«Ehre für einen radikalen Antisemiten»? Der Berliner Bürgermeister Michael Müller empfängt seinen Teheraner Amtskollegen


Der Teheraner Bürgermeister Pirouz Hanachi (rechts) und Machmud Farazandeh, der iranische Botschafter in Deutschland, am Freitag im Berliner Rathaus. (Bild: Hayoung Jeon / EPA

Michael Müller, der Regierende Bürgermeister von Berlin, hat am Freitag Pirouz Hanachi getroffen, den Bürgermeister der iranischen Hauptstadt. Das empörte nicht nur den amerikanischen Botschafter Richard Grenell, sondern auch deutsche Politiker.

Hansjörg Müller | Neue Zürcher Zeitung

Am Freitag hat der Berliner Regierende Bürgermeister Michael Müller seinen Teheraner Amtskollegen Pirouz Hanachi empfangen. Bereits im Vorfeld hatte sich deswegen in der deutschen Öffentlichkeit Kritik geregt: Von einem «fatalen Signal an all jene, die sich täglich gegen Antisemitismus engagieren», schrieb die Berliner Aussenstelle des American Jewish Committee auf ihrer Website. Hanachi vertrete ein Regime, das Israel mit Vernichtung drohe und Terroristen unterstütze. Begleitet wurde Hanachi von Machmud Farazandeh, der Mitte August seinen Posten als iranischer Botschafter in Berlin angetreten hat.

Auf Twitter hatte sich auch die amerikanische Botschaft in die Debatte eingeschaltet: Iran fordere Israels Zerstörung, verfolge Homosexuelle und religiöse Minderheiten und halte ausländische Gefangene zu Unrecht fest. Müller solle den Besuch entweder absagen oder von seinem Gast ein Ende dieser Praktiken verlangen. Auf seinem eigenen Twitter-Account hielt der amerikanische Botschafter Richard Grenell Hanachi vor, mit den iranischen Revolutionswächtern verbandelt («affiliated») zu sein, einer paramilitärischen Organisation, die als ebenso treue wie brutale Stütze des Regimes gilt.

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