Die frappierende Aktualität Adornos selten zitierter Texte

Tiefer, weiter Blick – und die Analyse einer Gegenwart, die noch 50 Jahre entfernt war: Theodor Wiesengrund Adorno, Philosoph und…Foto: akg-images

Alltagskonflikte, Rechtsextremismus, Verrohung. Und die Flucht ins Nationale: Warum gerade jetzt die Lektüre des Frankfurter Soziologen lohnt.

Juljan Krause | DER TAGESSPIEGEL

Als Adorno im Herbst 1949 erstmals seit seiner Flucht aus Nazi-Deutschland wieder Frankfurter Boden unter den Füßen hatte, notierte er in seinem Tagebuch: „Eigentlich gibt es Frankfurt nicht mehr, aber das Leben wirkt normal.“ Die emsig-betriebsame Rückkehr zum Alltag steht in krassem Widerspruch zur Ruinenkulisse der Stadt. Der Aufschwung der 1950er und 1960er Jahre, der die Menschen von den Extremen fort in die sogenannte soziale Marktwirtschaft hinein zu integrieren suchte, führte dann auch zu einer zumindest ökonomischen Befriedung der Gesellschaft. Für Adorno aber vermochten die gefüllten Supermarktregale und der Mittelklassewagen vorm Reihenhäuschen das ungeheuerliche Gewaltpotential bestenfalls zu überspannen, welches unter der Oberfläche der Alltagsökonomie nach wie vor gärt.

Die Spielarten des Lachens als Spiegel der Gesellschaft

Der falsche Friede des Alltäglichen, die augenscheinliche Normalität, aus der die Gewalt aber doch immer wieder hervorbricht, sind Kernthemen in der Gesellschaftsanalyse Adornos und machen insbesondere seine weniger beachteten Texte, 50 Jahre nach seinem Tod und 116 Jahre nach seinem Geburtstag am 11. September 1903, aktueller denn je. Das Gesellschaftliche wird für Adorno gerade dort interessant, wo die Ausfallserscheinungen der spätkapitalistischen Ordnung Einblick gewähren in die Maschinerie, die Menschen als gesellschaftskompatibel zurechtstanzt.

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Welche Mikroben tummeln sich auf der ISS?

Die Internationale Raumstation ISS mag weit von der Erde entfernt sein – doch frei von irdischen Mikroben ist sie nicht. © NASA/ gemeinfrei

Mikrobielle Mitbewohner im All: Astronauten sind auf der Internationalen Raumstation ISS im Großen und Ganzen denselben Mikroorganismen ausgesetzt wie auf der Erde. Wie Analysen offenbaren, gleicht das Mikrobiom dort dem eines normalen Badezimmers. Eine erhöhte Gefahr durch resistente Keime droht den Astronauten demnach nicht. Allerdings: Manche der Mikroben könnten die auf der ISS verbauten Materialien beschädigen.

scinexx

Der Mensch ist nie allein: Überall auf und in uns leben winzige Organismen, ob auf der Haut, in der Nase oder im Darm. Diese oft nützlichen, aber manchmal auch krankmachenden Mikroben begleiten uns überall mit hin – sogar bis ins Weltall. Mit den Astronauten, die seit dem Jahr 2000 in wechselnder Besatzung die Internationale Raumstation ISS bewohnen, sind daher auch unzählige Bakterien und andere Mikroorganismen in diese Außenstation der Menschheit gelangt.

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Warum der Umgang mit Taufanfragen von Flüchtlingen so schwierig ist

Auch vier Jahre nach der großen Flüchtlingswelle nach Europa gibt es Anfragen von Zugewanderten, die Christen werden wollen. Für die betroffenen Gemeinden ist das zwar ein Grund zur Freude. Von vorschnellem Handeln raten Experten allerdings dringend ab.

Gabriele Höfling | katholisch.de

Das Glaubensleben der freien Evangelisch-Lutherischen Dreieinigkeits-Gemeinde in Berlin-Steglitz findet nicht nur auf Deutsch statt. Gottesdienste, Taufvorbereitung und Bibelkreise gibt es dort auch auf Persisch. Rund 1.000 Flüchtlinge hat Pastor Gottfried Martens in den vergangenen Jahren getauft – eine Praxis, die ihm besonders auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle 2015/2016 ein hohes Medieninteresse einbrachte.

