Wieso kämpfen manche Feministinnen für das Kopftuch, Necla Kelek?


Foto: Stefanie Herbst

Necla Kelek (61) kam mit neun Jahren aus Istanbul nach Deutschland. Heute engagiert sich die promovierte Soziologin für Frauenrechte und eine Modernisierung des Islam. B.Z. traf die streitbare Wahlberlinerin (geschieden, verheiratet, ein Sohn) zum Interview.

Ulrike Ruppel | BZ

B.Z.: Wie haben Sie zum Thema Integration gefunden?

Necla Kelek: Ich habe mich schon früh gefragt, was uns Muslime in der deutschen Gesellschaft von den anderen Gastarbeitern unterscheidet. Und mir fiel auf, dass das mit uns Frauen zu tun hat. Uns Mädchen waren Dinge verboten, die junge Griechinnen und Italienerinnen durften. Dabei waren meine Eltern ziemlich liberal – bis andere türkische Familien nachrückten und sie sich an denen orientierten.

Was ist das Besondere?

Die traditionelle orientalische Familie ist ein Gefängnis für die Frau. Legitimiert durch das islamische Familienrecht. Der Mann pflegt die Öffentlichkeit. Er bestimmt, wie viel Kontakt die Frauen haben dürfen. In der republikanischen Türkei hatte Atatürk die Tür geöffnet. Aber sobald der Islam als Religion im Alltag wieder eine Rolle spielt, ist es vorbei, und die Frau muss wieder ins Haus. Auch die Kinder leiden unter diesen Strukturen.

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