„Amerika braucht eine ‚Tote Hand'“ zur nuklearen Abschreckung


Die russische Interkontinentalrakete Satan (R-36M) kann angeblich zehn Atomsprengköpfe je 170 Kilotonnen über 15.000 km „zielgenau“ transportieren. Bild: Sputnik / Maxim Bogodvidov

Mit der US-Luftwaffe verbundene Wissenschaftler schlagen ein autonomes KI-System, da neue Waffen wie Hyperschallraketen kein Zeitfenster mehr für menschliche Entscheidungen lassen

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Curtis McGiffin, Vizedekan des Air Force Institute of Technology, und Adam Lowther vom Louisiana Tech Research Institute, das auch mit der US-Luftwaffe verbunden ist, haben in einem Artikel einen eigenwilligen Vorschlag gemacht. Sie schreiben unter dem Titel „Amerika braucht eine ‚Tote Hand'“, dass die USA im neuen Wettrüsten ein „auf Künstlicher Intelligenz basiertes automatisches strategisches Reaktionssystem“ entwickeln müsse. Das amerikanische NC3-System (nuclear command, control, and communications) stamme weitgehend noch aus dem Kalten Krieg, als es noch genügend Vorwarnzeit gegeben habe, auch wenn diese zuletzt mit den von U-Booten abgefeuerten Raketen schon auf 15 Minuten geschrumpft ist.

Hyperschallraketen, Stealth-Marschflugkörper und KI würden die Zeitspanne so schrumpfen lassen, dass der US-Präsident nicht mehr vernünftig entscheiden könne oder jeder „human in the loop“ die erforderliche Reaktionsgeschwindigkeit nur behindern würde. Konkret benannt werden neue, in der Entwicklung befindliche russische Waffen wie die Marschflugkörper Kaliber-M and Kh-102, das nuklear betriebene Poseidon-U-Boot oder der manövrierbare Hyperschallraketengleiter Avangard Objekt 4202, die das amerikanische NC3-System unwirksam machen könnten (Gefährliches Wettrüsten mit Hyperschallraketen).

Die sowjetische „Tote Hand“ für das Gleichgewicht des Schreckens

Es geht also darum, das sowjetische Konzept der „Toten Hand“ aus dem Kalten Krieg auf der Grundlage autonomer Systeme zu übernehmen. Auch die USA hatten im Kalten Krieg NC3-Systeme entwickelt, die auf KI basierten, die aber angeblich keinen Angriff automatisch auslösen konnten. Mit dem Konzept wollte die Sowjetunion mit einem System sicherstellen, dass dann, wenn die sowjetische Führung durch einen Erstschlag gezielt ausgeschaltet werden sollte, automatisch ein nuklearer Gegenangriff gestartet wird, um so die gegenseitig zugesicherte Zerstörung (MAD) aufrechtzuerhalten.

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