Missbrauchsfälle in Koranschulen erschüttern immer häufiger die Türkei


Zwei Jungen lesen in einer Koranschule in Burdus (Türkei) im Koran. Das Foto stammt aus dem Jahr 1994 und die abgebildeten Personen haben nichts mit den im Text geschilderten Vorfällen zu tun. – picture-alliance / dpa

In den vergangenen 15 Jahren wurden in der Türkei immer mehr Fälle missbrauchter Kinder angezeigt. Beschuldigte waren zumeist Koranlehrer illegaler, aber vom Staat geduldeter Islam-Sekten. Die Erdogan-Regierung reagiert – mit Nachrichtensperren.

Frank Nordhausen | Elbe-Jeetzel-Zeitung

„Gipfel der Ignoranz“ – mit dieser Schlagzeile überschrieb die oppositionelle türkische Tageszeitung „Cumhuriyet“ Anfang September einen Bericht über den jahrelangen sexuellen Missbrauch von Kindern bei einer Islam-Sekte, der seither das Land erschüttert.

Mehr als ein Dutzend Minderjährige seien mutmaßlich von Hodschas (Koranlehrern) einer Religionsschule in Istanbul sexuell missbraucht und vergewaltigt worden, heißt es in dem Bericht. Die Kinder besuchten das Internat einer Koranschule der nicht offiziell registrierten Sekte Fikih-Der (Erkenntnis-Verein) im konservativen Bezirk Ümraniye auf der asiatischen Seite Istanbuls. Nachdem sich sechs Jungen und ihre Eltern an die Polizei gewandt hatten, wurden inzwischen drei tatverdächtige Hodschas festgenommen.

Der Fall löste einen Empörungssturm in den sozialen Medien des Landes aus und hebt eine überfällige Debatte wieder auf die Tagesordnung. Sexueller Missbrauch von Kindern in religiösen Einrichtungen wie Koranschulen oder Kinderwohnheimen ist eines der größten Tabus der Türkei.

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