Terrorkarriere und Strafverfolgung


Grafik: TP

Nils Donath gehörte zur „Lohberger Brigade“ und beteiligte sich am Dschihad des „Islamischen Staates“ in Syrien. Nachdem er in die Bundesrepublik zurückgekehrt war, gab er gegenüber der Polizei an, er habe in einem „IS“-Gefängnis nur als Koch gearbeitet. Die Beamten glaubten ihm bereitwillig, zumal er sich als Kronzeuge gegen andere Dschihadisten zur Verfügung stellte. So kam er mit einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren davon. Später kam heraus, dass der vermeintliche „Koch“ als Wärter eingesetzt war und mindestens drei Gefangene zu Tode gefoltert haben soll.

Gerhard Piper | TELEPOLIS

Als der Generalbundesanwalt ihn wegen dieser Morde anklagen wollte, gab es juristische Auseinandersetzungen darüber, ob ein neues Strafverfahren – nach dem ersten Urteil – nicht zu einer verfassungsrechtlich verboten Doppelbestrafung führen würde, so dass ein Strafklageverbrauch konstatiert werden müsste. In diesem Fall entschied man sich für eine Strafverfolgung: Seit dem 4. September muss sich Nils Donath erneut vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verantworten.

Die „Lohberger Brigade“

„Abu Ibrahim al-Almani“ alias Nils Donath wohnte in Dinslaken am Niederrhein und gehörte zu einer Gruppe zusammen, die sich „Lohberger Brigade“ nannte, weil die Dschihadisten sich nun mal gerne mit den großen Namen schmücken. Die Gruppe benannte sich nach einem Stadtteil von Dinslaken, in dem viele Migranten leben. Nach der Schließung der Zeche vor Ort, ging es mit dem Stadtteil sozialökonomisch bergab.

Schätzungsweise 25 Jugendliche bzw. junge Erwachsene gehörten zur „Brigade“, das ist für so eine kleine Stadt wie Dinslaken (fast 70.000 Einwohner) eine auffallend hohe Zahl. Als Spiritus rector der Gruppe gilt Mustafa Topal, der sich als „Geistheiler“ betätigte und so den „Satan“ und „Dschinns“ bekämpfte, wie er auf seiner Internet-Seite wissen ließ. Als Wundermittel gegen Krebs empfahl er einen halben Teelöffel Schwarzkümmelöl und Karottensaft. Toll!

Über den Verein berichtete der „Spiegel“ im Juli 2014:

Die Neuen gründeten ihren eigenen Verein in Räumen der Stadt, zwei Schritte vom Marktplatz entfernt. Sie trafen sich dort für „Sebahats“, religiöse Gesprächsrunden. Sie machten Ausflüge in größere Moscheen, in kleinere Wohnungen, zu anderen Glaubensbrüdern.

Mustafa T. ist bis heute als Vorsitzender des Vereins eingetragen. Manche sagen, er habe das Unheil in ihr Dorf gebracht. Andere sagen, er sei so nett und habe so eine leise Stimme, er könne nichts für das Geschehene. Laut der Tätigkeitsbeschreibung fördert der Verein „die wissenschaftliche, politische und berufliche Aus- und Fortbildung von Jugendlichen, die schulische Bildung durch gezielten, auf die Bedürfnisse des Einzelnen zugeschnittenen Nachhilfe- und Förderunterricht – den interreligiösen Dialog sowie den Abbau von Missverständnissen und Vorurteilen zu den Religionsgemeinschaften“. In Lohberg findet sich niemand, der in diesem Verein Nachhilfe bekam, zumindest keine schulische.

Der Spiegel

Zu den weiteren Gruppenmitgliedern gehörten u. a.: Eniz A., Philipp Bergner, Marcel Burzynski, Hassan Diler, Hüssein Diler, Nils Donath, Chris D., Murat D., Yakup E., Yunus E., David Gäbler aus Kempten., Khaled H., Ali I., Murat Kalayci, Mustafa Kalayci, Marcel L. und Murat Semjani. Nach und nach schlossen sich die Mitglieder dem „Islamischen Staat“ (IS) in Syrien an und machten durch ihre besondere Aggressivität Negativschlagzeilen.

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