Die Kirche riskiert den Schiffbruch

Während einer Übung der Organisation Sea-Eye treiben Schwimmwesten im Mittelmeer. Nun will sich auch díe evangelische Kirche an der Seenotrettung beteiligen. Foto: Darrin Zammit Lupi/Reuters

Mit dem Plan, ein Schiff zur Seenotrettung ins Mittelmeer zu schicken, läuft die Evangelische Kirche in Deutschland Gefahr, den Konflikt mit dem Staat und in den eigenen Gemeinden zu verschärfen. Trotzdem ist die Mission richtig.

Matthias Dobrinski | Süddeutsche Zeitung

Die Evangelische Kirche in Deutschland will ein Schiff ins Mittelmeer schicken, das Flüchtlinge vor dem Ertrinken retten soll – gemeinsam mit anderen Gruppen und Organisationen. Das ist ein ziemlich riskantes Unternehmen. Es kann für den Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm, der sich persönlich sehr für das Vorhaben eingesetzt hat, im Schiffbruch enden.

Das Kirchen-Schiff wird zunächst das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Rettern und Mittelmeeranrainer-Staaten mitmachen müssen, wie alle anderen Schiffe, die Ertrinkende aus dem Meer fischen. Es wird Häfen suchen müssen, mit zunehmend verzweifelten Menschen an Bord, wird vielleicht gegen Gesetze verstoßen müssen.

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Superblitze überraschen Forscher

Superblitze sind tausendfach stärker als normale Entladungen – und ihre zeitliche und räumliche Verteilung geben Rätsel auf. © boschettophotography/ iStock

Rätselhaftes Wetterphänomen: Superblitze sind selten, aber tausendfach stärker als normale Gewitterentladungen – und überraschend anders verteilt, wie nun die erste Kartierung dieses Phänomens enthüllt. Demnach ereignen sich Superblitze vorwiegend im Winter statt im Sommer. Zudem treten sie primär über den Ozeanen auf – Hotspots liegen im Mittelmeer, vor der europäischen Atlantikküste und im Andengebiet. Warum die Superblitze dieses Muster zeigen, ist noch unbekannt.

scinexx

Blitze gehören zu den spektakulärsten Phänomenen unseres Wetters. Mit bis zu einer Milliarde Volt springen die grellleuchtenden Entladungen zwischen Gewitterwolken oder zwischen Wolken und Erdoberfläche über. Dabei heizt sich die Luft auf bis zu 30.000 Grad auf und es entstehen sogar Gammastrahlen und Antimaterie. Typischerweise treten Blitze vor allem im Sommer auf und häufen sich über großen, gebirgigen Landmassen – besondere Hotspots sind Afrika, Asien und der amerikanische Kontinent. In Deutschland ist das Alpenvorland ein Blitzhotspot.

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Innenministerium dringt auf mehr Abschiebungen von Griechenland in die Türkei

Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos.Foto: Socrates Baltagiannis/dpa

„Zu geringe Rückführungen“: Innen-Staatssekretär Stephan Mayer hält angesichts der Zustände auf den griechischen Inseln mehr Abschiebungen für nötig.

DER TAGESSPIEGEL

Das Bundesinnenministerium hat Griechenland dazu aufgerufen, mehr Flüchtlinge in die Türkei abzuschieben. Es müsse klar sein, „dass wir dringend Fortschritte bei den zu geringen Rückführungen in die Türkei benötigen, um die heikle Lage in den Hotspots auf den Inseln zu verbessern“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär Stephan Mayer (CSU) den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Situation auf den griechischen Inseln sei „sehr schwierig“. Besonders betroffen seien unbegleitete Minderjährige, für die dringend Verbesserungen erreicht werden müssten.

Auf die Inseln waren in den vergangenen Wochen immer mehr Migranten aus der Türkei übergesetzt. Alle Versuche, die Situation zu entschärfen, scheiterten bisher. Der Flüchtlingszustrom aus der Türkei zu den griechischen Inseln dauerte auch am Mittwoch an: Am Vormittag setzten nach Angaben der griechischen Küstenwache knapp 250 Migranten aus der Türkei nach Griechenland über.

