Diyanet – die profitable Religionsbehörde


Die höchste Religionsbehörde der Türkei scheffelt mit verschiedenen Geschäften Millionenumsätze. Nun plant sie den Abriss einer historischen Brauerei. Kritiker fragen sich: Ist so viel Profit noch islamisch?

Aram Ekin Duran | Deutsche Welle

Bomonti war die erste professionelle Brauerei im Osmanischen Reich. Sie liegt im Istanbuler Stadtteil Sisli, mitten im Zentrum der Bosporusmetropole. Nun wurde das historische Bauwerk dem Büro des Bezirksmuftis übergeben. Es soll bald abgerissen werden, damit auf dem Gelände eine Moschee und ein Wohnheim entstehen können. Doch es gibt starken Widerstand gegen das Bauvorhaben.

„Die Bomonti-Brauerei hat eine historische Bedeutung. Ein neues Bauprojekt, das den Charme unseres Bezirks zerstört und den Bauboom weiter ankurbelt, ist nicht gut für uns“, sagt Bezirksbürgermeister Sisli Muammer Keskin der Deutschen Welle. Auch der Vorsitzende der türkischen Ingenieurs- und Architektenkammer, Akif Burak Atlar, ist ein Gegner der Neubauten. „Die Bomonti-Brauerei wurde seit Jahren vernachlässigt. Nicht der Abriss, sondern die Restaurierung der Brauerei sollte diskutiert werden.“

„Diyanet Holding“ – wie reich ist die Behörde wirklich?

Die umstrittenen Bauten auf dem Gelände der historischen Brauerei sind nur ein Beispiel für die zunehmende Geschäftstüchtigkeit der höchsten Religionsbehörde der Türkei. Die staatliche Einrichtung Diyanet, die über 107.000 Mitarbeiter beschäftigt, leitet hunderte ähnlicher Projekte im In- und Ausland. Kritiker warnen, dass die Religionsbehörde bald nicht mehr von einer riesigen Holding zu unterscheiden sei – „Diyanet Holding“ lautet bereits ihr sarkastischer Beiname.  

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