Zwei Jahre nach #MeToo: Die Rückkehr der Gleichgültigkeit


Der Fall Polanski fragt danach, wieso es eine berufliche Zukunft gibt, wenn sexualisierte Gewalt unstrittig stattgefunden hat.Foto: APA/AFP/LAURENT EMMANUEL

Die Rückkehr Roman Polanskis ins Rampenlicht der Filmindustrie markiert einen sichtbaren Wendepunkt in der seit zwei Jahren andauernden #MeToo-Debatte

Nils Pickert | DERSTANDARD

So weit ist es also schon gekommen: Jetzt kann man sich nicht einmal mehr in Ruhe Kinofilme abschauen, ohne dass man dabei vom Hintergrundrauschen aktueller Debatten belästigt wird.

Anscheinend sind selbst die kürzlich zu Ende gegangen Filmfestspiele von Venedig vor feministischen Umtrieben nicht sicher. Diesen Eindruck konnte man jedenfalls angesichts des Schlagabtauschs, den sich der Direktor des Festivals mit der Jurypräsidentin um den Wettbewerbsbeitrag des Regisseurs Roman Polanski lieferte, gewinnen. Während der eine sein Vorgehen damit begründete, dass man Kunst vom Künstler trennen müsse, vertrat die andere die genau entgegensetzte Position. Nämlich dass es unmöglich ist, beides vollständig voneinander losgelöst zu betrachten.

Die Rückkehr Polanskis ins Rampenlicht der Filmindustrie markiert einen sichtbaren Wendepunkt in der seit zwei Jahren andauernden #MeToo Debatte. Auf das Bekanntwerden der ersten schockierenden Fälle folgte eine Phase der intensiven Auseinandersetzung darüber, inwieweit nicht bereits öffentliche Anschuldigungen eine Vorverurteilung darstellen. Mittlerweile wurde diese Phase von einem Prozess schleichender Comebacks der Beschuldigten abgelöst.

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