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Deutsche werfen pro Jahr zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel weg

Eine neue Studie zeigt, wie viele Lebensmittel in Deutschland tatsächlich pro Jahr vernichtet werden. Will die Bundesregierung ihre selbstgesteckten Ziele erreichen, müssten bis 2025 jährlich 3,6 Tonnen weniger entsorgt werden als bislang.

WELT

Deutschland produziert pro Jahr zwölf Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle. Das ist nach einem Bericht der „Rheinischen Post“ die Erkenntnis einer im vergangenen Herbst von der Bundesregierung beauftragten Studie, deren Zahlen das Agrarministerium an diesem Donnerstag vorstellen will.

Die Zeitung beruft sich auf eine Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linken. Damit stehe nun auch die Bezugsgröße für die Selbstverpflichtung Deutschlands aus dem Jahr 2015 fest: bis 2025 müssten 3,6 Millionen Tonnen weniger weggeworfen werden, bis 2030 weitere 2,4 Millionen.

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Waffengeschäfte im Auftrag des SOCOM

Granaten von Krusik in einem al-Nusra-Video

Nach geleakten Dokumenten wurden massenweise aus Osteuropa über komplizierte Wege Waffen und Munition, die vom US-Militär nicht verwendet werden, nach Syrien und in den Irak gebracht – auch mit diplomatischen Flügen

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Nach geleakten Dokumenten hat eine Einheit mit dem Namen „Task Force Smoking Gun“ des US Special Operations Command (SOCOM), die seit 2017 in der kroatischen Stadt Podhum stationiert ist, Tonnen an Waffen und Munition aus Osteuropa nach Syrien gebracht. Während das milliardenschwere CIA-Programm zur Ausbildung und Bewaffnung „gemäßigter“ syrischer Kämpfer, die Operation Operation Timber Sycamore, wegen Misserfolgs im Sommer 2017 von US-Präsident Donald Trump eingestellt wurde, scheint das SOCOM weiterhin mit der Lieferung von Waffen meist aus Serbien und Bulgarien nicht nur für die Kurden der SDF beschäftigt zu sein. Schon bei Operation Timber war deutlich geworden, dass die Waffen letztlich bei al-Nusra landeten (oder landen sollten?).

Die von ArmsWatch veröffentlichten Dokumente sollen Waffendeals zwischen der US-Regierung und dem staatlichen serbischen Rüstungskonzern Krusik belegen, die dazu dienten, „non-standard“-Waffen sowjetischer Bauart, die nicht mit den USA in Verbindung gebracht werden können, für das Pentagon-Programm zur Ausbildung und Ausrüstung von „gemäßigten“ Kämpfern in Syrien zu besorgen und mit Flugzeugen der amerikanischen Firmen Atlas Air und Kalitta Air über Katar zu liefern. Das geht aus Verträgen, Emails, Memos, Fotos, Waffenlisten mit Nummern und ihren Käufern hervor.

Ganz neu ist das nicht, solche Waffenlieferungen wurden vom Balkan Investigative Reporting Network (BIRN) mit dem Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) schon 2017 aufgedeckt (Waffentransporte vom Balkan über Saudi-Arabien nach Syrien). Bekannt wurde dadurch auch, dass SOCOM ab Mai 2015 zum Mitspieler wurdeAber jetzt kommen neue Einzelheiten über Organisation, Mithelfer und Transportwege hinzu.

