Die dunkle Seite des Klimawandels


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Der jüngste Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, Weltklimarat) der Vereinten Nationen warnte davor, dass der Klimawandel derzeit die Nahrungsmittel- und Wasserversorgung der Welt gefährdet.

Lawrence M. Krauss | Richard-Dawkins-Foundation

Es überrascht nicht, dass die Nahrungsmittelknappheit die ärmeren Gegenden der Welt weitaus drastischer treffen dürfte als die reicheren Gegenden. Während die humanitäre Katastrophe, die sich mit einer halben Milliarde Menschen, die an Orten leben, die sich in Wüste verwandeln, ergeben könnte, wirklich tragisch ist, haben die daraus resultierenden gesellschaftspolitischen Folgen bereits Auswirkungen auf die Destabilisierung politischer Systeme in der Ersten Welt.

Einwanderung ist zu einem zentralen Streitpunkt für die Rechten im gesamten Westen geworden, die gegen den Zustrom von Einwanderern aus Teilen der Welt, die unter Hungersnöten oder Krieg leiden, kämpfen, mit populistischen Führern von Donald Trump über Boris Johnson bis hin zu Marine Le Pen. Leider führt die Politik der Angst, die den Aufstieg autokratischer Politiker fördert, zu einer Politik, die die Probleme wahrscheinlich noch verschlimmert. Es ist kaum zu erkennen, wie dieser Teufelskreis auf einfache Weise beendet werden kann.

Betrachten wir die Situation in Mittelamerika. Vor anderthalb Jahren habe ich eine Veranstaltung in Mexiko-Stadt einberufen, um über die Auswirkungen des Klimawandels zu diskutieren, und darüber, was wir tun können, um die damit verbundenen Probleme anzugehen.

Laut CIA World Factbook sind 13,4 Prozent der mexikanischen Arbeitskräfte in der Landwirtschaft tätig, während nur 0,7 Prozent der US-Bevölkerung in diesem Sektor arbeiten. Von allen Branchen reagiert die Landwirtschaft vielleicht am empfindlichsten auf Klimaänderungen, insbesondere auf die Menge der Niederschläge und die Verfügbarkeit von Süßwasser.

Wenn es aktuell einen Puffer gäbe, dann wäre die Anfälligkeit für zunehmende Dürren in Mexiko weniger problematisch. Allerdings ist das Wasser bereits sehr knapp. Das Land hat mit jahrzehntelangen Dürren gelebt, und mehrere Studien haben einen signifikanten Zusammenhang zwischen Niederschlagsrückgang und Migration festgestellt.

Und das Problem lässt sich nicht einfach durch eine Migration von den ländlichen in die städtischen Gebiete innerhalb des Landes lösen. Mexiko-Stadt wurde auf einem alten Lehmboden gebaut und die ständigen Bohrungen, die notwendig sind, um nur einen Bruchteil der mehr als 20 Millionen Menschen in der Region der Hauptstadt mit frischem Wasser zu versorgen, lassen die Stadt buchstäblich untergehen. Zwischen 2014 und 2015 sanken die Gebiete in der Nähe des Stadtzentrums durch den anhaltenden Durst nach Wasser bis zu 20 Zentimeter. Trotzdem nimmt die Regierung es hin, dass sich fast 20 Prozent der Einwohner von Mexiko-Stadt nicht darauf verlassen können, Wasser zu erhalten, wenn sie jeden Tag ihren Wasserhahn aufdrehen.

Diese Probleme und der Druck, den sie auf die illegale Migration nach Norden ausüben, werden durch den Klimawandel noch verschärft. Schwere Dürren, die durch regelmäßig wiederkehrende intensive Stürme und Überschwemmungen unterbrochen werden, stellen eine große Herausforderung dar. Eine Studie geht davon aus, dass durch Rückgänge in der Landwirtschaft bis 2080 1,4 bis 6,7 Millionen erwachsene Mexikaner aus dem Land vertrieben werden. Ein andere legt nahe, dass bis zu 10 Prozent der erwachsenen Mexikaner im Alter zwischen 15 und 65 Jahren versuchen könnten, aufgrund steigender Temperaturen, Dürren und Überschwemmungen nach Norden zu emigrieren.

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