Erinnern, aber nicht aufrechnen – Polens Forderung nach weiteren Reparationen für den Zweiten Weltkrieg sind juristisch nicht haltbar


Versöhnung – eine vielschichtige Angelegenheit. Gedenken an den Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September in Warschau. (Bild: Leszek Szymanski / EPA)

74 Jahre sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vergangen, doch immer noch erregt die Frage der Reparationen die Gemüter. Die nationalkonservative Regierung Polens fordert 850 Milliarden Dollar für Kriegsschäden. Berlin betrachtet die Frage als völkerrechtlich abgegolten, könnte aber weitere symbolische Schritte unternehmen.

Reinhold Vetter | Neue Zürcher Zeitung

Anlässlich des Gedenkens an den Beginn des Zweiten Weltkriegs hat die nationalkonservative polnische Führung ihre Forderung nach deutschen Reparationen erneuert. Demgegenüber hält Berlin an der korrekten Position fest, dass es dafür keine völkerrechtliche Grundlage gebe – ungeachtet der moralischen Verpflichtung Deutschlands, auch in Zukunft an diese Verbrechen zu erinnern.

Angesichts der ungeheuren Verbrechen, die Deutsche während des Zweiten Weltkriegs in Polen begangen haben, ist es auch Jahrzehnte später nicht weiter verwunderlich, dass in Polen die Debatte über deutsche Reparationen anhält. Besonders intensiv wird sie geführt, seit die Nationalkonservativen der Partei Recht und Gerechtigkeit (Prawo i Sprawiedliwosc – PiS) im Jahr 2015 die politische Macht in Polen übernommen haben. Die fortdauernde Virulenz des Themas resultierte nicht zuletzt daraus, dass der Charakter der deutschen Besetzung Polens zwar Historikern beider Länder hinreichend bekannt ist und entsprechende Publikationen vorliegen, das Wissen der Polen und Deutschen aber in unterschiedlichem Masse prägt.

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