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Milchstraße hat zwei riesige Radioblasen

Hinter den hellen Schlieren im Hintergrund dieser Bildmontage verbergen sich zwei enorme Blasen aus Radiostrahlung im Zentrum unserer Galaxie – ein neuentdeckte Struktur. © University of Oxford/ SRAO

Kosmische Struktur: Im Zentrum der Milchstraße haben Astronomen zwei riesige Blasen aus Radiostrahlung und schnellen Teilchen entdeckt. Die jeweils rund 700 Lichtjahre großen Blasen ragen wie ein Uhrglas nach oben und unten aus dem Galaxienzentrum heraus. Ähnlich wie die weit größeren Gammastrahlen-Blasen unserer Galaxie könnten sie durch einen Ausbruch des zentralen Schwarzen Lochs entstanden sein – wahrscheinlich vor rund sechs Millionen Jahren, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten.

scinexx

Im Zentrum unserer Milchstraße sitzt nicht nur das supermassereiche Schwarze Loch Sagittarius A* – hier finden sich noch andere ungewöhnliche kosmische Phänomene. Zu ihnen gehören die 2010 entdeckten Fermiblasen – 50.000 Lichtjahre weit aus der Galaxienebene hinausragende Blasen aus Gammastrahlen und schnellen Gasen. Anfang 2019 entdeckten Forscher zudem zwei 500 Lichtjahre große „Schornsteine“ aus glühendem Plasma, die die Fermiblasen mit dem Galaxienzentrum verbinden.

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EU-Türkei-Deal: Wie erpressbar ist Europa eigentlich?

Der türkische Präsident droht, die Grenzen für syrische Flüchtlinge zu öffnen und Europa mit einer neuen Flüchtlingswelle zu überschwemmen. Was läuft da schief? Was kann die EU tun? Prominente Experten äußern ihre Einschätzungen.

Die Presse

Scheitert der Türkei-Deal? Kommt eine Flüchtlingswelle auf Europa zu, wie Präsident Recep Tayyip Erdoğan droht? Einige EU-Politiker und Experten zweifeln am Funktionieren des Flüchtlingsabkommens. Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und auch FPÖ-Europasprecherin Petra Steger warnten, die EU sollte sich gegenüber der Türkei nicht erpressbar machen. Experten sind unterschiedlicher Meinung.

Michael Spindelegger

Der frühere ÖVP-Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger etwa spricht sich für eine bessere, vertiefte Zusammenarbeit mit der Türkei aus. „Ich glaube nicht, dass man sagen kann, man ist dadurch (Flüchtlingsabkommen, Anm.) erpressbarer und deshalb eine Politik der geschlossenen Türen fahren sollte“, betonte der Direktor des in Wien ansässigen International Centre for Migration Policy Development (ICMPD) im Gespräch mit der APA. „Ganz im Gegenteil, man muss das mit der Türkei erörtern“, gerade weil sie ein „Angelpunkt“ und „wichtiger Partner“ der EU in der Migrationspolitik sei. Es müsse weiterhin eine „Möglichkeit geben, mit der Türkei gemeinsam diese Themen zu adressieren und zu einer Lösung zu kommen“.

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Pharmakonzerne stoppen Entwicklung von Antibiotika

Eine Packung eines Antibiotikums liegt auf einem Tisch in einer Apotheke. Immer weniger Präparate kommen auf den Markt. Bild: dpa

Obwohl die Ausbreitung resistenter Keime als eine der größten globalen Gefahren gesehen wird, stoppen Pharmaunternehmen die Forschung an neuen Antibiotika – das könnte gesundheitliche Folgen haben.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Zuletzt hatten sich die Branchenriesen Novartis und Sanofi 2018 sowie AstraZeneca Ende 2016 aus der Antibiotikaforschung verabschiedet. Das zeigen Recherchen des NDR. Dem Sender bestätigte nun auch der größte Gesundheitskonzern der Welt, die Firma Johnson & Johnson, dass sich derzeit bei ihnen „keine weiteren Antibiotika in der Entwicklung“ befänden. Dabei hatte der Internationale Pharmaverband (IFPMA) erst 2016 eine „Industrie-Allianz“ („AMR Industry Alliance“) zum Kampf gegen die Resistenzen gegründet. Etwa 100 Unternehmen, darunter Johnson & Johnson, Novartis, Sanofi und AstraZeneca, hatten eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Darin sagten sie unter anderem zu, in die Forschung in diesem Bereich zu investieren.

