Hochschwangere im Kirchenasyl


Auf wenigen Quadratmetern: Heran mit ihrem Lebensgefährten Jared, der eigentlich eine eigene Wohnung hat Bild: Klaus Nissen

Erkennt die evangelische Kirche einen Härtefall an, erhalten Flüchtlinge durch Kirchenasyl Schutz und Unterstützung. Das zuständige Bundesamt teilt diese Sicht allerdings nur selten.

Klaus Nissen | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Mehr als 60 Menschen haben die evangelischen Landeskirchen seit Jahresbeginn Kirchenasyl gewährt. Momentan leben etwa 30 Geflüchtete im Schutz der Kirche, berichtet Andreas Lipsch, Leiter der Abteilung Flucht, Interkulturelle Arbeit und Migration bei der Diakonie Hessen. Das Kirchenasyl sei leider nötig, weil das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge humanitäre Notfälle immer seltener berücksichtige. Als Beleg führte er ein Beispiel aus Friedberg an.

Der ehemalige Gruppenraum im früheren evangelischen Kindergarten an der Kaiserstraße ist seit einem Vierteljahr der Lebensmittelpunkt der 29 Jahre alten Heran M.. An den Wänden stehen ein kleiner Tisch, ein Bett, ein altes Sofa und ein niedriges Regal mit einem zerbrochenen Spiegel. Eine Campingliege kam hinzu, damit auch ihr Lebensgefährte Jared D. im Kirchenasyl übernachten kann. Dabei habe er in Frankfurt eine eigene Wohnung, sagt der gebürtige Äthiopier in fließendem Deutsch. Er lebt seit mehr als zehn Jahren in Deutschland, hat Arbeit und steht kurz vor der Einbürgerung.

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