Opfer und Experten kritisieren Missbrauchsaufarbeitung in Kirche


Woanders wäre es undenkbar, „dass nach so einem Skandal kein einziger irgendeine persönliche Verantwortung übernimmt“: Ein Jahr nach Veröffentlichung der MHG-Studie wird scharfe Kritik an der bisherigen Missbrauchsaufarbeitung der Kirche laut.

katholisch.de

Ein Jahr nach Veröffentlichung der MHG-Studie über Missbrauch in der katholischen Kirche sehen Opfer und Experten nicht genug Fortschritte bei der Aufarbeitung. Die Bischöfe hätten Wahrheit und Gerechtigkeit versprochen, sagte die ehemalige Ordensfrau Doris Reisinger am Freitag im ARD-Morgenmagazin: „Gerechtigkeit in dem Sinne, dass auch Vertuscher zur Verantwortung gezogen werden, das hat ja nicht mal angefangen.“

Reisinger ist die Autorin von zwei Büchern, in denen sie noch unter dem Namen Doris Wagner von sexuellem und geistlichem Missbrauch während ihrer Zeit im Orden „Das Werk“ berichtet. Dass auch Papst Franziskus beim Anti-Missbrauchsgipfel im Februar gesagt habe „das ist der Teufel“, sei „in jeder Hinsicht völlig daneben“, so Reisinger weiter. Sie sehe hier – ähnlich wie bei vielen Missbrauchstätern – den Versuch, „das Böse irgendwo auszulagern, nicht die Verantwortung übernehmen zu müssen“.

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1 Comment

  1. Richtig! Das ZI in Mannheim hatte man ja regelrecht „vorgeführt“. So lange mit Gerhard Kard. Müller noch ein deutscher Papstwahl berechtigter Kardinal im Vatikan war, hielt man sich sehr zurück, gab dem ZI scheinbar nicht einmal alle Unterlagen im Original. Bislang hält sich der Irrglaube, dass ein diözesanen „Bischöfliches Geheimarchiv“ einfach so gegenüber Anwälten oder sonstigen Zivilpersonen geöffnet werden darf. Dem widerspricht das Kirchenrecht, und eine Erlaubnis eines Bischof „sein“ Archiv zu öffnen, konnten wir bisher nicht erblicken.
    So lange Kirche und Politiker*Innen derart verwoben sind wie das letztmalig analog im Hochmittelalter war, wird sich hier nichts ändern. Bröckchenweise klärt sich immer wieder was auf, wenn es dritten Gruppen für erpresserische Zwecke dienen kann, und die derart „Erpressten“ nicht mehr in der Lage sind den Willen des Gegenüber zu erfüllen. Keine allzu „feine“ Art der Aufarbeitung, aber in den letzten Jahren durchaus effektiv.

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