Die Recherchen zeigen, dass fast die Hälfte der Firmen, die unterzeichnet und damals zu Antibiotika geforscht haben, mittlerweile nicht mehr in dem Bereich aktiv ist. Die Großkonzerne Pfizer und Allergan entwickeln nach Einschätzung von Branchen-Insidern ebenfalls keine neuen Antibiotika-Wirkstoffe, obwohl auch sie Mitglieder der „AMR Industry Alliance“ sind. Auf Anfrage des NDR antwortete Allergan allgemein, es forsche weiter zur Behandlung von Infektionskrankheiten.

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Wann verbietet ihr endlich den Kaffee?

Kaffeeduft
Kaffeeduft (CC-by-sa/3.0/en by Takkk)

Wie heißt der Deutschen populärstes Pestizid? Nein, nicht Glyphosat. Es handelt sich vielmehr um ein Insektizid, noch dazu eines, das viele Menschen Tag für Tag sehnsüchtig erwarten: das Koffein.

Udo Pollmer | Nordkurier

Damit schützt sich der Kaffeestrauch vor Insektenfraß. Ganz ungeniert verleibt sich der Deutsche täglich etwa 300 Milligramm dieses „Insektentods“ ein, um guten Mutes sein Tagwerk zu beginnen. Mengenmäßig ist das viel, viel mehr als das, was wir an Pestizidrückständen so mitverspeisen.

Böse Zungen können stolz auf sich sein: Haben sie nicht vor dem gefährlichen Trunk gewarnt? Vor dem „Genußgift“ Koffein, das den toxikologischen Kennwerten zufolge giftiger ist als Glyphosat? Sie pflegen damit eine alte Tradition: Überall dort, wo Menschen Freude empfinden, wähnen sie das Werk des Teufels, der die armen Sünder verführen und ins Verderben locken will. Was haben die Gesundheitsapostel in den vergangenen Jahrhunderten nicht alles gegen den Kaffee vorgebracht?

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Ein Schatz an Fussspuren gibt Einblicke in das Leben der Neandertaler

Die Ausgrabungen bei Le Rozel. (Bild: Dominique Cliquet)

Was die Forscher aus ihrem Fund im Norden Frankreichs herauslesen, klingt für Erwachsene nach einem anstrengenden Leben: Die Gruppe, die dort ihre Fussspuren hinterliess, bestand aus zehn Kindern und Jugendlichen – und einem einzigen Erwachsenen.

Stephanie Kusma | Neue Zürcher Zeitung

Der Fund war spektakulär: fast 260 Fussabdrücke, die Neandertaler vor etwa 80 000 Jahren hinterlassen haben. Le Rozel, so der Name der Fundstätte, ist ein Dünensystem, das heute zwischen einem Strand und einer Klippe in der Normandie im Norden Frankreichs liegt. Nun haben Forscher einen Teil der Spuren vermessen und von ihnen auf die Zusammensetzung der Neandertaler-Gruppe geschlossen. Was sie aufgrund ihrer Resultate in der amerikanischen Fachzeitschrift «Proceedings of the National Academy of Sciences» beschreiben, erinnert an eine Mischung aus Kindertagesstätte und Schulhort.

Dass man fast 260 Spuren an einer einzigen Fundstätte findet, sei wahrhaft bemerkenswert, sagt die Paläoanthropologin Isabelle De Groote von der Liverpool John Moores University: Bis anhin kannte man neun Neandertaler-Fussabdrücke, von vier verschiedenen Orten. Die Spuren von Le Rozel sind unterschiedlich klar, aber bei einer ganzen Reihe sind sowohl die Ferse als auch der Zehenbereich abgebildet. Die vierzehn besten Abdrücke analysierten die Forscher genau und verglichen sie sowohl mit deutlich früheren afrikanischen Spuren als auch mit jenen des modernen Menschen (Homo sapiens). Von ersteren unterscheiden sie sich demnach deutlich. Denen des letzteren ähneln sie zwar, sind aber insgesamt breiter.

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Forscher erschaffen Mensch-Affen-Chimären

(CC-by-sa/2.0 von Wilfried Berns)

Mit der Schaffung von Mischwesen aus Menschen und Affen begeben sich derzeit Wissenschaftler aus China, den USA und Spanien in ethische Grenzzonen.