Die Frage, wie mit potentiellen Konversionen Geflüchteter zum Christentum umzugehen ist, stellt sich in etlichen Gemeinden der beiden großen deutschen Kirchen. Doch so hohe Zahlen wie in Berlin- Steglitz sind selten. Im Herbst 2017 hat die „Neue Osnabrücker Zeitung“ dazu einige Zahlen zusammengetragen. Demnach bewegten sich die bekannten Konversionen pro Jahr und katholischem Bistum in der Regel im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Bereich. Das gilt etwa für die Diözesen Fulda, Osnabrück, Magdeburg und Würzburg. Insgesamt konvertierten 2015 in den 14 Bistümern, die der Zeitung Auskunft gaben, gut 400 Menschen zum katholischen Glauben. Das ergibt knapp 30 Konversionen für jedes der Bistümer, die ihrerseits wiederum in Hunderte Gemeinden gegliedert sind. Ähnlich sah die Statistik auch für 2016 aus.

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Niederlande verlangt von Russland die Auslieferung von Tsemakh

Präsident Selenskyi begrüßt die Gefangenen am Flughafen, in Russland wurde der Austausch von der Regierung eher als Nebensache behandelt. Bild: Presidential Office of Ukraine/CC BY-SA-4.0

Die ukrainische Regierung hat sich dem Druck aus den Niederlanden nicht gebeugt und setzt auf Annäherung mit Russland; Donald Trump scheint dies zu gefallen

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Am Freitag war der Gefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine doch noch zustande gekommen. Zuvor hatte die überraschende Forderung Russlands, den vom ukrainischen Geheimdienst Anfang August aus der „Volksrepublik Donezk“ verschleppten und seitdem inhaftierten Volodymyr Tsemakh in den Austausch einzuschließen, für Verzögerungen gesorgt (Ukrainischer Präsident zwischen Russland und dem JIT). Tsemakh war, als die MH17 abgeschossen wurde, Mitglied oder Kommandant einer Luftabwehreinheit in Schischne, also in der Gegend, in der das dazu angeblich verwendete Buk-System gewesen sein soll. Angeklagt wurde er wegen Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung – der „Volksrepublik Donezk“ -, er sollte aber auch als Zeuge für den MH17-Prozess in den Niederlanden vernommen werden.

Letzteres war vermutlich Grund der Verschleppung, denn bislang sind im Prozess Zeugen rar, die gegen die bislang vier Angeklagten aussagen könnten. Bislang gibt es nur noch als weiteren Zeugen den 72-jährigen Dmitry Kupriyan (Batia). Der frühere Logistikchef der DNR soll den Schlepper gestohlen haben, mit dem die Buk-Rakete transportiert worden war. Er war festgenommen worden, als er in die Ukraine gelangen wollte. 2017 war er zu 5 Jahre Gefängnis verurteilt worden und soll nun als Zeuge vernommen werden (Ukraine bietet zwei Zeugen an).

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Rückzug bis zum Limit

Der Columbia-Gletscher in Alaska am 21. Juni 2019. © NASA/USGS Landsat

Diese Aufnahme zeigt den Columbia-Gletscher in Alaska – einen der am schnellsten fließenden Eisströme Nordamerikas. Durch den Klimawandel hat dieser Gletscher schon die Hälfte seines Volumens eingebüßt und sich in mehrere Arme geteilt. Sein westlicher Arm könnte sogar so weit geschrumpft sein, dass er am Limit des Rückzugs angelangt ist.

scinexx

Durch die globale Erwärmung schwinden weltweit die Gletscher – sowohl in den Gebirgen als auch in den Polargebieten. Besonders von der Schmelze betroffen sind dabei oft Küstengletscher, deren Zungen ins Meer hineinreichen. Denn sie werden von warmem Wasser unterspült, das gewaltige Kerben und Kavernen in ihre Eisunterseite schmilzt.

