Die zwei Leben des einstigen Spitzenmediziners Helmut J. Bauer


Im Fokus: Außenansicht des Hauptgebäudes der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Foto: Thomas Kopietz

Der angesehene, ehemalige Multiple-Sklerose-Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), Prof. Helmut J. Bauer, hatte eine SS-Vergangenheit, war in Kunstraub und Rassenhygiene der Nazis verstrickt.

Thomas Kopietz | HNA

Bauer soll laut erstmals ausgewerteter Dokumente Mitglied des Sonderkommandos Künsberg gewesen sein, eine der vielen NS-Organisationen, die während des Zweiten Weltkrieges Archivalien, Kunstgegenstände und Kulturgüter aus besetzten Gebieten raubten.

Arzt mit Renommee

Eine aktuelle Studie belegt diese belastete Vergangenheit des mehrfach ausgezeichneten Forschers, der 2008 im Alter von 93 Jahren gestorben war. Damals würdigte ihn die Medizinische Fakultät der Uni Göttingen in einem Nachruf als „großen Arzt, Forscher und Lehrer“.

UMG prüft

Die UMG beschäftigt sich nun intensiv damit, wie sie mit diesem neuen Bild und den verbrecherischen Aktivitäten des einstigen Spitzenmediziners und Direktors der Abteilung Neurologie umgehen soll. Aus den NS-Dokumenten in Staatsarchiven geht hervor, dass biografische Angaben, die auch in einem von der UMG veröffentlichten Lebenslauf publiziert wurden, unvollständig und geschönt sind, stellten die Forscher des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Uniklinik RWTH Aachen fest.

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