Antonio Regalado | Technology Review

In China haben der Biologe Juan Carlos Izpisúa Belmonte vom kalifornischen Salk Institute und Forscher der Katholischen Universität von Murcia gemeinsam mit chinesischen Wissenschaftlern menschliche Stammzellen in Affen-Embryonen injiziert. Ihre Hoffnung ist, dass die menschlichen Zellen sich in dem wenige Tage alten Embryo parallel zu den Affenzellen entwickeln, berichtete die spanische Tageszeitung „El País“. Das Fernziel: Tiere erzeugen, bei denen einzelne Organe vollständig aus menschlichen Zellen bestehen, damit sie den Spenderorgan-Mangel beheben helfen.

Izpisúa Belmonte hatte bereits in einem früheren Experiment versucht, sogenannte Mensch-Tier-Chimären herzustellen. Er injizierte menschliche iPS-Zellen (induzierte pluripotente Stammzellen, die sich in jedes Gewebe weiterentwickeln können) in mehr als 2000 Schweine-Embryonen, die anschließend bis zu vier Wochen lang von Leihmutter-Schweinen getragen wurden. Nur wenige der menschlichen Zellen überlebten die Verpflanzung, aber auch die entwickelten sich nicht zu einem Organ oder anderen nennenswerten biologischen Strukturen der Tiere.

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Grüne in NRW wollen Staatsleistungen an die Kirchen aufkündigen: „Wir müssen nicht auf den Bund warten“

Bild: tilly

Die Grünen in NRW wollen die Staatsleistungen des Landes an die beiden großen Kirchen aufkündigen. Einen entsprechenden Antrag brachte die Fraktion nun in den Landtag ein. Zahlungen an jüdische Gemeinden sollen aber bestehen bleiben.

DOMRADIO.DE

In ihrem Antrag fordern die Grünen die Landesregierung auf, mit den Kirchen über die Staatsleistungen in NRW zu verhandeln. Dabei handelt es sich um einen Betrag von etwa 25 Millionen Euro pro Jahr. Die Zahlungen an die jüdischen Gemeinschaften in Höhe von etwa zehn Millionen Euro sollten davon unberührt bleiben.

„Ablösegebot“ im Grundgesetz

In ihrem Antrag kritisieren die Grünen, dass dem ins Grundgesetz aufgenommenen „Ablösegebot“ der Staatsleistungen an die Kirchen bis heute nicht nachgekommen worden sei. Das aus der Weimarer Reichsverfassung von 1919 stammende Ablösegebot sei 1949 in das Grundgesetz übernommen worden. Die Aufkündigung der Staatsleitunen sei notwendig, „um eine überfällige weitere Entflechtung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche voranzutreiben“, so die Grünen.

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Auf zwölf Rindern ruht das Taufbecken

Der Mormonen Tempel im hessischen Friedrichsdorf: Was verbirgt sich im Inneren? Bild: Wolfgang Eilmes

Weil er vollständig umgebaut wurde, ist der Mormonen-Tempel im hessischen Friedrichsdorf nun für Besucher geöffnet worden. Es offenbart sich ein seltener Anblick.

Bernhard Biener | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Was verboten ist, hat einen besonderen Reiz. Wenn das Innere ihres Tempels in Friedrichsdorf erstmals seit 32 Jahren wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist, darf die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, wie sich die Mormonen heute bevorzugt nennen, mit großem Interesse rechnen. Von Freitag an bis zum 28. September kann sich jeder ein Bild von den Räumen machen, die normalerweise nicht einmal Kirchenmitgliedern ohne weiteres offenstehen. Bei der bis dahin letzten Gelegenheit, kurz vor der Weihe im Jahr 1987, kamen mehr als 70.000 Besucher.

