Die katholische Kirche wird afrikanischer und konservativer werden


In der Kathedrale von Maputo, der Hauptstadt Moçambiques, wird Papst Franziskus begeistert empfangen (Bild: Luca Zennaro / EPA).

Auf seiner Afrikareise gab sich Papst Franziskus sozialkritisch und modern. Will der Vatikan allerdings der wachsenden Zahl der afrikanischen Christen gerecht werden, haben die progressiven Kräfte das Nachsehen.

David Signer | Neue Zürcher Zeitung

Die letzten Tage hat Papst Franziskus die afrikanischen Länder Moçambique, Madagaskar und Mauritius bereist. Er sprach über Korruption, Klimawandel, Abholzung und Arbeitslosigkeit. Er sprach von Versöhnung, von politischer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit als Grundlage des Friedens. Die Konflikte zwischen Christen und Muslimen sieht er vor allem als Folge der Armut und Perspektivenlosigkeit. Auch als Nichtkatholik oder Nichtgläubiger kann man die meisten seiner Aussagen unterschreiben; die Kommentare in Europa sind positiv.

Die wesentliche Frage aber ist, was die Afrikaner selbst glauben. Denn die Zukunft der katholischen Kirche und des Christentums überhaupt liegt in Afrika. Heute machen die Afrikaner 26 Prozent der weltweiten Christenheit aus. Im Jahr 2060 werden es laut dem Forschungsinstitut Pew 42 Prozent sein. Das hat weniger mit Missionierung als mit dem Bevölkerungswachstum in Afrika zu tun. Als Resultat dieser Entwicklung werden die Christen bis im Jahr 2060 32 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, die Muslime 31 Prozent. Will die katholische Kirche ihren Anteil am Kuchen behalten, muss sie ein offenes Ohr für die Anliegen der afrikanischen Christen haben. Der Katholizismus in Afrika ist allerdings sehr konservativ. Trägt der Vatikan dem nicht Rechnung, laufen ihm die Schäfchen davon – wahrscheinlich vor allem in die boomenden Freikirchen. Damit gerät der Vatikan in den Clinch mit seinen europäischen Anhängern, denen die Kirche eher zu rückständig ist. Es ist unmöglich, die beiden Lager zugleich zufriedenzustellen.

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