Eine Vergiftung mit Insektiziden könnte die rätselhaften Erkrankungen von Diplomaten auf Kuba erklären


Ein Angestellter der Stadtverwaltung verlässt 2018 ein Haus in Havanna, nachdem er dieses mit Chemikalien gegen das Zika-Virus behandelt hat. (Bild: Desmond Boylan / AP)

Anfangs vermutete man einen politisch motivierten Angriff auf das Botschaftspersonal. Doch womöglich steckt eine Präventionsmassnahme gegen Zikainfektionen dahinter, die unvorhergesehene Folgen hatte.

Lena Stallmach | Neue Zürcher Zeitung

Insektizide töten Insekten, für Menschen sollten sie bei sachgemässer Anwendung aber ungefährlich sein. Ist es dennoch möglich, dass sie hinter den rätselhaften Erkrankungen von Mitarbeitern der amerikanischen und der kanadischen Botschaft in Havanna stecken? Eine wissenschaftliche Untersuchung in Kanada stellt dieses Szenario als plausibel dar. Es wäre die erste Erklärung, die keinen politisch motivierten Angriff auf die Vertreter der beiden Länder vermutet. Dafür wirft sie aber drängende Fragen zum Einsatz von Insektiziden auf.

Erstmals bekannt wurde das unerklärliche Leiden im Jahr 2017, als amerikanische Diplomaten nach einem kreischenden Geräusch einen plötzlichen Hörverlust erlitten. Sie beklagten sich ausserdem über Sehstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Schlafstörungen sowie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, die monatelang anhalten sollten. Schnell kam die Vermutung auf, dass es sich um einen gezielten Angriff mit einer geheimnisvollen akustischen Waffe gehandelt habe. Auch wenn diese Erklärung wenig plausibel erscheint, weil Schall sich für einen solchen Einsatz wenig eignet, verwiesen die USA daraufhin zwei kubanische Diplomaten des Landes.

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