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Vatikan maßregelt Missbrauchspriester, laisiert ihn aber nicht

Spanien: Der jetzt 91-Jährige hatte früher offenbar Dutzende männlicher Schüler sexuell missbraucht.

kath.net

Der 91-jährige Tomàs Pons darf keine öffentlichen Messen mehr feiern, keine Beichten mehr hören, keinerlei Kontakt zu Minderjährigen aufnehmen und es ist ihm verboten, die Städte zu besuchen, in welchen er früher gewirkt hat. Das berichtet das spanische Nachrichtenportal „Religión Digital“. Der Priester aus dem Bistum Girona (Katalonien) wird zu einem Leben in Buße und Gebet verpflichtet sowie dazu, seine Opfer um Vergebung zu bitten. Auch sein Wohnort wird ihm zugewiesen. Diese Anweisungen der vatikanischen Glaubenskongregation gibt das Bistum Girona bekannt.

Aus welchen Gründen der nun kirchlich verurteilte Missbrauchstäter nicht laisiert wird, wurde nicht transparent gemacht.

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Giftiges Nahrungsergänzungsmittel: Ohne Kontrolle auf den Markt

Tabletten, Kapseln und Pillen in verschiedenen Farben liegen in einem Medikamenten-Behälter einer Apotheke. | Bildquelle: dpa

Nahrungsergänzungsmittel brauchen eine behördliche Erlaubnis, ehe sie verkauft werden dürfen. Doch Report Mainz zeigt, dass hochgiftige Produkte völlig unkontrolliert auf den Markt gelangen.

Claudia Butter, Philipp Reichert | tagesschau.de

Einem Autorenteam des ARD-Politikmagazins Report Mainz ist es gelungen, ein gefährliches Nahrungsergänzungsmittel bei den Behörden für den Verkauf anzumelden. Während des gesamten Experiments über knapp zwei Monate wurde es weder kontrolliert noch verboten. Auf dem Etikett gaben die Reporter als Zutat einen giftigen Pflanzenstoff an: Datura-Extrakt, also Stechapfel. Nach Einschätzung des Pharmakologen Martin Smollich vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein gehört die Pflanze zu den giftigsten in Mitteleuropa: „Damit kann man potenziell auch Menschen umbringen.“

Verkauft und hergestellt haben die Reporter das gefährliche Produkt nicht, um niemanden zu gefährden. Nahrungsergänzungsmittel müssen beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit registriert werden. Für die Überwachung sind dann die rund 400 Landkreise und kreisfreien Städte zuständig. Auf Nachfrage, warum die drei im Experiment betroffenen Städte das gefährliche Produkt nicht kontrolliert haben, erklärten sie, Nahrungsergänzungsmittel würden nur stichprobenartig kontrolliert. Für die Sicherheit der Produkte seien die Hersteller selbst verantwortlich.

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„Totart“: Kann die Hirnforschung Lahme wieder gehen lassen?

In diesem Saal operieren die Roboter, Kommissarin Odenthal (Ulrike Folkerts) ermittelt gegen Prof. Bordauer (Sebastian Bezzel) Bild: SWR/Sabine Hackenberg

Im neuen „Tatort“ verschwindet ein Querschnittsgelähmter und eine Ärztin wird ermordet. Die Spur führt zu einem Hirnforscher, der wahre Wunder vollbringt. Reine Science-Fiction? Wir haben einen Experten gefragt.

Kais Harrabi | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Herr Prof. Ziemann, der Hirnforscher aus dem neuen „Tatort“, Prof. Bordauer, kann mithilfe von „Platinen“, die er ins Gehirn seiner Patienten verpflanzt, Depression und Demenz heilen, mit einem Chip in seinem eigenen Gehirn kann er angeblich Computer steuern. Auch ein Exoskelett kommt zur Sprache, dass über solch eine Schnittstelle bewegt werden kann. Wie weit ist die Forschung – wie viel davon ist heute schon Realität, wie viel noch Science-Fiction?

Ulf Ziemann: Dieser Bereich der Neuromedizin wird aktuell sehr stark beforscht, und es ist auch schon viel entwickelt worden. Ich spreche jetzt natürlich aus einer klinisch-therapeutischen Perspektive und da zielen die Neurowissenschaften auch hin. Nehmen wir als Beispiel mal einen Patienten, der eine schwer verlaufende Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) hat, wie zum Beispiel Stephen Hawking, der verstorbene Physiker. Oder Menschen nach einem Schlaganfall, die komplett gelähmt sind und nicht mehr kommunizieren können, sogenannte Locked-In-Patienten. Denen können wir mit einem Brain-Computer-Interface die Möglichkeit geben, wieder mit ihrer Umwelt zu kommunizieren. Hierbei werden Elektroden durch einen neurochirurgischen Eingriff auf oder in das Gehirn eingebracht. Diese können elektrische Hirnaktivität messen, und diese Signale können vom Patienten prinzipiell genutzt werden, um zum Beispiel ein Buchstabierprogramm auf einem Computer anzusteuern. Dadurch steigt die Lebensqualität solcher Patienten enorm.

