Warum ein dänischer Bauer sein Haus mit Kuhmilch heizt


Der Ökostrom, den elf Offshore-Windräder nahe der Insel Samsö produzieren, kompensiert den Gebrauch fossiler Brennstoffe, der vor allem im Strassenverkehr und bei den Fährverbindungen zum dänischen Festland noch anfällt. (Bild: Bob Strong / Reuters)

Alle sprechen vom Klimaschutz, die dänische Insel Samsö hat die Energiewende verwirklicht. Und das ohne spezielle Subventionen, dafür aber mit Pioniergeist und politischem Geschick. Experten aus der ganzen Welt pilgern nach Samsö, um das Projekt zu studieren.

Rudolf Hermann | Neue Zürcher Zeitung

«Als ich am ersten Arbeitstag in meinem neuen Job ins leere Büro kam, musste ich zuerst das Telefonkabel in die Buchse an der Wand stecken», erzählt Sören Hermansen. «Dann setzte ich mich hin und fragte mich, wo um Himmels Willen ich nun anfangen solle.» Noch sass er verunsichert an seinem Schreibtisch, da läutete bereits das Telefon. Am anderen Ende der Leitung war ein Japaner: Er wolle nach Dänemark kommen, um dieses sensationelle Projekt, von dem er vernommen habe, mit eigenen Augen zu sehen. «Ich erschrak ziemlich», sagt Hermansen. «Denn vom ‹Projekt› existierte damals nicht mehr als eine Planstudie.»

Mehr als klimaneutral

Das war 1997. Samsö, eine 112 Quadratkilometer grosse, von knapp 4000 Menschen bewohnte und landwirtschaftlich geprägte Insel im Kattegat zwischen Seeland und Jütland, hatte soeben einen von der Zentralregierung in Kopenhagen ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen. Es war um den Entwurf eines Plans gegangen, wie die Energieversorgung eines Gebiets ländlicher Prägung innerhalb von zehn Jahren auf ausschliesslich erneuerbare Quellen umgestellt werden könnte.

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