Tanklaster-Bombardement: Die Schicksalsnacht von Kundus


Zerstörter Tanklaster nach dem Luftangriff von Kundus. Bild: tagesschau.de

Der 4. September 2009 hat die Bundeswehr und deren Einsatz in Afghanistan verändert. Ein deutscher Oberst ließ nahe Kundus zwei Bomben auf von Taliban entführte Tanklaster abwerfen. Viele Zivilisten starben.

Christoph Heinzle, Kai Küstner | tagesschau.de

In der Nacht vom 3. auf den 4. September 2009, einer Vollmondnacht, steht der deutsche Oberst Georg Klein vor der schwierigsten Entscheidung seines Lebens: Tut er nichts, so fürchtet der Kommandeur des Bundeswehr- Lagers in Kundus, könnten die Taliban zwei von ihnen entführte Tanklaster als rollende Bomben gegen sein Camp einsetzen. Zerstört er die Fahrzeuge, könnten im Flammenmeer afghanische Zivilisten sterben.

„Ich meine, ich weiß nicht, ob wir da was abwerfen können, was meinst Du?“, sagte einer der beiden US-Jet-Piloten, die Oberst Klein als Verstärkung angefordert hatte. „Es gibt keine unmittelbare Bedrohung. Nein“, sagte der andere.

Piloten plagten Zweifel

Die beiden Piloten plagten Zweifel. Das belegt der Originalfunkverkehr, der in einem ARD-Doku-Drama nachgestellt ist. Unten am Boden hatten sich die Räder der Lastzüge in den Morast des Kundus-Flusses gefressen. Sie steckten manövrierunfähig in der Sandbank fest. Die Taliban riefen die Bewohner umliegender Dörfer herbei, die sich Benzin abzapften. Es wimmelte von Menschen. Die Zeit drängte. Der Oberst musste entscheiden. Doch es schien einen Ausweg zu geben.

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