Ein anderer Bereich ist die Tiefe Hirnstimulation. Dabei werden Elektroden tief ins Gehirn eingebracht, die diese Areale dann stimulieren. Das wird zum Beispiel bei Parkinson-Patienten eingesetzt, bei denen die Krankheit sehr weit fortgeschritten ist: die Gliedmaßen sind steif und die Bewegungen zu klein und zu langsam. Durch Stimulation bestimmter Regionen tief im Gehirn können wir diesen Patienten wieder Bewegungsfähigkeit zurückgeben. Momentan werden diese Hirnareale noch dauerhaft stimuliert. Aber man hat herausgefunden, dass es noch viel effektiver ist, wenn man diese Areale als Antwort auf bestimmte Signale stimuliert. Deshalb ist die Neurowissenschaft dabei, Elektroden zu entwickeln, die auch die Hirnaktivität der umliegenden Areale messen können und dann adaptiv stimulieren. Das spart ganz profan auch Akku und Ressourcen.

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Krieg beginnt auch in der Lüneburger Heide

Im Unterlüß traf sich eine Bewegung gegen Militarismus und Krieg, die für Ostermärsche kaum erreichbar ist

Peter Nowak | TELEPOLIS

Die Friedensbewegung in Deutschland hat auch schon mal bessere Zeiten erlebt. Die Zahl derer, die sich an Ostermärschen und anderen Kundgebungen und Demonstrationen beteiligen, ist überschaubar geworden, seitdem Deutschland in verschieden Teilen der Welt an Kriegen beteiligt ist Doch es gibt in Deutschland auch eine Strömung der Bewegung gegen den Krieg, die sich bewusst Antimilitaristen nennen.

Am 9. September endet ein einwöchiges antimilitaristisches Camp in Unterlüß, einer kleinen Gemeinde in der Lüneburger Heide. Das Camp fand mitten im Ort statt und alle sahen die Banner mit der Parole „Krieg beginnt hier“. Damit ist das Rheinmetall-Werk gemeint, das seit 1899 in der Heide seinen Sitz hat. Im Wald nur mit einen Drahtzaum abgesperrt, befindet sich auch das Erprobungszentrum Unterlüß, in dem die Kunden der Waffenschmiede ihre Produkte testen können. Die Aufgaben werden so klassifiziert:

Das Erprobungszentrum Unterlüß ist mit seinem 50 Quadratkilometer großen Erprobungsgelände das größte private Test- und Versuchsgebiet in Europa. Für nationale und internationale Kunden führt die Rheinmetall Waffe Munition GmbH umfangreiche Systemerprobungen und Komponentenerprobungen durch. Wehrtechnische Untersuchungen werden in allen Phasen des Produktentstehungsprozesses durchgeführt.

Kernaktivitäten sind dabei die Ermittlung und Überprüfung der technischen Kenndaten, Leistungsgrenzen, der Funktionstüchtigkeit und Zuverlässigkeit sowie der Wartung und Betriebssicherheit. Hierfür stehen eine Reihe modernster Anlagen und Feuerstellungen zur Verfügung.

Aus der Werbung für das Erprobungszentrum Unterlüß

Ein Rheinmetallgästehaus am ehemaligen Zwangsarbeiterlager

Zu den Rheinmetall-Kunden gehört u.a. die Türkei. Die in Unterlüß erproben Waffen kommen gegen die kurdische Selbstverwaltung in Syrien und Teilen der Türkei zum Einsatz. Daher ist die Parole „Der Krieg beginnt hier“ in Unterlüß eben eine Tatsachenbeschreibung.

