Ein Jahr nach Missbrauchsstudie — Außer Versprechen nicht viel passiert


Silouhette vor einem Kreuz | Bildquelle: dpa

Vor einem Jahr erschütterte die Missbrauchsstudie der katholischen Kirche das Land. Außer Versprechen folgte nicht viel. Ändert sich das bei der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz, die heute beginnt?

Sebastian Kisters | tagesschau.de

„Wahrheit“ und „Gerechtigkeit“ für die Opfer, versprach der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, vor einem Jahr im Dom zu Fulda. An diesem Tag stellte er die Missbrauchsstudie der Katholischen Kirche vor. Mehr als 1600 Kleriker haben sich demnach nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland an Schutzbefohlenen vergangen. Die Macher der Studie betonten an diesem Tag in Fulda, man müsse ein „mindestens“ bei allen Aussagen zu Opfern und Tätern mitdenken. Denn die Zahlen lieferten die Bistümer selbst. Kein Wissenschaftler durfte für die Studie kirchliche Archive betreten.

Ein Jahr danach: Was ist geworden aus „Wahrheit“ und „Gerechtigkeit“? Ein Treffen mit Doris Reisinger. In ihrem Buch „Nicht mehr ich“ beschreibt sie, wie sie als Nonne von Geistlichen missbraucht wurde – im Kloster, selbst im Beichtstuhl. „Wahrheit“, sagt sie, „das heißt, dass man erfährt, wer Taten begangen hat. Nein!“ Und Gerechtigkeit? „Dann müssten auch Vorgesetzte, die Taten gedeckt oder vertuscht haben, zur Verantwortung gezogen werden. Darüber wird in der Kirche nicht einmal diskutiert.“

weiterlesen