Organentnahme-Initiative: die Schwächsten als Gratisressource für die Medizinindustrie


Würde die Widerspruchslösung für die Organentnahme eingeführt, würde «Law follows function» Schule machen. (Bild: Gaetan Bally: Keystone)

Die Widerspruchslösung bei der Organentnahme würde auf eine Ausbeutung derjenigen hinauslaufen, die keine Landessprache sprechen, nicht lesen können oder sich nicht mit dem Sterben auseinandersetzen wollen. Das ist nicht im Sinne der Bundesverfassung.

Christoph A. Zenger, Franziska Sprecher | Neue Zürcher Zeitung

Für die Organentnahme gilt heute die sogenannte erweiterte Einwilligungs- oder Zustimmungslösung. Diese konkretisiert den Grundsatz der aufgeklärten Einwilligung, der im schweizerischen Verfassungs- und Gesetzesrecht für jeden Eingriff in die körperliche Integrität eines Menschen garantiert ist. Zum dritten Mal innerhalb von nur zwanzig Jahren wird heute diese Einwilligungslösung für die Organentnahme infrage gestellt, durch die von Swisstransplant unterstützte Initiative «Organspende fördern – Leben retten», fälschlicherweise in den Medien auch als «Organspende-Initiative» bezeichnet. Darin wird die Widerspruchslösung propagiert, mit der Begründung, dadurch würden mehr Organe verfügbar.

Nachdem der Bundesrat bei der Beratung des Transplantationsgesetzes 2007 der Einwilligungs- gegenüber einer Informationslösung den Vorzug gegeben und jetzt die Nationale Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK) der Widerspruchslösung eine Erklärungslösung entgegengesetzt hat, liegen vier mögliche Varianten für die Organentnahme auf dem Tisch. In welchem Verhältnis stehen diese zum Grundsatz der aufgeklärten Einwilligung?

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