Auf dem Camp spielte die Beschäftigung mit der kurdischen Selbstverwaltung in Rojava eine große Bedeutung. Daneben ging es auch um die bis heute unaufgearbeitete Zwangsarbeit in Unterlüß. Im Lager Tannenberg, ca. 4. Kilometer vom Rheinmetallwerk entfernt, waren ca. 900 Jüdinnen aus Osteuropa zusammengepfercht. In den letzten Kriegstagen, als die SS schon geflohen war, wurde sie vom regionalen Volkssturm ins KZ Bergen Belsen gebracht, wo viele von ihnen starben. Die Täter lebten weiter im Ort und auch ihre Nachfahren wollen darüber nicht reden. Da müsste man nur hoffen, dass jemand anfängt, dieses Schweigen über die Rolle von „ganz normalen Deutschen“ zu durchbrechen.

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„Waldorf hat den Charakter einer Sekte“

Foto: dpa. Schon die Architektur der Waldorfschule ist besonders, wie ein Blick in die Freie Waldorfschule Uhlandshöhe in Stuttgart zeigt. Williams hat eine andere Waldorfschule besucht, der Baustil war aber ähnlich.

Nicholas Williams hat an drei Waldorfschulen unterrichtet – ehe er sich entsetzt abwandte.

Protokoll von Bernd Kramer | Süddeutsche Zeitung

Die Waldorfschulen begehen ihren 100. Geburtstag, und kritische Töne an der vom Hellseher und Okkultisten Rudolf Steiner im Schnellverfahren ersonnenen Pädagogik sind in diesen Tagen eher selten zu vernehmen. Beim Festakt in Stuttgart am Samstag hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Waldorfschulen gar als „eine der erstaunlichsten und erfolgreichsten deutschen Bildungsideen des letzten Jahrhunderts“ bezeichnet. Die „Tagesthemen“ der ARD lobten sie vor einigen Tagen und sahen offenbar keinen Interessenkonflikt darin, dass die Autorin des Films selbst äußerst eng mit der Waldorfszene verbandelt ist.

Nicholas Williams, Jahrgang 1981, kennt die Binnensicht gut. Er war Waldorflehrer in Baden-Württemberg – und hat der Schule inzwischen den Rücken gekehrt. Ein Protokoll.

„Ich habe Waldorf aus verschiedenen Perspektiven kennen gelernt. Meine Mutter war Lehrerin an einer Waldorfschule; ich habe dort mein Abitur gemacht und später selbst an drei Waldorfschulen unterrichtet. Was ich da zuletzt erlebt habe, hat mich verstört: Es geht in den Waldorfschulen viel esoterischer zu, als ich mir das früher je gedacht hätte. Waldorf hat den Charakter einer Sekte, und mittlerweile bin ich überzeugt: Waldorf richtet Tag für Tag Schaden an. An fast jeder Schule findet sich ein harter Kern an Leuten, die Rudolf Steiner wie einen Religionsgründer behandeln.

Ich will nicht sagen, dass alles Blödsinn wäre, was die Waldorfschulen machen. Theaterprojekte, Kunst und Gartenbau sind gut, aber das wäre genauso an staatlichen Schulen möglich, ohne den ganzen ideologischen Ballast. Vor allem unterrichten selbstverständlich auch an den Waldorfschulen Menschen, die davon beseelt sind, jungen Leuten etwas beizubringen, die unglaublich gebildet und belesen sind und als Lehrer begnadet. Ich habe viel von diesen Menschen gelernt und von ihnen profitiert. Aber die tolle Arbeit leisten sie nicht wegen, sondern trotz der Anthroposophie.

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Christlicher Populismus trennt CDU von Rechtspopulisten

Die CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer sieht im Bekenntnis zum christlichen Glauben ein Abgrenzungsmerkmal der CDU zu rechtspopulistischen Parteien.

evangelisch.de

Das „C“ sei der Unterschied zu anderen, die sich „ein vermeintlich bürgerliches Etikett anheften“, sagte Kramp-Karrenbauer am Samstagabend in Villingen-Schwenningen mit Blick auf die AfD. Die Bundesverteidigungsministerin und Parteichefin sprach beim Symposium „Christliche Werte in der Gesellschaft von heute und morgen“ zum 80. Geburtstag des früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU).

Jubilar Teufel erinnerte daran, wie in den 1990er Jahren die Partei der Republikaner in den baden-württembergischen Landtag einzog, aber aufgrund politischer Entscheidungen in Land und Bund nach zwei Legislaturperioden wieder verschwunden war.