„Das ist nicht Geheimes“, sagt Erich Kopischke über das, was im Tempel vor sich geht. „Nur eben sehr persönlich, das würde man sonst auch nicht jedem erzählen.“ Kopischke ist Generalautorität, gehört einem der sogenannten Siebziger-Gremien an und hat deshalb übergeordnete Aufgaben. Derzeit zählt die Gebietspräsidentschaft Europas dazu. Er gibt sich Mühe, die Sensationsgier zu dämpfen. Zumal derzeit tatsächlich alle Türen offen stehen. Grund ist der Umbau des Tempels in den vergangenen vier Jahren. Äußerlich sieht er zwar unverändert aus. „Innen ist jedoch alles neu und viel größer geworden.“

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Wissenschaft im Gegenwind

Grafik: TP

Über Wissenschaft, rechte Elitenkritik und die Vertrauenskrise Teil 1

Matthias Becker | TELEPOLIS

Der mächtigste Staat der Welt wird bekanntlich von einem Mann regiert, der den Klimawandel für einen Schwindel hält. 13 Prozent der Deutschen sehen das ähnlich, auch wenn sie die Schuld nicht den Chinesen, sondern einer ominösen „Klimalobby“ geben, die sich den Zusammenhang zwischen der Erwärmung der Erdatmosphäre und dem Verbrennen fossiler Energieträger angeblich ausgedacht hat.

Der Anteil der Klimaleugner (dieser Ausdruck hat sich eingebürgert, auch wenn sie natürlich nicht das Klima, sondern die anthropogene Ursachen der Erwärmung leugnen) ist im vergangenen Jahrzehnt sogar leicht gestiegen. Trotz eines überwältigenden wissenschaftlichen Konsens, obwohl wir mittlerweile die Klimakrise im Alltag zu spüren bekommen.

Ignoranz und Misstrauen gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen gibt es nicht nur beim Thema Klima. In Meinungsumfragen äußert einer von fünf Deutschen Zweifel an der Evolutionstheorie. In den USA sorgte vergangenes Jahr eine Umfrage für Schlagzeilen, in der nur 84 Prozent eindeutig überzeugt waren, dass die Erde tatsächlich rund ist. Je jünger die Befragten, umso größer war die Unsicherheit: 16 Prozent in der Altersgruppe 18 und 24 antworteten mit „nicht sicher“, weitere 9 Prozent sagten, sie hätten in letzter Zeit zu zweifeln begonnen (wobei diese Zahlen vorsichtig interpretiert werden müssen). Große Teile der Bevölkerung setzen auf medizinische Behandlungen wie die Homöopathie, die keine wissenschaftliche Grundlage hat. Dafür werden wirksame und sichere Therapien wie Impfungen skeptisch betrachtet.

Bei repräsentativen Umfragen wie dem jährlich erhobenen „Wissenschaftsbarometer“ erklärt zwar nur eine Minderheit von sieben Prozent ausdrücklich, dass sie der Wissenschaft misstraut, aber ein gutes Drittel zeigt sich unentschieden. Auf einzelne Forschungsgebiete wie Genetik oder medizinische Forschung angesprochen, wächst die Ablehnung. Welche Ursachen hat sie – und was können die Wissenschaft und ihre Freunde dagegen tun?

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Die katholische Kirche wird afrikanischer und konservativer werden

In der Kathedrale von Maputo, der Hauptstadt Moçambiques, wird Papst Franziskus begeistert empfangen (Bild: Luca Zennaro / EPA).

Auf seiner Afrikareise gab sich Papst Franziskus sozialkritisch und modern. Will der Vatikan allerdings der wachsenden Zahl der afrikanischen Christen gerecht werden, haben die progressiven Kräfte das Nachsehen.

David Signer | Neue Zürcher Zeitung

Die letzten Tage hat Papst Franziskus die afrikanischen Länder Moçambique, Madagaskar und Mauritius bereist. Er sprach über Korruption, Klimawandel, Abholzung und Arbeitslosigkeit. Er sprach von Versöhnung, von politischer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit als Grundlage des Friedens. Die Konflikte zwischen Christen und Muslimen sieht er vor allem als Folge der Armut und Perspektivenlosigkeit. Auch als Nichtkatholik oder Nichtgläubiger kann man die meisten seiner Aussagen unterschreiben; die Kommentare in Europa sind positiv.

