Umstrittene Initiative veranstaltet „Ex-Muslim-Konferenz“


Das Podium der „Ex-Muslim-Konferenz“. Von links: Veedu Vidz, Mimzy Vidz, Armin Navabi, Kian Kermanshahi, Harris Sultan, Mohamed Hisham. Foto: © Gisa Bodenstein

Auf Einladung der „Initiative an der Basis“ kamen in Berlin sechs frühere praktizierende Muslime zusammen, um ihre Geschichte zu erzählen, wie sie ihren Glauben verloren, wie sie sich heute als Kritiker der Religion betätigen und was ihrer Meinung nach falsch laufe im Umgang mit dem Islam. Dabei wurde teilweise auch die Grenze zum Antimuslimismus überschritten.

Gisa Bodenstein | hpd.de

Anfang September fand in Berlin eine umstrittene Veranstaltung statt: Eine „Ex-Muslim-Konferenz“ mit sechs Teilnehmern aus Großbritannien, Kanada, Deutschland und Australien, die „Tacheles reden“, so die Ankündigung. Zu der dreistündigen Diskussion hatte die „Initiative an der Basis mit Migranten & Flüchtlingen“ eingeladen. Dieser Zusammenschluss aus „Lehrern, Erziehern, Ehrenamtlichen, Sozialarbeitern, BAMF-Übersetzern und Dolmetschern, Justizangestellten, Psychologen, Ärzten, Polizisten sowie säkular und kritisch eingestellten Flüchtlingen und Migranten“, wie es auf der Website heißt, hatte sich in der Vergangenheit vor allem in rechten Medien einen Namen gemacht. Darüber hinaus hat die Initiative einen Forderungskatalog verabschiedet. Darin ist von der „klaren Kommunikation europäischer Werte und einer europäischen Leitkultur gegenüber Geflüchteten“ die Rede, von einer Verpflichtung von Flüchtlingen ohne Sprachkurs, Arbeit oder Ausbildung zu kommunaler, gemeinnütziger Arbeit und davon, dass Asyl eine „zeitlich befristete Aufnahme im Gastland Deutschland“ bedeute sowie keine Straftäter geduldet werden und man den Islam nicht fördern solle. Darüber hinaus will das Bündnis das Berliner Neutralitätsgesetz bundesweit etablieren und beruft sich auf Terres des Femmes und die 1. Kritische Islamkonferenz. Der letzte Punkt der Liste ist fett gedruckt: „Aufnahmestopp für die nächsten drei Jahre, um die aufgelaufenen Probleme zu reflektieren und angemessene Lösungen zu finden.“

Bekannteste Person der Initiative ist Rebecca Sommer, frühere Menschenrechtsaktivistin bei der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ und „Earth Peoples„. Dort setzte sie sich für die Rechte indigener Bevölkerungsgruppen ein und produzierte unter anderem Dokumentarfilme zu dieser Thematik im Auftrag des Ständigen Forums für indigene Angelegenheiten der Vereinten Nationen (UNPFII). Später engagierte sie sich in der Flüchtlingsarbeit und entwickelte dort eine ablehnende Haltung gegenüber Menschen, die aus islamischen Ländern nach Europa kommen. Vor allem ein ausführliches Interview, das zuerst in einem polnischen Onlinemedium erschien, sorgte für Kontroversen: Darin äußert Sommer neben berechtigter Kritik antimuslimische Positionen, Pauschalisierungen und Behauptungen und neigt zu Übertreibungen: Muslimische Geflüchtete schauten „mit Hochmut und Arroganz auf uns Ungläubige herab“ und bedienten sich der „Taqīya„, um den Europäern etwas vorzuspielen, sie zu täuschen und zu manipulieren, um sie zu schwächen und den Islam voranzubringen. Dieses Prinzip der „Taqīya“ existiert tatsächlich, es ist aber nicht, wie Rebecca Sommer behauptet, ein Freibrief, Nicht-Muslime in die Irre zu führen, sondern ist gedacht für lebensbedrohliche Ausnahmesituationen, in denen es erlaubt ist, den eigenen Glauben zu verheimlichen.

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