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Finnland: Polizei ermittelt wegen homophoben Bibelzitat

Bild: bpb.de

Eine christliche Politikerin hatte sich kritisch zu einer Gay-Parade geäußert und dazu Römerbrief 1,27 zitiert – Jetzt ermittelt die Polizei.

kath.net

In Finnland ermittelt die Polizei gegen eine christliche Politikerin, weil diese ihre Kirche wegen einer Unterstützung für eine Pride-Parade kritisiert. Dies berichtet PRO Magazin. Was ist passiert? Die finnische Politikerin Päivi Räsänen und ehemalige Innenministerin, die seit 1995 in Parlament sitzt, hatte aus dem Römerbrief Vers 1,27 zitiert, in der Homosexualität als Sünde bezeichnet wird.

„Wie passt es mit der Grundlage der Kirche, der Bibel, zusammen, Schande und Sünde zum Stolz zu erheben?“, schrieb sie auf Twitter und zeigte sich besorgt, wenn Bibelzitate auch nur für ‚einigermaßen‘ illegal gehalten werden. „Ich hoffe, dass dies nicht zur Selbstzensur unter Christen führen wird.“

Klima-politologischer Dilettantismus

Das Braunkohlekraftwerk Niederaußem der RWE Power AG (pa/Geisler)

In der Debatte um Klimaschutz hat die Politologin Ulrike Ackermann mehr Sachlichkeit angemahnt.

Deutschlandfunk

Es sei wichtig, Ambivalenzen zuzulassen und rational über einen verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen zu debattieren, sagte Ackermann im Deutschlandfunk (Audio-Link). Es bringe nichts, in einem Alarmismus die Weltkatastrophe an die Wand zu malen, der nur radikal begegnet werden könne. Die Klimarettung als oberstes politisches Primat über alles zu setzen, komme fast einer Religion gleich, warnte Ackermann.

Dabei sei die Klimapolitik der vergangenen Jahrzehnte von zahlreichen Widersprüchen geprägt. „Der schnelle Atomausstieg hat dazu geführt, dass wir zum Teil schmutzigen Strom aus unseren EU-Nachbarländern importieren müssen, obwohl wir die großen Vorbilder im Kampf gegen die Erderwärmung sein wollen“, sagte Ackermann. Die damit einhergehenden Strompreiserhöhungen haben aus ihrer Sicht zu Ungerechtigkeiten und Freiheitseinschränkungen für viele Bürger geführt.

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Zwei Jahre nach #MeToo: Die Rückkehr der Gleichgültigkeit

Der Fall Polanski fragt danach, wieso es eine berufliche Zukunft gibt, wenn sexualisierte Gewalt unstrittig stattgefunden hat.Foto: APA/AFP/LAURENT EMMANUEL

Die Rückkehr Roman Polanskis ins Rampenlicht der Filmindustrie markiert einen sichtbaren Wendepunkt in der seit zwei Jahren andauernden #MeToo-Debatte

Nils Pickert | DERSTANDARD

So weit ist es also schon gekommen: Jetzt kann man sich nicht einmal mehr in Ruhe Kinofilme abschauen, ohne dass man dabei vom Hintergrundrauschen aktueller Debatten belästigt wird.

Anscheinend sind selbst die kürzlich zu Ende gegangen Filmfestspiele von Venedig vor feministischen Umtrieben nicht sicher. Diesen Eindruck konnte man jedenfalls angesichts des Schlagabtauschs, den sich der Direktor des Festivals mit der Jurypräsidentin um den Wettbewerbsbeitrag des Regisseurs Roman Polanski lieferte, gewinnen. Während der eine sein Vorgehen damit begründete, dass man Kunst vom Künstler trennen müsse, vertrat die andere die genau entgegensetzte Position. Nämlich dass es unmöglich ist, beides vollständig voneinander losgelöst zu betrachten.

Die Rückkehr Polanskis ins Rampenlicht der Filmindustrie markiert einen sichtbaren Wendepunkt in der seit zwei Jahren andauernden #MeToo Debatte. Auf das Bekanntwerden der ersten schockierenden Fälle folgte eine Phase der intensiven Auseinandersetzung darüber, inwieweit nicht bereits öffentliche Anschuldigungen eine Vorverurteilung darstellen. Mittlerweile wurde diese Phase von einem Prozess schleichender Comebacks der Beschuldigten abgelöst.