Die wesentliche Frage aber ist, was die Afrikaner selbst glauben. Denn die Zukunft der katholischen Kirche und des Christentums überhaupt liegt in Afrika. Heute machen die Afrikaner 26 Prozent der weltweiten Christenheit aus. Im Jahr 2060 werden es laut dem Forschungsinstitut Pew 42 Prozent sein. Das hat weniger mit Missionierung als mit dem Bevölkerungswachstum in Afrika zu tun. Als Resultat dieser Entwicklung werden die Christen bis im Jahr 2060 32 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, die Muslime 31 Prozent. Will die katholische Kirche ihren Anteil am Kuchen behalten, muss sie ein offenes Ohr für die Anliegen der afrikanischen Christen haben. Der Katholizismus in Afrika ist allerdings sehr konservativ. Trägt der Vatikan dem nicht Rechnung, laufen ihm die Schäfchen davon – wahrscheinlich vor allem in die boomenden Freikirchen. Damit gerät der Vatikan in den Clinch mit seinen europäischen Anhängern, denen die Kirche eher zu rückständig ist. Es ist unmöglich, die beiden Lager zugleich zufriedenzustellen.

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Seenotrettungsorganisationen erheben Vorwürfe gegen EU

Rettungsorganisationen haben in Brüssel der EU und einzelnen Mitgliedstaaten schwere Vorwürfe gemacht. Während die staatliche Seenotrettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer eingestellt worden sei, würden die zivilen Retter an ihrer Arbeit gehindert und kriminalisiert, erklärten Vertreter von im Mittelmeer aktiven Organisationen bei der Veranstaltung „Leben retten ist kein Verbrechen“ am Mittwoch im Europaparlament.

evangelisch.de

„Unsere Minimalforderung: Lasst die zivile Seenotrettung Eure Arbeit machen, solange Ihr es nicht tut“, sagte Markus Stottut von der Organisation „Jugend Rettet“ am Mittwoch im Europaparlament. Das Schiff der Organisation, die „Iuventa“, ist seinen Angaben zufolge seit zwei Jahren in Italien beschlagnahmt, „ohne Beweis, ohne Anklage“. Es habe ein Exempel statuiert werden sollten, sagte Stottut bei der von der Linken-Fraktion organisierten Anhörung. Zuvor sei die Brücke des Schiffes verwanzt worden, um Belege für eine Beihilfe zur illegalen Migration zu finden.

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Bistum Essen kündigt eigene Missbrauchsstudie an

Im Herbst 2018 hatten die deutschen Bischöfe ihre Missbrauchsstudie vorgestellt. Doch dem Bistum Essen reicht das nicht: In einer eigenen Studie soll explizit die Situation im Ruhrbistum untersucht werden. Generalvikar Klaus Pfeffer nennt Details.

katholisch.de

Das Bistum Essen will den sexuellen Missbrauch in der Kirche mit einer eigenen Studie wissenschaftlich untersuchen lassen. Das kündigte Generalvikar Klaus Pfeffer im neuen Bistumsmagazin „Bene“ an. Ein Institut mit entsprechender Expertise solle herausfinden, was in der Vergangenheit im Ruhrbistum dazu beigetragen habe, sexuellen Missbrauch durch Priester und andere Mitarbeitende zu ermöglichen. Auch gehe es um die Frage, warum Verbrechen nicht aufgedeckt, sondern verharmlost oder nicht wahrgenommen worden seien.

„Veränderungen vorantreiben“

Laut Pfeffer sollen die Wissenschaftler zudem klären, wie es geschehen konnte, dass Täter geschützt und stillschweigend versetzt wurden. Ein Ziel der Studie sei auch, den Betroffenen von sexualisierter Gewalt mehr Gehör und Aufmerksamkeit zu schenken. „Wir wollen wissen, was wir verändern müssen – und dann auch Veränderungen vorantreiben“, sagte der Generalvikar.

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