in der Wochenzeitung „Die Zeit“: „Rassentheorien spielen meiner Einschätzung nach aber in der heutigen Waldorf-Pädagogik keine Rolle.“ Passt das zusammen?

    (…)

    Auch der Geschichtsunterricht der Waldorfschule ist Anthroposophie. Hier stellt sich die Frage, ob der Erziehungswissenschaftler Heiner Ullrich wirklich nicht weiß, was in der Waldorfschule als „Geschichte“ unterrichtet wird, wenn er behauptet: „Rassentheorien spielen meiner Einschätzung nach aber in der heutigen Waldorf-Pädagogik keine Rolle.“

    Die in der Waldorfschule unterrichtete anthroposophische „Kulturepochenlehre“ beschreibt eine fiktive Völkerwanderung auserwählter Menschen von „Atlantis“ nach (die „Kulturepochen“ in chronologischer Reihenfolge): 1. Urindische Kultur, 2. Urpersische Kultur, 3. Ägyptisch-Chaldäische Kultur, 4. Griechisch-Lateinische Kultur, 5. Germanisch-Angelsächsische Kulturepoche (1413–3573 n. Chr., unsere gegenwärtige Epoche).

    Diese fiktive Völkerwanderung nach Rudolf Steiner steht im Widerspruch zum heutigen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis und ist – eine rein weiße Menschheitsgeschichte. Herr Ullrich, wie würden Sie das nennen? „Eurozentrismus“? Oder vielleicht doch deutlicher „Rassismus“? Falls Sie noch im Zweifel sind, lesen Sie doch einmal die Details nach, schauen Sie sich an, was so alles in den „Geschichtsepochenheften“ der Waldorfschüler*innen zu finden ist, siehe: „Geschichte in der Waldorfschule: ‚Atlantis‘ und die ‚Rassen’“.

    Steiners „Menschheitsentwicklung“, die sich im Geschichtsunterricht der Waldorfschule spiegelt, lässt sich als eine esoterische Variante des Sozialdarwinismus – „survival of the fittest“ – lesen, als: „survival of the whitest“. Dazu Prof. Helmut Zander, Autor des Standardwerkes „Anthroposophie in Deutschland – Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884–1945“, Zitat Seite 636:

    „Steiner formulierte mit seinem theosophischen Sozialdarwinismus eine Ethnologie, in der die Rede von ‚degenerierten’‘, ‚zurückgebliebenen‘ oder ‚zukünftigen‘ Rassen keine ‚Unfälle‘, sondern das Ergebnis einer konsequent durchgedachten Evolutionslehre waren. Ich sehe im Gegensatz zu vielen Anthroposophen keine Möglichkeit, diese Konsequenz zu bestreiten.“

    (…)“

    zum vollständigen Artikel: https://hpd.de/artikel/100-jahre-waldorfschule-rudolf-steiners-survival-of-the-whitest-16893

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