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Dodo AKK, die Über-Mutter aller Mütter

Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesvorsitzende der CDU © Christopher Beschnitt (KNA)

Ein Schwangerschaftsabbruch kann nach den Worten der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer für ihre Partei „nie ein Bagatelldelikt, eine Bagatellentscheidung“ sein. Gleichzeitig wolle die CDU keine Politik der Bevormundung machen.

DOMRADIO.DE

Denn das „C“ mache deutlich, dass jeder einzelne Mensch nach dem Abbild Gottes geschaffen sei und daher eine eigene personelle Würde habe, sagte Kramp-Karrenbauer am Samstagabend in Villingen-Schwenningen am Rande des Schwarzwalds. Dies gelte unabhängig etwa von Geschlecht und Geburtsort. „Wir machen Politik auf Grundlage des christlichen Menschenbildes“, so die CDU-Chefin.

Kramp-Karrenbauer, die auch Verteidigungsministerin ist, äußerte sich bei einem Symposium mit dem Titel „Christliche Werte in der Gesellschaft von heute und morgen“. Dieses veranstaltete die CDU Baden-Württemberg anlässlich des 80. Geburtstags ihres früheren Ministerpräsidenten Erwin Teufel.

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Markus Söder und die sanfte Ergrünung der CSU

Screenshot FB

Der ergrünte Markus Söder wirkt sehr zufrieden mit sich. «Das war heute ein sehr wichtiger Tag für die CSU», sagt der Parteichef mit staatstragend-ernster Miene. «Unglaublich geschlossen» sei seine Partei, das mache ihn auch ein bisschen stolz.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die CSU betreibe nun «Klimaschutz mit offenem Herz und scharfem Verstand» – und sie «wolle echte geistige Orientierung für die Zukunft geben».

Kurz zuvor ist eingetreten, womit zwar alle gerechnet hatten, aber vielleicht nicht in dieser Deutlichkeit: Der CSU-Vorstand hat die neue «Klimastrategie» der Partei gebilligt – einstimmig. Natürlich hätten einige an der einen oder anderen Stelle gerne etwas mehr oder etwas weniger gehabt, sagt Söder. Das sei normal. Doch das Ganze zu einem guten Ende zu bringen, das gehöre eben zu einer «politischen Führungsaufgabe» dazu.

Fakt ist: Söder hat seine Partei in den vergangenen Wochen und Monaten merklich ergrünen lassen. Erst das große Artenschutz-Paket, mit dem er auf das bayerische Volksbegehren «Rettet die Bienen» reagierte. Trotz anfänglicher innerparteilicher Widerstände setzte er das Gesetzespaket und damit seinen politischen Kurs letztlich durch.

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AfD-Vertreter: Nächstenliebe ist auf Deutschland begrenzt

Der barmherzige Samariter habe sich um einen bedürftigen Menschen gekümmert, den er am Wegesrand gefunden hatte, sagt der Vorsitzende der „Christen in der AfD“. Daraus leitet er ab, dass „Nächstenliebe keine Fernstenliebe“ sei.

katholisch.de

Joachim Kuhs (63), Vorsitzender der „Vereinigung Christen in der AfD“, sieht die christliche Forderung der Nächstenliebe grundsätzlich begrenzt auf Deutschland. „Die Nächstenliebe ist keine Fernstenliebe; es geht dabei um den, der mir am nächsten ist“, sagte der Abgeordnete des Europaparlaments dem Berliner „Tagesspiegel“ (Samstag). Im biblischen Gleichnis habe sich der barmherzige Samariter um jenen gekümmert, dem er auf seinem Weg begegnete. „Für mich geht es daher zuerst um die Menschen in meiner Stadt.“

„Wir als Christen haben die Verantwortung und die Verpflichtung, uns um Hilfsbedürftige und Flüchtlinge zu kümmern, sie aufzunehmen und zu versorgen. Soweit sie Gott vor unsere Füße legt“, erläuterte der anglikanische Christ. „Aber ich habe sicher nicht die Pflicht, nach Afrika zu fahren und mich dort um sie zu kümmern.“

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